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der hotelier

„Ich habe mir diese Position verdient“

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2007/12 vom 24. März 2007
von  Barbara Goerlich

Nur Männer waren bisher auf den Chefsessel des legendären Peninsula Hongkong berufen worden. Allesamt Schweizer, bis auf Chans unmittelbaren Vorgänger Ian Coughlan; auch er Europäer, Ire. Und nun sitzt Rainy Chan auf dem Sessel des General Managers. Sie tritt die Nachfolge so legendärer Hoteliers wie Felix Bieger (bis 1994 Peninsula-General Manager, ihm zu Ehren heißt ein Restaurant „Felix“) und Peter Borer an, bis 2004 an der Spitze des Hotels und heute Chief Operating Officer der Peninsula Gruppe.

Ein Etappenziel nach dem anderen

Rainy Chan hat eine makellose Laufbahn hingelegt und es in knapp 20 Jahren von der Absolventin der Hotelfachschule Lausanne nach ganz oben geschafft. In Hongkong geboren und aufgewachsen, begann die heute 41-jährige Chan 1989 am Front Desk des InterContinental auf der Hawaii-Insel Maui ihre Karriere. 1994 wechselte sie als Front Office Managerin ins Peninsula Hongkong. Dort wurde ihr Potenzial schnell erkannt. Sie führte nützliche Veränderungen ein, erhöhte die Service-Standards und wurde zum Rooms Division Manager ernannt. Zwischendurch absolvierte sie Kurse an der amerikanischen Cornell University, weitere Beförderungen folgten.

Fünf Monate war Chan im neu eröffneten Peninsula Chicago mit der Entwicklung der Service-Standards und der Zusammenstellung des Rooms Division-Teams betraut. Der Wechsel ins Peninsula New York ging einher mit der Beförderung zur Resident Managerin. Die Vorgänge des 11. September erlebte Chan sehr nachhaltig vor Ort: „Ich habe schnell begriffen, was es bedeutet, eine Führungsposition inne zu haben, während plötzlich überall Unsicherheit und Gefahr herrschen und sich unzählige Menschen in Notsituationen befinden.“

Wenig später kehrte Chan als Hotel Managerin ins Peninsula Hongkong zurück, wo sie fürs Tagesgeschäft sowie die Peninsula Arcade mit80 Geschäften und Boutiquen verantwortlich war. Dann, im Jahr 2004, hat Rainy Chan ihr Etappenziel erreicht: Sie wird zur General Managerin des Peninsula Bangkok berufen. 370 Zimmer, vier Restaurants, großes Konferenzzentrum und knapp 1000 Mitarbeiter. Als letzte offizielle Amtshandlung eröffnete die Powerfrau Ende 2006 noch das neue Peninsula Spa, das alles bisher Dagewesene übertrifft, hinterließ ihrem Nachfolger ein wohl bestelltes Haus und folgte dem Ruf ins Hongkonger Flaggschiff der Gruppe.

„Die Seele eines Hotels“ sind für Rainy Chan die Mitarbeiter. „Die Verpflichtung, die die Peninsula-Gruppe ihren Mitarbeitern gegenüber eingeht, ist einzigartig und hat mich stark beeinflusst“, sagt sie. Da sie persönlich auch davon profitieren konnte, indem sie gefördert und motiviert wurde, sind für sie „Investitionen in die Ausbildung unserer Mitarbeiter der beste Weg zu langfristigem Erfolg“. „Exklusive Ausstattung kann man kaufen, auch gutes Personal einzustellen, ist einfach“, erklärt die zierliche Frau. Entscheidend aber sei, wie aus guten Mitarbeitern „großartige“ Mitarbeiter werden.

Läuft ein derart etablierter Grandhotel-Betrieb mit unzähligen gut ausgebildeten und langjährigen Mitarbeitern nicht von allein? Braucht man da überhaupt eine „Anführerin“? Da lacht sie und freut sich, denn in der Tat werde das Pen Hongkong von einem hervorragenden Team geleitet. „Doch auch das beste Fußballteam braucht einen Anführer und Trainer, der sicherstellt, dass das Team sein Bestes gibt und – noch wichtiger – dass die Teammitglieder bestens motiviert sind.“ Kein Wunder, dass Rainy Chan den Schwerpunkt ihrer Tätigkeit bei den „People“ sieht: Mitarbeitern und Gästen.

Ihr Antrieb ist ein gesunder Ehrgeiz. Jeder Hotelier strebe doch an die Spitze, das sei bei ihr nicht anders. Als sie 1994 bei Peninsula als Empfangschefin anfing, habe sie natürlich mit dem Gedanken gespielt, wie es wäre, eines Tages General Managerin des berühmten Hotels zu sein. „Allerdings schien das damals unglaublich weit weg“, lacht sie. Doch sie hat es innerhalb von einem Dutzend Jahren geschafft, an die Spitze zu gelangen.

Dass mit der Berufung einer Frau in diese exponierte Position auch eine neue Ära anbrechen könnte, glaubt Chan durchaus. „Jedes Buch hat ein erstes Kapitel. Und ich bin glücklich und stolz, dass ich drin bin.“ Frauen hätten in der Hotellerie hervorragende Chancen, findet Rainy Chan, rät karrierewilligen Geschlechtsgenossinnen jedoch davon ab, sich zwecks Aufstieg wie ein Mann zu verhalten. „Haben Sie keine Angst, Gefühle zu haben und diese auch zu zeigen“, rät sie.

Chan wird geradezu philosophisch, wenn sie Karriereaspirantinnen empfiehlt, dass es zwar gut sei, immer alles richtig zu machen. Sie persönlich findet es jedoch viel wichtiger, „die richtigen Dinge zu tun“.

Gibt es einen Unterschied zwischen männlichem und weiblichem Führungsstil? „Keine Ahnung, ich war noch nie ein Mann“, scherzt sie. Jeder Mensch habe einen anderen Führungsstil, andere Prinzipien und Werte. Deshalb sollten Menschen nach Chans Meinung nicht nach ihrem Geschlecht, sondern nach den Resultaten beurteilt werden.

Glücklich im Traumjob

Dazu gehört auch eine gesunde Work-Life-Balance. Diese sei in jedem Job wichtig, nicht nur in der Hotellerie. „Ich arbeite selbst sehr hart daran, diese Balance zu halten“, gibt sie zu. Zum Ausgleich treibt sie Sport, das hält fit und hilft ihr abzuschalten und zu entspannen. Außerdem spielt die unverheiratete Chan gern Golf, liebt das Reisen und verbringt so viel Freizeit wie möglich mit Freunden.

Wie es mit ihrer eigenen Karriere weitergeht, darüber mag sie derzeit nicht nachdenken. „Meine Berufung ist zu frisch, ich bin so froh und glücklich darüber. Da ist es viel zu früh, über die Zukunft zu spekulieren. Ich habe die Position erreicht, die ich mir lange erträumt habe. Und ich will momentan nichts anderes machen.“

Warum gerade sie die Position bekommen hat? War es Glück und Timing, also zur rechten Zeit am rechten Ort? Für Rainy Chan ist das kein Thema. Bei Peninsula gelte der Grundsatz, die eigenen Leute zu formen und zu fördern, und zwar im guten patriarchalischen Sinne. Wenn es eine Position zu besetzen gibt, sei es ein Page oder ein General Manager, dann werde selbstverständlich erst innerhalb der Company nach der richtigen Besetzung gesucht. „Ich bin seit knapp 13 Jahren bei der Company, habe in unterschiedlichen Funktionen in vier der sieben Pen-Hotels gearbeitet. Ich habe hart und viel gearbeitet. Und letztendlich habe mir diese Position verdient.“ Barbara Goerlich

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