der hotelier
Die neue Lust am Luxus – Feine Tropfen
von Barbara Euler
Geiz ist nicht mehr geil – wie schön! Der neue Hang zum Hochglanz bietet dem Gastgewerbe ungeahnte Möglichkeiten der Selbstdarstellung. Insbesondere Hotelbars profitieren von dieser Chance, wirft doch die Noblesse hinterm Tresen zugleich ein positives Licht auf das gesamte Haus und setzt unmissverständliche Signale für den Qualitätsanspruch, den die Gäste erwarten dürfen. Vor allem im Wodkasegment stehen Topprodukte hoch im Kurs.
„Der Superpremiumtrend ist vor allem für unsere Marke Grey Goose grundlegend, denn Grey Goose war der erste Superpremiumwodka auf dem deutschen Markt und hat diesen Trend sozusagen mit gemacht“, heißt es bei Bacardi Deutschland. Hollywoodstars wie Brad Pitt, Jude Law oder Natalie Portman bekennen sich zu dem weichen Luxustropfen mit einem Hauch von Mandelsüße. Aber auch in Deutschland wird Grey Goose mittlerweile als Geheimtipp unter Celebrities und Szenegängern gehandelt. Die Fachwelt prämierte die Edelspirituose bereits kurz nach der Markteinführung als „The World’s Best Tasting Vodka“.
Vorreiter Wodka
„Grey Goose wird nicht getrunken, sondern zelebriert“, betonen die Spirituosenexperten die emotionalen Qualitäten des Superpremiumwodkas aus der Cognac-Region. Der „Grey Goose Oyster Shot“ ist der neueste Trend, dem man unter anderem beim 45. Geburtstag des Nobelclubs Pony in Kampen auf Sylt huldigte. Dabei genießt man den Luxustropfen ganz glamourös mit einer frischen Auster. In der Sylter Clubszene entwickelte sich auch die neue Idee zur Supersize-Tischflasche, die sich in angesagten Bars wie dem Roten Cliff auf Sylt oder dem Felix und dem Annabelle’s in Berlin finden. Die Triple-Magnum-Flasche mit 4,5 Litern, verpackt in einer puristischen Holzbox, ist in gehobenen Warenhäusern für knapp 500 Euro zu haben. Für die rare 6-Liter-Flasche legen Insider bis zu 1800 Euro an. Edel geht es auch in der Harry’s New York Bar im InterContinental Köln zu. Dort wird Grey Goose als hochkarätiger Drink „Golden Goose“ mit trinkbarem Blattgold serviert.
Grey Goose ist ebenso Teil des „Top Premium-Portfolios“ der Hamburger wie Bombay Sapphire, den Barkeeper auch wegen der attraktiven blauen Flasche gern in vorderster Front positionieren. Mit dem traditionsreichen französischen Vermouth Noilly Prat, den Aberfeldy Single Malt Whiskys und der Erweiterung der Range von Dewar’s Scotch Whisky baut Bacardi Deutschland seine Kompetenz im Bereich Superpremiumspirituosen weiter aus.
Auch Borco mischt im Markt der Premiumwodkas tüchtig mit. Alpha Noble Ultra Premium Vodka, der als einziger sechsfach destillierte Wodka in der Designerflasche, ist ein echter Hingucker in jeder Hotelbar und mit seinem klaren, reinen Geschmack ein besonderes Erlebnis. „Wodka liegt im Trend“, erklären die Experten von Borco. „Allein im Premiumsegment konnten sich die Absätze in den vergangenen Jahren verdoppeln.“ Hergestellt wird Alpha Noble mit feinstem französischen Weizen und Quellwasser aus einer weltberühmten Quelle in den südlichen Vogesen.
Dass die Luxusskala nach oben offen ist, beweist die Alpha Noble IceBar im schicken „IndoChine“ in Hamburg. Selbst im Hochsommer öffnet sich hier den staunenden Gästen ein verschwenderisch heruntergekühlter, funkelnder Palast aus Eis mit Skulpturen und einer Theke, an der kalte Alpha-Noble-Wodkakreationen kredenzt werden. Im Eintritt von14 Euro sind die Leihgabe warmer Kleidung und ein Wodkashot inbegriffen.
„Das Angebot wird sehr gut angenommen“, freut sich Managing Director Arne Suckfüll. „Gern wird die IceBar als Highlight bei Abendveranstaltungen genutzt, aber Besucher kommen auch einfach mal so hierher, um sich die prächtige Architektur aus Eis und die wundervollen Skulpturen anzusehen. An den Wochenenden wird auch schon mal ‚zur Abkühlung‘ getanzt.“ Die coole Bar mit den edlen Drinks zieht keineswegs nur junge Gäste in ihren Bann, auch dem gereifteren Publikum gefällt der noble Kälteschock ausnehmend gut.
Campari Deutschland setzt ebenfalls auf Premiumwodkas. Die Markteinführung von Russian Standard hat die hohen Erwartungen des Unternehmens hinsichtlich Absatzentwicklung und Distributionsaufbau sogar übertroffen, was Campari sowohl der Qualität als auch der authentischen russischen Herkunft dieses Wodkas zuschreibt.
Trendbewusst deckt Russian Standard mit den Varianten Original und Platinum sowie dem Imperia by Russian Standard sowohl das Premium-, als auch das Superpremium- und das Ultrapremiumsegment ab.
Premium ist in
Ebenfalls von Campari kommt Skyy Vodka, der Premiummarktführer aus den USA in der auffälligen kobaltblauen Flasche. Dank einer „selektiven Distributionspolitik in ausgewählter Trend- und Szenegastronomie und C&C“, so Campari, gelang ein Absatzzuwachs von eindrucksvollen 44 Prozent. Im Sommer vergangenen Jahres wurde die Range um die aromatisierten Varianten Vanilla, Berry und Citrus erweitert.
Auch die ISF GmbH, bekannt durch den Premiumwodka Parliament, präsentiert stolz eine Edelvariante: 999,9 heißt der Premium-Luxury Vodka, der einzeln nummeriert und zertifiziert angeboten wird. Die Veranstalter der ProWein, wo die Luxusspirituose vorgestellt wird, heben den 12-fachen Reinigungsprozess und den besonders weichen Geschmack hervor. Außerdem top: Die Nobelflasche im Flakonstil, die mit einer Plakette aus Sterlingsilber versehen ist und vor dem Befüllen von innen eine individuelle Produktionsnummer eingelasert bekommt. Auch die Plakette trägt an der Innenseite eine fortlaufende Nummer.
Selbstverständlich erfasst das Premiumfieber auch andere Spirituosengattungen. „Das Beispiel im Wodkamarkt, wo der Trend der Differenzierung zwischen Premium-, Superpremium- und Ultrapremiumprodukten aus den USA bereits in Deutschland angekommen ist, wird sich in der Zukunft auch auf andere Warengruppen ausweiten“, meint man bei Campari Deutschland.
So empfehlen die Oberhachinger die exklusiven Jubiläumscuvées von Grand Marnier „Cuvée du Centenaire“ und „Cuvée du Cent Cinquantenaire“ als außergewöhnlichen Digestif. Empfohlen wird der Edellikör pur zu Gouda und Parmesan oder Mousse au chocolat. Aufgrund des intensiven Orangenaromas ist er auch ein hervorragender Begleiter zum Kaffee. Kreiert wurden die Cuvées zum 150-jährigen Bestehen von Grand Marnier. Die enthaltenen Cognacsorten sind bis zu 50 Jahre gereift.
Superpremium im Ginsektor bietet Underberg/Team Spirit mit dem Geheimtipp Hendrick’s Gin, einem schottischen Edelgin, der unter anderem mit bulgarischem Rosenöl und Gurken verfeinert wird. Die exklusive Apothekerflasche im Barregal verrät höchste Kennerschaft!
Die Mischung macht’s
Wie selbstverständlich die Society mit den Edelspirituosen umgeht, zeigt nicht zuletzt die Tatsache, dass selbst hochwertigste Destillate ungeniert in den Shaker wandern. Grey Goose beispielsweise trinkt man nicht nur pur auf Eis, sondern auch im Cocktail, wie man bei Bacardi beobachtet. Borco empfiehlt ebenfalls seinen Alpha Noble Ultra Premium Vodka nicht nur handwarm, gekühlt oder auf Eis, sondern auch als Zutat für Cocktails und Longdrinks.
Ganz allgemein ist die Faszination des Mixens ungebrochen. Gerade die jüngeren Konsumenten bevorzugen Cocktails und Longdrinks gegenüber dem puren Genuss, meint beispielsweise Heiko Fabian von Campari Deutschland. Zu Recht, denn kaum ein Vorgang in der Gastronomie transportiert die Botschaft des Dienstleistens so direkt und emotional wie das wilde Wirbeln sympathischer Damen und Herren hinterm Tresen, die jedem Gast das Gefühl vermitteln, etwas Besonderes zu sein. Das ist gut fürs Image.
Kein Wunder, dass sich die Hotellerie nur zu gern als idealer Ort für die zahlreichen Cocktail Competitions empfiehlt, mit denen die Deutsche Barkeeper-Union und die großen Hersteller regelmäßig die Szene aufmischen. So bringen sich die Hotels ins Gespräch und vermitteln Cocktail-Kompetenz in Reinform. Und die neuesten Trends gibt’s frei Haus. Frisch gepflückt im Trendgarten ist der „Cuisine Style“. Dabei kommen Ingredienzen in den Drink, die man bislang eher bei Spaghetti, Schnitzel und Salat verortet hätte. „Zutaten wie Ingwer, Basilikum, Lorbeer, Sternanis, Lebkuchengewürz oder Wasabi eröffnen in Verbindung mit Premiumspirituosen in der Cocktailwelt ganz neue Geschmacksdimensionen“, heißt es bei Campari.
Vanille, Lemongras, Ingwer & Zimt
„Theoretisch ist es denkbar, alle Gewürze einzusetzen. Lediglich die Dosierung jedes einzelnen Gewürzes muss sehr genau erfolgen“, erklärt Mauro Mahjoub, Barchef und Besitzer der Münchner Bar Negroni. „Bei den Gästen zählen vor allem die Gewürze Vanille, Lemongras, Ingwer und Zimt zu den Favoriten“, weiß der Barexperte. Sein Tipp: „Für den Einsatz mit Gewürzen eignen sich weiße Spirituosen. Nicht geeignet sind Kräuterspirituosen oder cremige Liköre wie Baileys oder Eierlikör. Gut eignen sich auch klare Liköre mit einem aromatischen Geschmack wie Grand Marnier. Durch das Orangenaroma und den komplexen Cognac können sehr viele Verbindungen mit Gewürzen gemacht werden.“ Mit Rezepturen wie „Grand Chili“, „Grand Touch“ oder „Grand Hommage“ macht man bei Campari die Cuisine-Style-Kompetenz von Grand Marnier deutlich.
Ohne viel Aufwand sind die neuen Drinks mit den hochwertigen Premixes von Homebar kredenzt. „Creative-Line“ heißt die kräuterstarke Range, die neben einer Vielzahl von Klassikern die Barszene aufmischt. „Durch die Beigabe von ausgesuchten Kräutern und Gewürzen wird das Grundaroma einer typischen Spirituose so ergänzt, dass dem aufgeschlossenen Publikum eine selbstbewusste, neue Variation von anspruchsvoller Trinkkultur eröffnet wird“, erklären die Experten bei Homebar.
Die ungewöhnlichen Variationen wie Rosmarin-Bourbon, Zitronengras-Gin, Ingwer-Martini, Majoran-Brandy und Mixes wie Szechuanpfeffer, Mandarine und weißer Rum oder Wodka, Karotte und Honig kommen insbesondere in der Bio-Gastronomie und -Hotellerie gut an, berichtet Mitinhaberin Carmen Ehrsam, die das Sortiment später auch auf Bio umstellen will.
Gutes aus Gerste
Kaum eine Spirituose vermittelt Kompetenz so emotional wie Whisk(e)y. Die enge Gebundenheit an die jeweilige Herkunftsregion macht die Spirituosen zu eigenwilligen Persönlichkeiten. Gut sortierte Bars punkten darüber hinaus mit Spezialitäten wie besonders alten Varietäten oder seltenen Abfüllungen.
Eine neue Varietät präsentiert jetzt der schottische Single Islay Malt Laphroaig von Borco. Laphroaig Quarter Cask reift in kleinen Fässern und bekommt dadurch „eine leichte Eichennote, eine weiche Süße und ein samtiges Gefühl“, beschreiben die Experten von Borco die damit fünfte Laphroaig-Variation.
Diageo erfreut mit den „Special Releases“. Das ist eine Serie von neun limitierten jährlichen Abfüllungen von Single Malts in Fassstärke, darunter auch der 30-jährige Brora aus den seltenen Restbeständen der 1983 stillgelegten Destillerie.
Pünktlich zum soeben zu Ende gegangenen Interwhisky Festival im ArabellaSheraton Grand Hotel in München stellte Schlumberger seine Bowmore-Range mit neuer Ausstattung und schlankerem Sortiment auf dem deutschen Markt vor. Die preisgekrönten Single Maltsder Bowmore Distillery zählen zu den zehnBesten weltweit, so die Experten von Schlumberger.
Mit Jahresbeginn startete die älteste Whiskybrennerei der schottischen Insel Islay einen weltweiten Relaunch, der die Marktposition festigen soll. Das neue Kernsortiment umfasst die Varianten Legend, 12 Years Old und 25 Years Old. Neu hinzu kommt Bowmore 15 Years Old Darkest, 12 Jahre in Bourbonfässern und drei Jahre in Sherryfassern gereift, und 18 Years Old. „Die klare Struktur der Bowmore-Range wird Kenner und neue Kunden gleichermaßen ansprechen“, ist Günter Schimmer, Geschäftsführer der Schlumberger Vertriebsgesellschaft in Meckenheim, überzeugt. Neu ist auch der moderne Flaschenlook.
Lecker: Whisky mit Schokolade
Borco präsentierte auf dem Interwhisky Festival die bekannten irischen Whiskeys der Cooley Distillery wie Connemara, Kilbeggan, The Tyrconnell und Inishowen mit einem Master-Class-Seminar des bekannten Experten Bernhard Schäfer.
Als Whisky-Neuzugänge des vergangenen Jahres verbucht Campari den schottischen Single Malt Glen Grant und den Scotch Old Smuggler. Übrigens: „Whisky in Kombination mit anderen Genussmitteln – beispielsweise mit ausgesuchter Schokolade, exquisitem Käse oder feinem Lachs – findet immer mehr Liebhaber“, erklären die Experten von Diageo. Wenn das kein Tipp für die Hotelbar ist… Barbara Euler
