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Andreas Wienecke: „Ich bin ein Mann der klaren Worte“ Foto: Hotel

Der Hotelier - Das Ideenmagazin der AHGZ

Der Querdenker

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2009/26 vom 27. Juni 2009
von

Gemessenen Schrittes kommt Andreas Wienecke durch die lichtdurchflutete Hotellobby. Weit streckt er die Hand zur Begrüßung aus. Ein selbstsicheres Strahlen liegt auf seinem runden Gesicht, unter dem dunkelblauen Einreiher wölbt sich der Leib. Ein Mittelständler wie aus dem Bilderbuch: Ein Familienunternehmer, dessen betriebliche Erfolgsgeschichte mit einem hart erarbeiteten Startkapital für den Kauf der ehemaligen Wülfeler Brauereigaststätte in Hannover vor rund 16 Jahren begann; an seiner Seite Ehefrau Martina.

Die Selbstständigkeit hat Wienecke lange geplant. „Als Fünfzehnjähriger wusste ich, dass ich mein eigener Herr sein will. Unabhängig zu sein, etwas zu bewegen und zu gestalten, das war das Wichtigste für mich“, erzählt er. Andreas Wienecke lacht viel, und seine blauen Augen hinter der schlichten Brille verraten Neugier und Tatendrang. Er wirkt trotz aller Erfolge bescheiden und bodenständig. Vielleicht liegt es an seinen Wurzeln: Seine väterlichen Vorfahren arbeiteten als Bauern, der Großvater mütterlicherseits betrieb eine Margarinefabrik in Berlin. Seine Kindheit verbrachte der Gymnasiast mit seinen drei Geschwistern im niedersächsischen Meine.

Mit Humor ans Ziel

Die Branche spielte für seine Pläne eher eine untergeordnete Rolle. Wenn man erfolgreich sei, komme der Spaß von allein. Sein großes Interesse gilt alternativen Energien. Gern hätte er eine Spengler- oder Sanitärlehre absolviert, es mangelte aber an einer Lehrstelle. Der Abiturient startete stattdessen seine Karriere mit einer Ausbildung zum Restaurantfachmann. Die Gastronomie bereitete dem Genussmenschen schnell viel Spaß, und so arbeitete er zielgerichtet auf die Selbstständigkeit hin.

„Als 32-jähriger Vizedirektor bei Mövenpick habe ich aufgehört zu arbeiten, habe mich selbstständig gemacht und bin meinem Hobby nachgegangen“, sagt der Absolvent der Hotelfachschule Hannover. Die damalige Wülfeler Brauereigaststätte erfüllte die Voraussetzungen für die Selbstständigkeit: Es sollte ein Objekt mit Management- und Gewinnperspektive zwischen Hamburg und Hannover sein.

Danach ging alles relativ schnell. Zwei Jahre später kaufte das Ehepaar Wienecke das Objekt und übernahm schrittweise die weiteren gastronomischen Einrichtungen und Gebäude auf dem 18.000 Quadratmeter großen Gelände. Das Kapital von umgerechnet 40.000 Euro für die Pacht der Brauereigaststätte samt zwei Festsälen haben sich die Ehepartner von ihren Gehältern als Direktoren bei Mövenpick zusammengespart. Die zusätzlich erforderlichen 750.000 Euro ermöglichten sie über Bank-, Brauerei- und Privatkredite.

1999 finanzierte die Hausbank, die heutige Berlin Hyp, den Bau des 4-Sterne-Designhotels Wienecke XI. mit 280 Betten, Lobbybar und Veranstaltungsbüro. Das Ehepaar musste für die Immobilien aufkommen. „Die anderen Investitionen haben wir aus dem Cash-Flow bezahlt“, sagt Wienecke. Allein in den ersten zehn Jahren entfielen umgerechnet rund 4,75 Mio. Euro auf die Altbausanierungen. „Wir haben jeden Cent umgedreht“, sagt der Hausherr. Insgesamt haben sie in den 17 Jahren rund 20 Mio. Euro investiert. Seine funkelnden Augen verraten die Freude über den erfolgreichen Geschäftsverlauf des mit dem Umweltzertifikat „Ökoprofit“ ausgezeichneten Hotels.

Wienecke kann zu Recht stolz sein auf sein Werk. Das Tagungs- und Kongressdomizil zählt zu den 250 besten Tagungshotels in Deutschland und gilt als Platzhirsch in Hannover. Von außen wirkt der gastronomische Hochleistungsbetrieb mit der quittengelben Fassade und dem blauen altdeutsch anmutenden Schriftzug Wienecke XI. eher unscheinbar. Nur der historische Teil des 4-Sterne-Hotels, die traditionelle Brauerei-Gaststätte, springt ins Auge.

Erst ein mehr als einstündiger Rundgang durch die rund 4500 Quadratmeter umfassende, ebenerdige Veranstaltungs- und Tagungsfläche vermittelt glaubhaft, wovon Andreas Wienecke ganz nebenbei berichtet: „Hier tagen Vertreter vom Landvolk und von politischen Parteien. Firmen schulen ihre Mitarbeiter oder laden zu Stehempfängen ein. Familien feiern Hochzeiten und Partys. Und Global Player offenbaren ihre Bilanzen den Aktionären.“

Buchungen bis 2011

Sein ganzer Stolz gilt dem neuen multifunktionalen Kongresszentrum mit dem rund 1000 Quadratmeter großen Saal. Die raumhohe Glasfront lässt viel Tageslicht herein und schafft so eine angenehme Stimmung in dem sonst eher sachlich anmutenden Raum. Sie ermöglicht den Gästen einen freien Blick über das Landschaftsschutzgebiet. Technisches Highlight ist die Decke: Wie eine Installation erstrahlt sie auf Knopfdruck in einem anderen Licht. 17 Mio. Nuancen ermöglichen den Veranstaltern, die Halle in den Farben ihrer Corporate Identity zu illuminieren.
 

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