Der Hotelier - Das Ideenmagazin der AHGZ
„Luxus ist unsere DNA“
Zu viel von einer guten Sache kann wundervoll sein!“ Diese so kecke wie hedonistische Aussage zum Thema Luxus stammt von der amerikanischen Schauspielerin Mae West, Sexsymbol der 30er Jahre, Inbegriff der Femme fatale. Pracht, Reichtum, Prestige – so alt wie die Menschheit ist das Streben nach dem Schwelgen in Üppigkeit, dem Besonderen und dem Abheben vom Durchschnitt der Masse. Dieses Trachten brachte unter den Menschen Dramen hervor und nicht zuletzt Verbrechen.
Doch wie sieht es jetzt in der Industrie des Überflusses aus, in Zeiten globaler Knappheit in der Finanzkrise? Eine fast seismografische Branche kann dazu konkretere Angaben machen: Die Luxushotellerie, etwa mit den Brands Four Seasons Hotels and Resorts, Jumeirah, Sofitel und The Address, Neuling der Branche aus Dubai. Eine Analyse von vier Experten, die bestimmen, was in den edelsten Herbergen weltweit passiert. Kurz könnte das Resultat so zusammengefasst werden: Wir machen weiter mit dem, was wir am besten können.
Gelassenheit und nicht die Spur von Panik, das steht in den tiefblauen Augen von Gerald Lawless, oder Mr. Jumeirah, wie er auch in der Branche genannt wird. „Wir sehen keinen Grund, unseren Expansionskurs zu verlangsamen oder die Richtung zu ändern. Unsere Reputation ist sehr stark. Sie ist besonders durch unsere Häuser in Dubai geprägt. Man kann auch sagen: Luxus ist unsere DNA“, sagt der Ire.
Kein Wunder, kann er doch mit einigen Trümpfen aufwarten. Zu seiner Gruppe gehören das 5-Sterne-Businesshotel Jumeirah Emirates Towers und die extravagante Schwester, das Burj Al Arab, Wahrzeichen Dubais mit dem markanten Sonnensegel. Expandieren will die Gruppe, und zwar weltweit und heftig. Derzeit betreibt das Management-Unternehmen elf Hotels und Resorts, 60 sollen es bis zum Jahr 2012 werden. Dazu zählt auch das 5-Sterne-City-Hotel in Frankfurt, das Mitte 2010 eröffnet werden soll.
Kein Grund zum Ausruhen
Über ein schleppendes Geschäft durch die Krise macht Gerald Lawless sich keine Sorgen. „Die Zubringer-Helikopter vom Flughafen in Dubai landen weiterhin auf dem Dach des Burj Al Arab“, sagt Mr. Jumeirah. Die Auslastung im März, April und Mai habe bei 90 Prozent gelegen. Mit an der Spitze demnach: die Nachfrage aus Deutschland.
Dennoch gibt es nach Meinung von Lawless keinen Grund, sich auszuruhen. Die Kunden schauten nun intensiver, dass sie für ihr Geld einen sehr guten Gegenwert bekämen. „Die Luxus-Industrie entwickelt sich kontinuierlich weiter, und wir müssen unser Produkt diesem Markt anpassen“, sagt Lawless. Künftig werde für die Gäste bei ihrer Wahl ein spezieller Mehrwert eine Rolle spielen, etwa in den Bereichen Wellness oder Bildung. „Der Trend geht in die Richtung, dass Gäste nach einem Besuch sagen können: Ich habe meinem Wissen und meinem Wohlbefinden etwas hinzugefügt.“
Eine Weiterentwicklung prognostiziert auch Jo Groebel, Medienpsychologe und Direktor des Digitalen Instituts in Berlin. „Luxus ist so alt wie die Menschheitsgeschichte und eng mit dem Wunsch verknüpft, daran partizipieren zu wollen. Gerade in Krisenzeiten wird Luxus wichtig. Denn man kann sich vergewissern, dass es einem selbst, anders als den anderen, gut geht“, umreißt Groebel die Natur menschlichen Verlangens nach Überfluss.
Gesucht werde ein Ausweis, ein soziales Signal. „Symbole materieller Natur waren schon lange nichts Exklusives mehr“, meint Groebel. Erst jüngst titelte ein deutscher Discounter in seinem Werbeblättchen: „Luxus für alle“. Bei einem TV-Spot für ein Auto quäkt ein Zitat von Oscar Wilde aus dem Fernseher: „Heutzutage kennen alle den Preis und keiner den Wert.“ Phänomene, die nach Meinung des Medienpsychologen in der Vergangenheit den Begriff Luxus für eine breite Masse verwaschen haben. „Zwar wurde ein Code gewählt, der Abgrenzung signalisieren sollte, der sich in Wirklichkeit aber auf Massenware bezog, die mit einer gewissen Aura umgeben werden sollte.“
Die derzeitigen Instrumente für wahren Luxus in Abgrenzung zum Massenprodukt beinhalteten außer den reinen materiellen Aspekten auch Wellness- und Beautyangebote. „Doch das wird in fünf bis zehn Jahren nicht mehr reichen. Außer der dann überall angebotenen körperlichen Beschäftigung wird eine spirituelle Seite als Luxusinhalt hinzukommen, beispielsweise Philosophiekurse oder andere Mehrwertangebote“, prognostiziert Groebel.



