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Recht & Steuern

Verteidigt die Mehrwertsteuersenkung: Ulrich Brandl, Präsident des DEHOGA Bayern Foto: Archiv

Mehrwertsteuer

Ulrich Brandl kritisiert Frank-Walter Steinmeier

24. Oktober 2011

MÜNCHEN/BERLIN. Die Rede des SPD-Fraktionsvorsitzenden Frank-Walter Steinmeier auf dem 2011 kam nicht bei allen Zuhörern gut an. , Präsident des DEHOGAAbk. für Deutscher Hotel- und Gaststättenverband.
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Bayern, stört sich vor allem daran, dass Steinmeier staatlichen Hilfen für Automobilindustrie und Handwerk gutheißt, die Mehrwertsteuersenkung für die Hotellerie aber ablehnt. Seine Kritik macht Brandl nun in einem offenen Brief an den SPD-Politiker publik.

an Dr. Frank-Walter Steinmeier (SPD): (Auszug/Quelle: DEHOGA Bayern)

Sehr geehrter Herr Dr. Steinmeier,

mit Interesse habe ich gestern Ihre Rede auf dem Tourismusgipfel verfolgt, gehört, dass sich die in der Sache für Sie „schwierige Entscheidung“ für die staatlichen Hilfen in der Automobilindustrie mittels der Abwrackprämie gelohnt habe und dass sich die steuerlichen Erleichterungen für das Handwerk positiv ausgewirkt hätten.

Vor diesem Hintergrund und insbesondere der Tatsache, dass Sie nicht auf einer Veranstaltung der Automobilindustrie und auch nicht auf dem deutschen Handwerkertag, sondern auf dem deutschen Tourismusgipfel gesprochen haben, habe ich eine Aussage zu der mindestens ebenso notwendigen Herstellung von Wettbewerbsgleichheit in Form des reduzierten Mehrwertsteuersatzes auf Beherbergungsdienstleistungen schmerzlich vermisst. Es würde mich sehr interessieren mit welcher Argumentation Sie die Hilfen für die Automobilindustrie und das Handwerk gutheißen und gleichzeitig die aus der Mehrwertsteuerreduzierung resultierenden, volkswirtschaftlich nachweisbaren positiven Effekte dieser Maßnahme jedoch ablehnen.

Nachdem Ihre Partei früher selbst aus gutem Grund die Reduzierung der Mehrwert­SteuerFinanzielle Einnahmequelle des Staats und zugleich wichtigstes Instrument zur Finanzierung der staatlichen Aufgaben.
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angemahnt hat und sie für artverwandte Bereiche wie die Personenschifffahrt mit der gleichen Argumentation, wie wir sie für Hotellerie und Gastronomie zu Recht ins Feld führen, aktuell wieder tut (siehe Äußerungen des tourismuspolitischen Sprechers Ihrer Bundestagsfraktion Hans-Joachim Hacker in der Pressemitteilung Bundesregierung versagt bei Reform der UmsatzsteuerVerkehrssteuer, mit der grundsätzlich jeder Ver- oder Gebrauch von Waren und Dienstleistungen belastet wird.
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vom 29.09.11), bitte ich Sie um Stellungnahme, warum die nachweislich hohe Investitionstätigkeit unserer Branche, die nicht zuletzt auch für volle Auftragsbücher im heimischen Handwerk sorgt, schlechter sein soll, als die Direkthilfen für das Handwerk und die Hilfen für die Automobilindustrie?

Ferner sollten Sie als Fraktionsvorsitzender einer sozialdemokratischen Partei doch auch die Interessen von Arbeitnehmern vertreten. Ist Ihnen bewusst, dass unsere Branche allein in Bayern rund doppelt so viele Menschen ernährt, als die beiden bayerischen Automobilunternehmen zusammengerechnet weltweit? Und sind Sie wirklich der Überzeugung, dass die heimische Automobilindustrie in vollem Umfang von der Abwrackprämie profitiert hat? Mir ist noch gut in Erinnerung, dass sich der Chef von Skoda bei unserem Wirtschaftsminister für die Prämie bedankt hat und die Absatzzahlen bei Fiat rückläufig waren, als in Deutschland die Abwrackprämie auslief.

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Leser-Kommentare zum Artikel (3)

Achim Marowsky, Berlin
Achim Marowsky, Berlin

28.10.2011 um 19:01

Betreff: Offener Brief an Dr.Steinmeyer

Sehr geehrter Herr Brandl, herzlichen Glückwunsch zu Ihrem offenen Brief an Frank-Walter Steinmeyer von der SPD. Wie wir am unmittelbaren Kommentar von dem tourismuspolitischen Sprechers der Bundestagsfraktion Hans-Joachim Hacker erkennen müssen, prallen Ihre fundierten Argumente an der parteipolitischen Mauer ab. Natürlich wissen wir, dass Politiker und speziell Juristen in der Lage sind, Belange aller Wirtschaftszweige fundiert zu beherrschen und wir wissen auch, dass beide Politiker sich seit 20 Jahren keine Sorgen um Ihre Alimentierung machen müssen. Wer immer Herrn Steinmeyer die Rede geschrieben hat, kann sicher nicht die täglichen Existenzsorgen und Qualitätsnöte eines selbständigen Hoteliers nachvollziehen. Wer selbst auf einem Tourismusgipfel nicht bemerkt, zu wem er spricht, dem fehlt vielleicht auch der Zugang zu Ihrem profunden Brief. Schade. Machen Sie weiter so. Mit besten Grüßen aus der Hauptstadt

Peter Anton Bosch, Bad Säckingen
Peter Anton Bosch, Bad Säckingen

27.10.2011 um 22:16

Betreff: Steinmeier ....

....ist ein Apparatschik, welcher nie an der Basis Politik "gelernt" hat, der von den Nöten draußen keine Ahnung hat. Hotelerfahrungen hat er aus dem Premienbereich als Vip. Seine Nahrung kommt auch nicht aus dem Restaurant um die Ecke. Mal deutlich: Er schwafelt Referententexte die ebenfalls nicht von Kompetenz gezeichnet sind. Ich schätze Herrn Brandls offene Briefe, wie den auch kürzlich an MdB Fuchs. Weiter so! Und mehr! Und mit einem größeren Verbreitungsgrad mit dieser deutlichen Aussprache. Mit Verlaub - den Beitrag hier von Herrn Hacker habe ich mehrmals durchgearbeitet, neu strukturiert, bis ich verstanden habe was gemeint war.

Hans-Joachim Hacker, Berlin
Hans-Joachim Hacker, Berlin

25.10.2011 um 14:19

Betreff: Offener Brief von U. Brandl an Dr. Frank-Walter Steinmeier

Zum offenen Brief des Präsidenten des DEHOGA Bayern, in dem auf meine Presseerklärung vom 29.09.2011 zum Versagen der Bundesregierung bei der Reform der Umsatzsteuer Bezug genommen wird, nehme ich nachfolgend Stellung. Die SPD-Bundestagsfraktion hat sich in der Vergangenheit gegen Einzellösungen bei der Umsatzsteuer ausgesprochen. Dies ist auch der zentrale Kritikpunkt in meiner Presseerklärung vom 29. September 2011. Die Absenkung des Mehrwertsteuersatzes für die Hotelunternehmen in Deutschland hat die Regierungskoalition mit dem Ausgleich von Wettbewerbsnachteilen der deutschen Hotelunternehmen begründet. Für mich war schwer nachvollziehbar, dass es tatsächlich durch unterschiedliche Mehrwertsteuersätze eine Wettbewerbsverzerrung für das Berliner Adlon-Hotel gegenüber Hotelunternehmen in New York, Rom oder Madrid geben soll. Für Hotels im grenznahen Bereich sieht das sicherlich anders aus. Die damalige Argumentation der Regierungskoalition wäre geeignet, den bisherigen abgesenkten Mehrwertsteuersatz für Flusskreuzfahrtunternehmen weiter gelten zu lassen, was die Bundesregierung nun aber ausschließt. Meine Position ist: Wir brauchen in Deutschland eine durchgreifende und umfassen-de Reform der Mehrwertsteuer, bei der nicht mehr zeitgemäße Privilegierungen und Ungleichbehandlungen aufgehoben werden, Entlastungen jedoch für arbeitsintensive Bereiche erhalten bleiben. Zum letztgenannten könnte nach meiner Auffassung auch die Gastronomie/Hotellerie zählen. Herr Brandl setzt sich für sektorale Regelungen in der Steuerpolitik ein. Dieses ist ein Systemfehler an dem das deutsche Steuerrecht krankt und der durch eine mutige Politik überwunden werden muss. Dazu ist die schwarz-gelbe Koalition ganz offensichtlich nicht in der Lage. Beleg dafür ist, dass nicht einmal die angekündigte Kommission für die Umsatzsteuerreform konstituiert wurde.

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