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Kuscheln im Naturhotel: Die Waldklause Foto: Hotel

Von Micaela Buchholz

„Grün ist das neue Weiß“

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2009/22 vom 30. Mai 2009
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Wer das Wort „Öko-Hochzeit“ zum ersten Mal hört, denkt spontan vielleicht eher an Liebestöter als an eine durchtanzte Nacht. Hochzeitsprofis, die das Thema für sich entdeckt haben, bevorzugen deswegen auch den Begriff „Green Wedding“.

„Grün ist das neue Weiß“, sagt Bettina Pyczak, die ein kleines Taschenbuch mit 100 Tipps für eine umweltfreundliche Hochzeit geschrieben hat. Denn in den USA schießen die Öko-Dienstleister für biologisch korrekte Ja-Sager wie Unkraut aus dem Boden. Vom Hochzeitsplaner über das Niedrigenergie-Honeymoon-Resort bis zum Goldschmied, der garantiert Ringe aus fair gehandeltem Edelmetall schmiedet. „Viele Paare suchen nach Möglichkeiten, ihre Werte und ihr Bewusstsein in ihr Fest einzubringen“, sagt Corina Beczner, Eco-Event-Planner bei Vibrant Events in San Francisco.

Bei einer Bio-Hochzeit geht es in erster Linie darum, die Umwelt zu schonen. Deshalb muss man nicht im Jutesack vor den Altar treten. Es ist eher wie bei einer guten Diät: Man ernährt sich bewusster, verzichtet auf ein paar fiese Dickmacher – trotzdem kann es lecker schmecken und die Mahlzeit appetitlich aussehen. Das heißt für Hochzeiten: Die Location sollte möglichst naturnah sein, etwa ein Schloss, Weingut oder Landhotel. Lassen sich Trauung und Feier dort unter einen Hut bringen, umso besser. Das spart Fahrtkosten.

Ein regionales Bio-Menü, entweder vom Restaurant vor Ort oder von einem Bio-Caterer in der Nähe, sorgt für den schmackhaften und ethisch korrekten Genuss. Auch der gesamte Einladungsvorgang ließe sich, so die Idee aus den USA, umweltfreundlicher per Mail und mit einer Hochzeitswebseite abwickeln, die über den Stand der Planungen informiert. Wer unbedingt traditionell einladen will, soll auf handgeschöpftes und recyceltes Papier umsteigen. Die Ringe: Entweder altes Gold aus dem Familienschmuck unter Anleitung eines Goldschmiedes selbst umarbeiten oder beim Kauf auf fair gehandeltes Edelmetall und Diamanten achten. Für ganz Progressive bietet sich die Alternative Holz- und Papierring an.

Mittlerweile gibt es Designer, die sich auf Öko-Brautmode spezialisiert haben und Naturfasern aus Bioanbau verarbeiten. Auch die Geschenke dürfen ökologisch korrekt sein. Die Tochter von Paul McCartney soll sich zur Hochzeit Setzlinge unterschiedlicher Baumarten gewünscht haben, um sie vor ihrem Landhaus als Hochzeitswald pflanzen. „Viele Städte stellen Brautpaaren Flächen zur Verfügung, auf denen sie die Hochzeitsbäume einpflanzen können“, weiß Hochzeitsexpertin Bettina Pyczak.

Liebesschwur im Iglu

Wie intensiv die Hochzeit letztlich grün gefärbt ist, entscheidet jeder selbst. Keinesfalls muss dabei Verzicht geübt werden. Das Four Seasons Resort Hualalai auf Hawaii bietet für umgerechnet 7900 Euro ein „umweltverträgliches Hochzeitspaket“ inklusive Hochzeitsplanerin an. Diese kümmert sich um die Wahl eines Ortes unter freiem Himmel, um die Heiratsurkunde, Musiker, Brautstrauß, traditionelle Blumenkränze für 25 Gäste, Hochzeitsgewölbebogen aus Bambus, Torte, Fotograf, Champagner.

Die Planerin managt die Paar-Massage und organisiert die Seidenlaternen mit Kerzen aus Bienenwachs, die das Fest stimmungsvoll und natürlich beleuchten sollen. Das Menü wird auf umweltverträglichen Bambusplatten gereicht. Der Blumenschmuck stammt von Züchtern aus der Region.

Hierzulande ist „grün heiraten“ noch kein Thema, das groß an die Hochzeitsglocke gehängt wird. Man heiratet naturnah und ungekünstelt, aber der Bio-Gedanke steht dabei bislang nicht über allem. In der Erinnerung soll nicht die tolle Öko-Bilanz bleiben, sondern zum Beispiel ein schönes Naturerlebnis.

In die Richtung zielt eine neue Hochzeitsbroschüre der Romantik Hotels & Restaurants GmbH. Längst kleben die Gesellschaften nicht mehr am Bankett fest. Und manche Paare genügen sich auch in Zweisamkeit. Auf jeden Fall strebt man ins Freie.

Das Romantik Hotel Schweizer Hof in Grindelwald bietet beispielsweise eine Trauung auf 2222 Metern Höhe in einem von Fackeln erleuchteten Iglu. Weitere Highlights: Gemütliche Fahrt im Pferdeschlitten, Bäumchen pflanzen und Ringe aufpolieren.

Für besonders Sportliche: Das Romantik Hotel Alte Försterei in Kloster Zinner schickt die Gesellschaft mit Skates oder Rädern auf den „Fläming-Skate“, Europas größtes Skate-Wegenetz, zur Zeremonie. Gefeiert wird in der ehemaligen Oberförsterei. Für Bergsteiger: Zu Fuß hoch zur Zugspitze und dann in Deutschlands höchster Kapelle auf 2500 Metern das Ja-Wort geben.

Zweisamkeit im Zirbelholz

Bequeme Paare fahren mit der Kutsche vom Romantik Hotel Spielmann zur Talstation und steigen dann in die Zugspitzbahn um. Wer's lieber unterirdisch liebt, lässt sich vom Romantik Hotel Platte in Attendorn in Deutschlands größte Tropfsteinhöhle entführen und heiratet in der „Grotte der Liebe“. Dazu gibt es Höhlenkäse-Spezialitäten und einen Rosenquarz als Geschenk des Hauses.

Auch das Naturhotel Waldklause im österreichischen Ötztal scheint den Zeitgeist zu treffen – nicht nur bei Frischvermählten. „Wir hatten neulich die Anfrage eines Paares, das seinen fünften Hochzeitstag – das ist die hölzerne Hochzeit – bei uns verbringen wollte, weil wir ein Holzhotel sind“, sagt Irene Bauer.

Die Suiten ihres Hauses sind komplett aus heimischem Zirbelholz. Das soll so beruhigend wirken, dass die Herzfrequenz sinkt. Die Betten sind metallfrei und besonders für Allergiker geeignet. Die Decken aus Wolle von Tiroler Bergschafen sorgen für ein angenehmes Schlafklima. Jedes Zimmer verfügt über einen eigenen Quellwasserbrunnen und eine Sonnenterrasse mit Panoramablick auf die Tiroler Bergwelt. Die Waldklause ist schon optisch ein Genuss für Öko-Fans. Geo Saison wählte das 4-Sterne-superior-Haus zum schönsten Öko-Hotel Europas. „Die Auslastung liegt bei 99 Prozent“, sagt die Chefin. Daher fehle es für größere Hochzeitsfeiern an Raumkapazitäten.

Ins Bio-Hotel und Restaurant kommen die Hochzeiter in erster Linie wegen der regionalen Küche und des naturnahen Ambientes. Aber speziell für Bio- oder Öko-Hochzeiten zu werben, auf die Idee sind die meisten noch nicht gekommen. „Grün heiraten könnte ein netter Aufhänger sein“, überlegt sich Florian Steinhauser. Sein Haus Der Alte Wirt hätte neben der guten Bio-Küche aus der Region noch weitere Pluspunkte zu bieten, die umweltfreundliche Paare frohlocken lassen: Die Zimmer werden nach baubiologischen Grundsätzen umgebaut, und bei Neuanschaffungen achtet Steinhauser auf möglichst niedrigen Energieverbrauch.

„Leben mit dem Lande“ lautet der Werbeslogan des Bio-Hotels Hörger in Kranzberg bei München. „30 Prozent unserer Hochzeiter ist es wichtig, dass wir nachhaltig arbeiten“, sagt Andreas Hörger. Für das gute Gefühl sorgen die saisonale Küche, Bio-Weine, ein Natur- und Erlebnisgarten sowie der preisgekrönte Hotelbau aus Vollholz.

Von all diesen Vorzügen konnten sich Heiratswillige Ende Januar bei der eigenen Hochzeitsmesse überzeugen, die Martina Hörger erstmals organisiert hat. „Wir waren sehr überrascht über die Resonanz“, sagt Andreas Hörger.

Es sprießt also doch schon etwas Grün in Deutschlands Hotellerie. Das ist aber kein Vergleich zu dem, was sich auf dem amerikanischen Markt im Internet tummelt. Auf Portovert.com zum Beispiel, dem „Portal für eine grünere Hochzeit“, wirbt nicht nur die Luxuskette Leading Hotels of the World für die Möglichkeit, in den Nobelherbergen CO{-2}-neutral zu nächtigen. Es gibt einen Green-Wedding-Guide für New York, der zu allen relevanten Adressen lotst – von den Locations bis zum Öko-Modedesigner für das Hochzeitskleid, zu Juwelieren mit „konfliktfreien Diamanten“, nachhaltig arbeitenden Caterern, dem Öko-Floristen oder Hochzeitseinladungen aus Recyclingpapier. Das heißt nicht, dass sich dort ausschließlich ökologisch zertifizierte Anbieter finden. Man sieht das nicht so eng. „Öko ist ein Lifestyle und keinesfalls der Verzicht auf Style“, so die Maxime von Portovert.

Die Idee macht's

Das zeigt auch eine der Hochzeiten, die das Online-Portal als Beispiel vorstellt. Ein Paar, das auf einem Öko-Weingut sein Ja-Wort gefeiert hat, ließ sich von einem Freund aus alten Weinfässern einen extralangen Tisch bauen, an dem die Gäste für das vegetarische Bio-Menü Platz nahmen. Statt in einem Buch eine Widmung zu hinterlassen, brannten die Gäste ihre Namen mit einem speziellen Stift in das Holz ein.

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