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„Der Standard bin ich“

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2009/35 vom 29. August 2009
von  

Die drei Ks – Konzept, Know-how, Kontakte – und noch ein bisschen mehr brachte der gebürtige Österreicher Paul Garai mit, als er 2004 in die Selbstständigkeit startete. Ein mutiger, wohlüberlegter Schritt nach 21 Accor-Jahren.

Bis 2003 war Garai Geschäftsführer Deutschland, Österreich, Rumänien und Tschechien bei Accor. Als Verantwortlicher für 80 Ibis-Häuser kennt er das Produkt „in- und auswendig“ und hat seine Star Inns aufgrund seiner Vorstellungen und Erfahrungen „zur Kategorie Ibis-Plus optimiert“. Denn eine reine Budgetmarke sind seine Hotels nicht. Von der Ausstattung her „Midscale“, entsprächen Marketing, Preispolitik und das eingeschränkte Serviceangebot der Budget-Kategorie, sagt Garai.

Immer unterwegs und erreichbar

Neue Hotels werden bei den Star Inns zwar nicht am laufenden Band eröffnet. Trotzdem geht es seit dem Markteinstieg Schlag auf Schlag. In fünf Jahren von null auf sieben Betriebe Ende 2009 ist kein schlechter Schnitt.

Star Inn ist jung und schlank. Ihre Zentrale in Wien beschreibt Paul Garai als 20 Quadratmeter großes Büro, besetzt mit einer Assistentin. Kathrin und Paul Garai leben in Wien, wo sie aber nur selten anzutreffen sind. Sie sind meist unterwegs und nur per Handy und E-Mail erreichbar.

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Das hält die Zentrale schlank.

Die drei Betriebsgesellschaften – je eine für Deutschland, Österreich und Ungarn – leiten die drei Geschäftsführer gemeinsam: Paul Garai ist für Development und Finanzen zuständig, seine Frau Kathrin verantwortet Human Resources. Reiner Bauch, ebenfalls ein Ex-Accor-Mann, kümmert sich um die Operation aller Betriebe und führt außerdem das Münchner Haus in Schwabing.

Rund um die Uhr erreichbar sind die drei Geschäftsführer, ebenso wie die Direktoren, für ihre Mitarbeiter. Das gibt dem Personal Sicherheit. Denn „eine telefonisch gegebene Antwort ist absolut verbindlich“, betont Garai. Er ist ein Mann der Praxis, der nicht vergessen hat, wie Mitarbeiter ticken, was sie bewegt und wie man ihnen die Arbeit erleichtert: durch klare Richtlinien und Anerkennung.

So vermisst keiner im Star-Inn-Team eine Standards&Procedures-Bibel, die sämtliche Abläufe bis in kleinste Detail regelt und bei „normalen“ Ketten oft blind befolgt wird. „Brauchen wir nicht“, sagt Garai. „Der Standard bin ich“, sagt er frei nach Louis XIV „L'état c'est moi“ (Der Staat bin ich).

Personal inklusive Direktion verbringen ein Maximum ihrer Zeit „am Gast“. Das ist Gesetz für die je nach Betriebsgröße 15 bis 20 Mitarbeiter umfassenden Hotelteams. „Hierarchie ist zwar dem Titel nach gegeben“, sagt Garai. Allerdings müsse jeder alles können, der Rezeptionist mache auch Frühstück, und die Direktoren arbeiteten zeitweise im Schichtdienst.

Garais System setzt auf Eigenverantwortlichkeit. Um den Mitarbeitern die Nähe zu den Gästen auch tatsächlich zu ermöglichen, sind sie von administrativen Aufgaben weitgehend entlastet. Als größten Unterschied zu anderen Ketten nennt Paul Garai deshalb „die Minimierung der Administration“. Bei Star Inn gibt es keine aufwendigen Controlling- und Reporting-Prozeduren. „Wir besitzen ein gläsernes Modell und können zentral auf alle Daten von jedem Hotel zugreifen“, sagt der Gründer. Durch die Vernetzung aller Front-Office-Systeme in den Betrieben via Amadeus Hospitality sind sämtliche Zahlen bis hin zur Gästehistorie jederzeit abrufbar. „Eine tolle Sache“, findet Garai, ohne die sein „Management by Mobilität“ schwer denkbar wäre.

Geld verdienen mit dem Frühstück

Unterstützt wird der gastorientierte Ablauf durch gezieltes Outsourcing. IT und Buchhaltung liegen in Händen externer Fachleute. Ebenso das Housekeeping, doch auch hier wiederum „nicht aus Prinzip, sondern je nach Standort“, ergänzt Garai. Das Star Inn Regensburg arbeitet beispielsweise mit eigenen Zimmermädchen.

So schlank das Konzept auch sein mag,

beim Frühstück lassen sich die Star Inns nicht lumpen. Es ist reichhaltig und überzeugt durch Frische. „Wir berechnen 10 Euro und verdienen damit gutes Geld“, schmunzelt der Österreicher. Kein Outsourcing also bei „der einzigen Mahlzeit, mit der sich im Hotel überhaupt etwas verdienen lässt“.

Zum erfolgreichen Miteinander gehöre auch eine gute und faire Entlohnung mit einem „neuartigen Beteiligungssystem am Unternehmensgewinn“. Alle Star-Inn-Mitarbeiter sind an der Überschreitung des Jahresziels beteiligt, erläutert Garai. Leistung muss sich eben auch lohnen.

Mehrfach betont Paul Garai, dass der Erfolg der Star Inns „nur mit Hilfe unserer motivierten Mitarbeiter funktioniert“. Ihnen eröffneten sich durch die starke Expansion „sehr gute Karrieremöglichkeiten“, so der Manager. „Wir haben in den fünf Jahren unseres Bestehens zwei Direktoren, drei Assistenten und drei Abteilungsleiter aus eigenen Reihen gefördert“, sagt er. Folgerichtig bilden die Star Inns auch aus.

Kathrin und Paul Garai sind angetreten, unter bewusstem Verzicht auf unrentable Geschäftsbereiche eine erstklassige Qualität der Leistungen und Produkte zum bestmöglichen Zimmerpreis am Markt zu bieten. Ein Star Inn bietet alles, was Geschäfts- und Individualgäste im Hotel brauchen: Bett, Bad, TV, WLAN, ein gutes Frühstück und rund um die Uhr Getränke und Snacks von der Bar, die räumlich mit der Rezeption gekoppelt ist. Ein Restaurant entfällt, da es in nächster Nähe zu den Star-Inns andere Restaurants und städtische Infrastruktur gibt.

Bezahlt wird beim Check-in

Star Inn bietet vier Zimmertypen: Standard, Family, Business und Suite mit Zimmerflächen von 16, 22 und 36 Quadratmetern. Der Kategorien-Mix variiert je nach Standort. Das Star Inn Wien, an einem touristisch attraktiven Standort, wird rund 45 Prozent Familienzimmer haben. „Im Normalfall gehören etwa 40 Prozent aller Zimmer zur Standardkategorie, 30 Prozent entfallen auf Business, 20 Prozent auf Familienzimmer und zehn Prozent sind Suiten“, so Garai.

Nach Standort und Mitbewerbersituation richten sich auch die Preise. Absolute Obergrenze für Einzel- und Doppelzimmer ohne Frühstück ist die 100-Euro-Schwelle. Bezahlt wird beim Check-in. Dadurch entfallen Wartezeiten am Morgen. Als angenehmer Nebeneffekt für den Betreiber werden an der Rezeption zwei Mitarbeiter weniger gebraucht.

Und wie hält er es mit Revenue Management? Da lacht der Österreicher: „Viel zu kompliziert.“ Star-Inn-Raten unterscheiden sich zwar je nach Standort und basieren auf einem Preis pro Zimmerkategorie. Nachfragestarke Zeiten wie Messen oder Festspiele werden mit Hochsaison-Aufschlägen berücksichtigt. Das System ist bestechend einfach. „Naturgemäß werden zuerst die günstigen Standardzimmer gebucht“, sagt Garai. Sind diese erschöpft, werden die Buchungen automatisch auf die höherpreisigen Business-Zimmer (plus 10 Euro) oder Suiten gelenkt. „Ansonsten bleiben die Preise das gesamte Jahr über konstant. Wir sind die einzigen, die dieses belegungsabhängige Preissystem haben“, beteuert Garai. Das hat Vorteile für Betrieb und Gast. Das leidige Gefeilsche entfällt: Der Gast zahlt, was er bekommt. Und das ist dann doch der grundlegende Ansatz des Revenue Managements: Jeder Preis hat eine genau definierte Leistung.

Seinen Corporate-Kunden gewährt Star Inn bei entsprechendem Buchungsaufkommen einen Nachlass von 5 Euro auf jede Rate. Verkauf und Vertrieb laufen über drei Buchungswege. Der GDS-Anschluss läuft über Amadeus Hospitality, daneben wird über die üblichen Hotelbuchungsportale und die Star-Inn-Homepage verkauft. Der Verkauf „um den Schornstein“ obliegt jedem Hotel selbst und umfasst nur Zimmer. „Konferenzen sind nicht unser Business“, stellt Garai klar. Das eine oder andere Star Inn habe zwar einen Konferenzraum, der werde aber meist für interne Mitarbeiter-Meetings genutzt und nur auf besonderen Wunsch vermietet.

In seiner Zeit bei Accor hat Paul Garai 35 Hotels entwickelt und eröffnet. Das schult, härtet ab und schärft den Blick fürs Wesentliche. Die Projektentwicklung läuft trotzdem nicht nach festgelegten Parametern ab. „Es gibt die Idee eines Standortes, dann gibt es meine seit 20 Jahren gepflegten Verbindungen mit Partnern und Investoren“, erläutert er seine Strategie. Garais Investoren, die Eigentümer der Immobilien, sind meist institutionelle Anleger, die mehrere Star-Inn-Immobilien im Portfolio führen, aber auch Privatleute. Star Inn ist Pächter und führt die Häuser als Filialen.

„Wir konzentrieren uns auf Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnern, bevorzugen das Stadtzentrum oder strategische Lagen in Wirtschafts- und Industrieansiedlungen“, erläutert Garai die Standortauswahl. Das erste Star Inn wurde 2004 in Regensburg (153 Zimmer) eröffnet. 2006 folgte München-Schwabing (154 Zimmer), und 2008 kamen Salzburg Zentrum (86 Zimmer) und Salzburg Airport (90 Zimmer) hinzu. Im Mai eröffnete Karlsruhe (134 Zimmer). Die nächsten Schritte sind am 1. September die Übernahme des Mercure Hotels München-Nord in Unterschleißheim (58 Zimmer) und die Eröffnung des Neubaus Budapest Centrum (130 Zimmer). Am 1. August 2010 folgen Frankfurt Centrum (102 Zimmer) und Anfang 2012 Wien City West (283 Zimmer) in der Nähe von Schloss Schönbrunn und das 2011 das Star Inn Ulm Zentrum (92 Zimmer). In den nächsten drei Jahren soll die Gruppe auf 15 Häuser in Deutschland, Österreich und Ungarn wachsen. Die geografische Südlastigkeit wird sich spätestens 2012 mit Eröffnung des Star Inn Berlin (112 Zimmer) am Lützowplatz nahe der CDU-Zentrale ändern. Weitere Wunschstandorte sind München-Messe, Hamburg, Stuttgart und Köln.

Angestrebt sind Neubauten, doch die Mischung aus Gelegenheit und strategischer Planung erlaubt auch Konvertierungen. Das Haus in München-Schwabing beispielsweise entstand in einem früheren Siemens-Bürogebäude, das Star Inn Salzburg City war vor der Entkernung ein Möbelhaus.

Die Ausstattung eines Star Inn ist zwar genormt, nicht aber die Zimmerzahl. Zielgröße ist ein Minimum von 90 Zimmern, wobei je nach Standort eine Obergrenze gesetzt ist. „In Frankfurt hätten wir gern mehr als 102 Zimmer, doch das Grundstück gibt einfach nicht mehr her“, sagt der Star-Inn-Erfinder.

Mehr als ein Familienunternehmen

Seinen Investoren kann Garai beeindruckende Zahlen vorlegen. Trotz Krisenjahr kündigt er für 2009 „schöne Gewinne“ an. Bei einem Umsatz von 10 Mio. Euro werde die Rendite 2009 bei 8 Prozent liegen. Über ein „kleines Familienunternehmen“ sieht Paul Garai seine Gruppe längst hinausgewachsen. Damit nicht genug der Vorzüge, zu denen Garai auch die Geschwindigkeit von Entscheidungsprozessen zählt. „Ein neues Hotelprojekt ist bei Star Inn, wenn nötig, binnen 24 Stunden unterschriftsreif bearbeitet und entschieden.“ Großkonzerne brauchen dazu drei bis fünf Monate. Schnell und schlank sind eben auch „Kleine“ stark.

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