Zukunftsstudie
Fraunhofer Institut Stuttgart: Das Hotel der Zukunft
Wann fühlt sich der Gast im Hotel(-zimmer) wohl? Eine simple Frage, die jedoch gar nicht so leicht zu beantworten ist. Denn was den Reisenden gestern zufriedenstellte, reicht ihm heute nicht mehr – und erst recht nicht morgen. Genügte es gestern, seine Grundbedürfnisse, also Schlafen, Essen und Trinken zu befriedigen, so erwartet er heute mehr: zum Beispiel, dass alles umweltfreundlich und moralisch-politisch korrekt zugeht. Auch sucht er nach dem Regionalen, Heimatlichen, nach Körperkult und Selbstdarstellung, vielleicht nach Selbstbesinnung. Womit schon die Zukunft anklingt.
Und die wird erforscht von der Fraunhofer Gesellschaft. Partner sind unter anderem die Lindner Hotels, Steigenberger, Hotel Reservation Service (HRS) und Lieferanten wie Klafs, Villeroy & Boch oder Protel.
Als das Institut 2007 sein Szene- und Forschungsprojekt FutureHotel konzipierte, ging es noch von blühenden Hotellandschaften aus. Mittlerweile hat sich die Lage dramatisch geändert. Die Zukunft wird überschattet von einer Wirtschaftskrise, aus der sich die Hotellerie „frühestens 2011 befreien wird, ohne die alten Wachstumsdaten von 2007 zu erreichen.“ Sagt Stephan Gerhard, Chef des Treugast International Institute of Applied Hospitality Sciences, das gerade ein Trendgutachten vorgelegt hat.
Im künftigen Hotelzimmer ist alles machbar und veränderbar
Das hat Folgen für Innovation und Weiterentwicklung. Denn die Wirtschafts- und Finanzkrise ist zugleich eine Vertrauenskrise, die alles auf den Prüfstand stellt: unser Wirtschaftssystem, unsere Lebensweise, unser Menschenbild. Was ist davon bewahrenswert? Was muss verändert werden? Die Antworten darauf fallen anders aus als zuvor. Und berühren auch das Konzept vom Hotelzimmer der Zukunft, so wie es das Fraunhofer Institut in vier Musterräumen mit seinen Partnern bisher erforscht hat. Unter ihnen Lindner. Die Gruppe will „positiv getestete Features“ in ihren Hotels einsetzen, verkündet Projektleiter Thomas Riegelein. Die endgültigen Ergebnisse sind aber erst 2011 zu erwarten. Doch eine erste Bilanz aus den Labors des Innovationszentrums in Duisburg, dem sogenannten inHaus 2, ist schon zu ziehen.
Da ist zum einen der Anspruch auf Alles-Verfügbarkeit. Das Hotel(-zimmer) der Zukunft kann sich blitzschnell auf unterschiedliche Gästetypen und -wünsche einstellen. Alles ist machbar und veränderbar. Insofern orientiert sich das Hotel der Zukunft nicht nur an Zielgruppen, sondern auch an Verfassungen, Gestimmtheiten der Gäste – zumindest legt dies die Fraunhofer-Forschung nahe.

