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Die Powerfrau: Monika Gommolla.

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der hotelier - das Ideenmagazin in der AHGZ

Die Matriarchin

Monika Gommolla und die Maritim Hotels

30. Juni 2008
 Barbara Goerlich

FRANKFURT. Bei ihr tagt und schläft die Welt. Von Frankfurt bis Riga, von Ägypten über Mauritius bis Peking. Monika Gommolla hat die Maritim- Gruppe mit derzeit 50 Hotels zum größten privaten Veranstaltungs- und Tagungsspezialisten Europas entwickelt. Unter dem Dach der Konzernholding führt sie eine Vielzahl von Unternehmen, die sie und ihre Schwester Christel vom Vater geerbt haben.

Wenn sie mal wieder ein Hotel eröffnet, ist sie stolz. Monika Gommolla lädt zur Gala und hält eine Rede. Ansonsten bleibt sie lieber im Hintergrund. In Gedanken ist die Chefin der Maritim Hotelgesellschaft längst beim nächsten oder übernächsten Projekt. Angetrieben vom Ziel, den Erfolg ihres Konzerns weiter auszubauen und zu sichern.

Dazu braucht es viel Geduld. Die hat Monika Gommolla. Timing ist alles, wenn man Kongresshotels haben will. Beim Frankfurter Projekt an der MesseIm wirtschaftlichen Sinne eine zeitlich begrenzte, wiederkehrende Veranstaltung auf einem bestimmten Gelände, die es Produzenten oder Verkäufern einer Ware bzw.
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waren es acht Jahre zäher Verhandlungen, die schließlich zum Ziel – einem Maritim – führten. Im Falle Düsseldorf dauerte es gar 25 Jahre bis zur Eröffnung Ende 2007.

Die geduldige Frau ist die Tochter ihres Vaters – sagen langjährige Mitarbeiter. Der 1994 verstorbene Firmengründer war ein vielseitiger Unternehmer, dessen Erfolg lange vor der Eröffnung des ersten Hotels am Timmendorfer Strand im Jahr 1969 begonnen hatte. Der Cottbuser Hans-Joachim Gommolla wurde zunächst Pilot, bevor er als Maschinenbau-Ingenieur nach dem Krieg als Miterfinder der Spanplatte ein erstes Vermögen machte.

Über das Bauträgergeschäft für Wohnhäuser, Krankenhäuser und Schulen kam er in die Hotellerie. Als er Deutschlands erstes Hotel mit angeschlossener Kongresshalle am Ostseestrand eröffnete, lag der Unternehmensname nahe: Maritim.

Sie ist der Boss

Dabei war Hans-Joachim Gommolla eigentlich ein Kind der Luft und nicht des Meeres. Am SteuerFinanzielle Einnahmequelle des Staats und zugleich wichtigstes Instrument zur Finanzierung der staatlichen Aufgaben.
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seines eigenen Privatflugzeugs flog er seine Frau und die Töchter Monika und Christel schon in den 60er Jahren um die ganze Welt. Das Reisen legte den Grundstein für die Liebe zur Hotellerie. Als der Hoteldirektor des ersten Maritim das Handtuch warf, leitete Gommolla das Haus ein Jahr lang selbst und lernte im Crashkurs alles übers Hotelfach.

„Wohnen und Tagen unter einem Dach“ war seine Idee. Monika Gommolla hat sie konsequent ausgebaut, vervielfältigt und Maritim damit einen lukrativen Markt als größter privater Anbieter Europas gesichert. Hatte der Vater noch stark auf Kur- und Ferienregionen gesetzt, geht die Tochter in die Städte. Mit Eröffnung des Düsseldorfer Hauses Ende 2007 ist die Kette in Deutschland nun flächendeckend vertreten.

Zwar hat sich die Mittfünfzigerin 1997 aus der GeschäftsführungDas leitende natürliche Organ einer juristischen Person .
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zurückgezogen und überlässt das Tagesgeschäft angestellten Geschäftsführern. Ihr amtierender Sprecher Gerd Prochaska ist seit mehr als 30 Jahren im Unternehmen. Doch der Boss ist sie.

Als Chefin des Aufsichtsrats mischt sie kräftig mit: „Ich kenne das Geschäft eben sehr genau und lasse mir nichts vormachen.“ Entscheidungen würde sie niemals aus der Hand geben. „Es sind meine Firmen, da erlaube ich mir schon mal nachzufragen, wenn die Zahlen nicht stimmen.“ Bei Maritim hat eine Eigentümerin das Sagen und nicht Finanzstrategen, die sich allein der Mehrung des Shareholder-Value verpflichtet fühlen.

Zu je 50 Prozent gehört das Unternehmen Monika Gommolla und ihrer Schwester Christel. Die Arbeit macht fast ausschließlich Monika, die keine Kinder hat. Alle Führungskräfte bis zum Abteilungsleiter kennt sie persönlich. „Eine echte Patriarchin“, so einer ihrer Direktoren. Gommolla hingegen fühlt sich als Matriarchin: „Meine Mitarbeiter sind meine Familie. Für sie trage ich die Verantwortung.“ Gut 9000 Angestellte sind es im In- und Ausland.

Die 120 Mitarbeiter in der Hauptverwaltung in Bad Salzuflen sind eine für Newcomer nicht zu unterschätzende Hausmacht. An den ungeschriebenen Regeln und „Maritim-spezifischen Strukturen“, wie Insider hinter vorgehaltener Hand sagen, ist schon mancher forsche „Neue“ gescheitert. Wohl deshalb sieht es Gommolla nicht gern, wenn ein Generaldirektor „ohne Maritim-Hintergrund für uns ins Ausland geht“. Direktoren aus den eigenen Reihen seien eben mit der Philosophie und den Gepflogenheiten der Gruppe vertraut.

Der kontinuierliche Erfolg gibt Gommolla und ihrer Politik Recht. Was die Gruppe verdient, wird reinvestiert. Eigentum verpflichtet, das hat die Unternehmerin verinnerlicht. „Wir haben nie auch nur einen Pfennig für uns entnommen, sondern immer reinvestiert. Das ist unsere Philosophie“, sagt Monika Gommolla. Maritim ist ein für die Branche untypisch reiches Unternehmen. Gut die Hälfte aller Häuser gehören der Gruppe in Teilen oder komplett.

„Wir kaufen und bauen, um die Häuser zu behalten“, betont Gommolla. „Man muss mit der Immobilie leben.“ Auch wenn man zuweilen an ihr leidet, weil sie kein bewegliches Gut ist, das man schnell mal dorthin umstellt, wo Betten gebraucht werden. Wie damals im Osten. Monika Gommolla war gerade dabei, sich in London einzukaufen – „der Markt war unten“ –, als die Wiedervereinigung stattfand.

Für Gommolla, deren Eltern aus dem Osten stammen, stand fest: „Wir wollen und müssen in ganz Deutschland präsent sein.“ Maritim stieg bei der früheren DDR-Hotelgruppe Interhotel ein und trug viel Geld hin – im Nachhinein gesehen „viel zu viel“. Bis zur finalen Portfoliobereinigung holte sich Maritim einige Beulen. Für die besonnene Erfolgsfrau eine neue Erfahrung, die die Gruppe aber längst verschmerzt habe.

Ins Hotelfach wollten „Moni“, so ihr interner Spitzname, und ihre Schwester nie. Die Eltern übten auch keinen Druck aus. Christel wurde Bauingenieurin und widmet sich heute ihren beiden Kindern. Monika studierte Jura, wurde nach dem Studium Assistentin an der Uni und promovierte.

Die Volljuristin liebt Details. Alle wichtigen Zahlen hat sie im Kopf. Ob Umsätze, Kapazitäten oder Finanzierungsmodelle. Keine Zwischenfinanzierung einer Immobilie, die sie nicht selbst nachgerechnet hätte. Keine Veränderung in der Inneneinrichtung, die sie nicht abnickt. „Sie kennt jedes Bild in unserem Haus“, sagt ein Maritim-Direktor. Und bevor eine größere Summe investiert wird, überzeugt sie sich am liebsten selbst vor Ort von der Notwendigkeit.

„Sie arbeitet von früh bis spät“, sagt ein anderer ihrer Direktoren. Ihr macht das Spaß, es ist ihr Leben. Das „ständige gedankliche Umstellen“ sei das Spannende an ihrem Alltag, findet die Unternehmerin. Mal geht es ums neue Hotel in Düsseldorf, mal um die Expansion nach China oder um die BilanzGegenüberstellung von Vermögensgegenständen und Verbindlichkeiten eines Unternehmens, mit dem Ziel, das Eigenkapital als Restgröße zu ermitteln.
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. „Vielseitig“ nennt das die Frau mit dem trockenen Humor.

Denn was selbst Branchenexperten gern vergessen: Die Maritim Hotels sind nur eine von mehreren Tochtergesellschaften der Konzernholding Finanz-, Bau- und Grundstücksverwertungsgesellschaft mbH & Co KG, Bad Salzuflen, die aus der Urzelle des Unternehmens, einer Bauträgergesellschaft, hervorgingen und von Monika Gommolla kontrolliert werden.

Die Maritim Finanzbau etwa hat seit ihrer Gründung 1963 weit mehr als 200 Wohnresidenzen mit knapp 4000 Eigentumswohnungen in deutschen Ferienregionen und auf Teneriffa gebaut und verwaltet im Auftrag der Eigentümer noch heute Tausende dieser Wohnungen.

Pflichtbewusst und unspektakulär

Auch das konzerneigene Architektur- und Ingenieurbüro ist Teil der Maritim-Erfolgsgeschichte und hat mehr als die Hälfte aller Maritim Hotels geplant und gebaut. „Unsere Experten tun seit Jahrzehnten nichts anderes als bauen“, sagt Gommolla. „Dieses Know-how ist unser großer Vorteil.“ Maritim baue schneller und günstiger als andere. Das Maritim Bonn wurde in neun Monaten errichtet – damit steht es im Guinness-Buch der Rekorde. Die Erstellungskosten des Maritim Köln lagen laut Gommolla 40 Prozent unter denen vergleichbarer Hotels.

Den Charme von Vorstadtmöbelhäusern hätten ihre Hotels, sie seien bieder und alles andere als zeitgeistig, lauten oft gehörte Kommentare. Darüber geht die 55-Jährige nonchalant hinweg: Die Hotels mögen nicht cool nach landläufiger Meinung sein, „aber sie bringen Ergebnisse.“ Maritim habe überproportionale Zuwächse, die Ferienhotels seien „eine sichere Bank“.

Ein Lieblingshotel hat die Chefin nicht. Das sei wie in einer Familie: „Jedes Kind ist anders, und man liebt sie auf ihre Art alle.“ Wenn es nur nach Zahlen geht, wäre wohl das Maritim Fulda ihr Favorit. „Ein tolles Hotel, eine Perle, die wenig beachtet wird, aber ihr Scherflein zum Wohl der Gruppe stetig beiträgt“, sagt sie.

„Auf die Größe kommt es nicht an, nur auf das Geschäftsmodell“, betont Gommolla. Tagen und Wohnen unter einem Dach, hat ihr Vater es einst formuliert. Monika Gommolla hat es perfektioniert. Und solange den Mitbewerbern als herausragende Unterscheidungsmerkmale ihrer Gruppen nicht mehr einfällt als „schöne Zimmer“ und „guter Service“, kann die Maritim-Eigentümerin beruhigt ihre Alleinstellungsmerkmale ausspielen.

„Wir fühlen uns wohl im Kongressgeschäft, keiner in Europa baut und betreibt so große Hotels und Kongresszentren wie wir.“ Derzeit schaut Gommolla nach Geschäftsmöglichkeiten in europäischen Hauptstädten. Dort, so meint sie, komme das Geschäft mit Kongressen gerade erst richtig in Schwung.

Auf eigene Investitionen im Ausland hat sie indes keine Lust. „Hoch versteuertes Geld aus Deutschland ins Ausland tragen?“, fragt die engagierte Unternehmerin. „Womöglich in (Urlaubs-)Länder, wo sich das politische und wirtschaftliche Umfeld jederzeit ändern könnte?“

Hatte die Maritim-Auslandstochter HMS anfangs noch mit Franchise expandiert, wurde inzwischen auf langfristige Managementverträge umgestellt. „Moni“ ist lernfähig und hat schnell gemerkt, dass es sinnnvoll ist, eigene Leute vor Ort zu haben, die die Häuser und ihre Standards ständig im Auge behalten.

Für die Investoren im Ausland ist die deutsche Kette aus dem Land der Reiseweltmeister hochinteressant, weil sie ihre Kunden quasi mitbringt. Maritim hat außer dem etablierten Reisedienst – ein IATAWeltverband der Unternehmen des kommerziellen Luftverkehrs mit Sitz in Montreal ständige Ausschüsse der IATA: Legal Committee, Financial C.
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-ReisebüroTouristisches Unternehmen, das sowohl als Reisemittler, -makler, -händler als auch als Reiseveranstalter tätig sein kann anerkannte und etablierte Form des stationären Hotel-Vertriebs in Deutschland.
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– auch ein fast 100 Köpfe starkes Verkaufs- und Reservierungsbüro. Nach Mauritius etwa, wo die Gruppe mit einem ihrer ersten Häuser vertreten ist, schickt Maritim mehr Kunden als der Reiseriese Tui. Darauf ist „Frau Doktor“ mächtig stolz.

Und wiegelt gleich wieder ab: „Im Vordergrund steht immer das Unternehmen, nie die Person.“ Nach dieser Philosophie lebt und handelt Monika Gommolla: bescheiden, pflichtbewusst, unspektakulär. Für eine „Aktenfresserin“, so enge Mitarbeiter, wie sie es ist, sind Show-Termine in der Öffentlichkeit „reine Zeitverschwendung“. Schließlich kämen die Gäste ja nicht zu ihr ins Hotel, weil sie eine bekannte Frau sei, sondern weil sie sich wohlfühlen wollten.

Wenn sie denn wollte, könnte sie jeden Tag Vorträge halten, in Talk-Shows oder Expertenrunden sitzen. Sie habe nicht die Zeit und oftmals „schlichtweg keine Lust“, sich wie viele Kollegen überall zu tummeln. Mehr als zwei Interviews gibt sie nicht pro Jahr. Die Maritim-Chefin setzt Prioritäten: „Ich kann immer nur an einem Platz sein.“ Und der ist in ihrer FirmaBezeichnung für den Namen eines Kaufmanns, unter dem dieser im Handelsverkehr seine Geschäfte betreibt und die Unterschrift abgibt.
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. Bei Terminen in der Öffentlichkeit vertritt sie meist ihr GeschäftsführerBezeichnung für das Leitungsorgan der Gesellschaft mit beschränkter Haftung .
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Gerd Prochaska.

„Ganz und gar nicht“ leid ist sie es dagegen, die Vorzeigefrau der Branche zu sein. Im Gegenteil, als Frau allein unter Männern findet sie es „sehr angenehm“. Ob Hose oder Rock: Es gehe um Kompetenz. Daran zweifelt bei ihr keiner. Sie sitzt im Beirat des Hotelverbands Deutschland (IHAAbk. für Hotelverband Deutschland.
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) und einiger anderer Vereinigungen sowie in Aufsichtsräten.

Monika Gommolla nimmt kein Blatt vor den Mund, hat dezidierte Meinungen über Politik und Wirtschaft und darüber, was im Land richtig oder falsch läuft. Ihre knappe Freizeit verbringt sie am liebsten fernab aller Hotels („Man ist dort nie privat.“) in ihrem Haus in Vaterstetten bei München.

Während der Vater ein Privatflugzeug steuerte, brettert Tochter Monika gern im türkisblauen Porsche Carrera zu ihren Terminen. In letzter Zeit reist sie wegen ihres Rückens häufiger im Zug. Obwohl sie die Hälfte des Jahres unterwegs ist, schaffe sie es nicht, regelmäßig alle Hotels zu besuchen. Wenn ein Hotel gut läuft, „fahre ich gar nicht erst hin“.

Je nach Lust und Wetter macht sie Radtouren, besucht Museen oder geht in die Oper. Und freut sich, dass sie es mit den Hotels so gut getroffen hat. „Ich hätte ja auch eine Schraubenfabrik erben können“, sagt sie. Die Hotels sind ihr lieber. Aber vielleicht hätte Monika Gommolla auch für Schrauben erfolgreiche Nischen gefunden und einen Marktführer daraus geformt.


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