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Design mit Funktion und Gefühl

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2007/39 vom 29. September 2007
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Die Köche sind sozusagen vom Herd im Background nach vorn in die erste Reihe gerückt. Ihr neues Selbstbewusstsein, ihr Imagewandel vom Koch zum Kochkünstler, bei einigen gar zum Star mit hohem Promi-Faktor, hat der gesamten Branche eine neue Dynamik verliehen. „Dabei ist Porzellan die Kreativkomponente der ganzheitlichen Tischkultur, ob zum Frühstück, mittags oder abends, zum Galadinner, Festbankett oder zur Kaffeepause“, frohlockt Rolf H. Frowein, Gründer der Frowein Group und Inhaber von Eschenbach Porzellan.

Die Erwartungshaltung der Gäste ist dementsprechend groß. Spannung – Überraschung – Genusserlebnis. In dieser Reihenfolge soll ein Restaurantbesuch ablaufen, damit er dem Gast nachhaltig in Erinnerung bleibt. So manches Restaurant geriet da in Zugzwang. Frowein hat beobachtet, dass „die Nachfrage nach Neuentwicklungen im Markt für Hotelporzellan in den zurückliegenden Jahren stark zugenommen“ hat. Der Hauptgrund dafür liege vor allem im Streben nach Differenzierung gegenüber den Mitbewerbern.

Table Top will gelebt sein

Auch Hans-Peter Harbecke, Amefa Solingen, spürt bei den Kunden in der Gastronomie und Hotellerie einen erhöhten Bedarf nach Neuem. „Eine Zeitlang hatten wir nur Nachkäufe zur Komplettierung.“ Doch wer investiert, plant das mit hohem Anspruch und sehr preisbewusst. Gefragt sind Produkte, die Tischkultur prägen, immer im Zusammenspiel mit Bestecken, Gläsern und Accessoires.

Neuheiten sind oft von klassischen Serien inspiriert. Das hat den Vorteil, dass sie zu Vorhandenem passen, es ergänzen und erneut für Spannung sorgen. Da gibt es außergewöhnliche, an die Formensprache der Natur angelehnte Konzepte ebenso wie puristisches Design und interessante Formenspiele zwischen rund und eckig. „Schon kleinere Veränderungen oder Ergänzungen innerhalb der Kreationen aus der Küche und damit verbunden auch deren Präsentation schaffen neue Erlebnisse für die Gäste“, sagt Birgit Dubberke, Marketingleitung, Porzellanfabrik Schönwald. Geschirr, das sich bewährt, muss man also nicht ersetzen. Mit dieser Prämisse hat Seltmann Weiden die Serie Savoy erweitert. „Die Grundform wurde um eine viereckige Variante ergänzt, sodass diese für sich eine eigenständige Linie darstellt, die mit der runden Erstform optimal zu kombinieren ist“, berichtet Marketingleiter Gerold B. Welz.

Funktionalität und Design schließen sich keineswegs aus. Gefragt ist Spitzenqualität. Und die Kollektionen sollten themenübergreifend für Kaffee, große Tafeln und Buffets entwickelt werden, also ganzheitlich konzipiert, kombinierbar und multifunktional sein. Denn kein gastronomischer Betrieb kann sich für ein und dasselbe Restaurant verschiedene Serien ins Lager stellen.

Köche suchen immer nach Möglichkeiten, die ihre kulinarischen Kreationen perfekt zur Geltung bringen. „Sie brauchen eine Bühne, auf der sie die Speisen in Szene setzen können“, findet Jelena Jenzsch, Marketingleiterin der Porzellanfabrik Bauscher. Unter diesem Aspekt stellt die im Auftrag von Bauscher entwickelte Serie Compliments neue Lösungen vor. Das Verhältnis von Spiegel und Fahne der Teller und die erhabene Speisefläche ermöglichen dem Koch, die Speisen nicht nur mittig zu platzieren. Beim Spiralteller wird der Tellerrand bewusst als Speisefläche einbezogen. Eine auf den ersten Blick nur dekorative Variante, die durchaus funktional genutzt werden kann. Bei Kahla Porzellan ist der Slogan „Design mit Mehrwert“ Programm, sagt Katja Endler, Projektmanagerin Marketing bei Kahla. Dabei verweist sie auf die Porzellanserie Opus mit multifunktionalen Teilen.

Einen ganzen Schritt weiter geht Rosenthal. „Wir legen die Kunst, Design und Funktionalität in Einklang zu bringen, als obersten Maßstab an“, formuliert Achim Bornhäußer, Geschäftsleitung Rosenthal Hotel & Restaurant Service, den Anspruch. Mit der Kollektion Ingredienti betritt Rosenthal Neuland. Bisher stand das Design vor der Form im Vordergrund. Mit dieser Serie rückt die Funktionalität der Teller in den Mittelpunkt: Die Formen passen sich den Speisen an. Die individuellen Teller wurden in Zusammenarbeit mit dem Koch Massimiliano Alajmo entworfen.

So neigen sich beispielsweise Teile der Kollektion dem Gast zu, wodurch für die meisten Speisen fast ausschließlich eine Gabel benutzt werden kann. „Der Pastateller hat als ‚Drehhilfe‘ eine kleine Mulde im Tellerrand, die den Löffel beim Pastaessen ersetzt“, erläutert Bornhäußer. Diese Mulde findet sich auch beim großen Speiseteller wieder. Hier ist sie als Reservoir für Reduktionen vorgesehen, die dadurch nicht verlaufen, warm bleiben und nur dann in der gewünschten Dosierung mit den Speisen in Kontakt kommen, wenn der Gast das will.

Dieses Prinzip, die Trennung der einzelnen Komponenten, setzt auch Villeroy & Boch um. „Da die Konzepte gehobener Restaurants Tischkultur als Teil des Ganzen integrieren, werden Speisen speziell auf die Teller hin konzipiert. Damit entstehen in sich geschlossene Gesamtkompositionen mit hohem Erlebniswert für den Gast“, so Georges Schaaf, Product & Marketing Manager Hotel & Restaurant. Als aktuellen Renner im Programm bezeichnet er die Serie Marchesi. Die Hauptkomponente steht dem Gast hier immer am nächsten. So kann der Koch je nach Gericht die Speisen in einer ovalen Ausbuchtung oder auf der runden Arbeitsfläche anrichten und die freibleibenden Tellerbereiche für Beilagen oder das Besteck nutzen.

Birgit Dubberke von Schönwald bestätigt, dass „die Anforderungen an kreative Speisenpräsentationen steigen“. Ob für Flying Buffets oder das Fine Dining. Mit entsprechenden Serien sorgt Schönwald für Aktualität und differenzierte Kombinationsmöglichkeiten, die sowohl klassische als auch moderne Speisepräsentationen gestatten. Für Flying Buffets und Fingerfood bietet WMF den Buffet-Kegel. Denn über ganze Serien hinaus fordern Köche auch Produkte für funktionale Problemlösungen.

Puristisch, festlich und leicht

Als Spezialist für Gastronomie- und Hotelleriebestecke verzeichnet Amefa derzeit einen verstärkten Hang zu Eleganz und einem extravaganten Stil. Dem begegnet das Solinger Stahlwarenunternehmen mit seiner aktuellen Produktpalette der französischen Traditionsmarke Couzon. Durch ihre Weiterentwicklung entstand ein vielseitiges Spektrum hochwertiger Edelstahlbestecke, in deren Formen und Materialien sich ganz unterschiedliche Stimmungen wiederfinden: puristisch, festlich, leicht und verspielt.

Auch für Gläser gilt: Sie müssen Funktionalität und Qualität vereinen und zugleich höchste Designansprüche erfüllen. Dann verhelfen sie jedem Getränk zur vollen Entfaltung und werten die gedeckte Tafel optisch auf. Riedel Glas hat eine neue Glasserie Tyrol im Programm, deren Kelche wie bei allen Riedel-Gläsern auf die Rebsorten abgestimmt sind.

Mit der deutschen Wein- und Sommelierschule im Bund hat Schott Zwiesel eine neue Spezialglasserie entwickelt. „Wir präsentieren mit der Kollektion Fine eine Serie, die anspruchsvolle Genießer und Weinprofis gleichermaßen anspricht und darüber hinaus höchsten Anforderungen in der Spülmaschine standhält“, berichtet Astrid Steiner, Director Marketing der Zwiesel Kristallglas AG. Ein maßgebliches Argument für den professionellen Einsatz.

Die Inszenierung des Tisches gibt dem Gast bereits einen Vorgeschmack auf das, was er kulinarisch erwarten kann. Zudem lassen sich mit Tischdecken, Servietten, Kerzen und Accessoires unkomplizierte und saisonale Akzente setzen. Dafür sind keine großen Investitionen nötig, sondern frische und praktikable Ideen. „Das Interesse an Neuheiten ist immer groß, vor allem die Neugier und Vorfreude auf aktuelle Saisonkollektionen“, so Axel Gelhot von Duni. Neu im Programm: Duni Elegance. Die textilnahe Struktur dieser Einweg-Serviette in fließender Leinen-Optik ist echtem Stoff nachempfunden. Sie verbindet damit die Vorteile eines Stofftuchs mit denen einer Papier-Serviette. Eine andere Duni-Innovation hilft Flecken zu vermeiden: Die Duni Cravatte in Leinen-Optik.

Mit einer abwechslungsreichen Produktpalette gestaltet Hantermann seine aktuelle Kollektion. Wie immer gehören Servietten, passende Mitteldecken, Tischläufer und Galakerzen sowie weihnachtliche Accessoires dazu.

Durch die Vielfalt an gastronomischen Konzepten, regionalen und internationalen Speiseangeboten sowie unterschiedlichsten Einrichtungsstilen ist alles möglich. Was zählt, ist ein stimmiges Gesamtpaket – angefangen von der Einrichtung über die angebotenen Speisen und Getränke, deren Präsentation bis hin zum Service. Auf Dauer erfolgreich sind nur Gastronomen und Hoteliers, die sich vom Wettbewerb differenzieren, damit neue Gäste gewinnen und im Idealfall nachhaltig an sich binden. Innovationen müssen dem Haus, aber auch dem Gast einen Mehrwert bieten, beim praktischen Gebrauchsnutzen und beim Erlebniswert.

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