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der hotelier - das Ideenmagazin in der AHGZ

Hotels aus dem Labor

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2007/47 vom 24. November 2007

Hotels für den Weltraum oder 5000 Meter unter dem Meeresspiegel – das hört sich erst einmal toll an“, sagt Fabian Engels. „Wir aber forschen nach Lösungen, die in der Praxis das Wohlbefinden des Gastes steigern.“ Engels, der bei der Lindner AG)Abk. für Aktiengesellschaft.
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den Titel Manager Operational Development trägt, kann man getrost auch als Innovationschef der Hotelgruppe bezeichnen. Dabei definiert Engels Innovationen aber nicht als das, was Ingenieure als Weltneuheit feiern und weniger technikverliebte als Spielereien abtun würden.

Tagelang diskutierten Chefs der Einkaufsabteilung von Hotelketten mit Innenarchitekten über Funktionen und Designs für einen neuen Sessel im Hotelzimmer. „Aber keiner stellt die Frage, ob der Gast diesen Sessel überhaupt braucht“, sagt Engels. Der pragmatische Innovationsansatz der Lindners lautet vielmehr: „Wir sagen den Technikern, was wir brauchen. Und die finden heraus, was wie machbar ist – auch unter Kostenargumenten.“

Im Fall des Sessels heißt die Fragestellung: Ist es möglich, dass der Gast vor der Anreise schon anklickt, wenn er ein solches Möbel will? Und: Kann ein solcher Sessel auch ein multifunktioneller Einrichtungsgegenstand sein, der computergesteuert seine Form verändert? Kann ein Business-Schreibtisch, vom Hotelrechner aus befehligt, seine Tischhöhe verändern, Rutschgitter hochklappen lassen und dann als Wickelkommode für Familien mit Kleinstkindern herhalten? Und wenig später als Stehpult dienen?

Um auszuprobieren, was machbar ist, lässt die HotelketteZusammenschluss mehrerer Hotelbetriebe unter einheitlicher Leitung.
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gerade ein Labor bauen – als Kooperationspartner der Fraunhofer Gesellschaft. Die Wissenschaftler konstruieren auf einem etwa 8000 Quadratmeter großen Gelände an einem der wohl interessantesten Bauprojekte Europas. In der „Inhaus Park 2“ genannten Immobilie in Duisburg, die September 2008 eröffnet wird, basteln Wissenschaftler an Zukunftslösungen für Büro-, Pflege- und Hotelimmobilien. T-Systems, Xella, Gartner, BASF, Isover, Henkel kooperieren. Das Thema Hotel wird von der Lindner Hotels AG als exklusiver Anwendungspartner begleitet.

Von Robotern und Computern

Im Hotellabor entstehen auf einer Fläche von 1400 Quadratmetern fünf Muster-Hotelzimmer, ein Empfang und ein Veranstaltungsbereich. Schon die Baustelle ist innovativ. Der Bauleiter weiß zu jeder Zeit, wo welcher Baustoff welcher Menge lagert, weil alle Materialien bei Anlieferung zur Baustelle automatisch gescannt und zentral erfasst werden.

Lindner will erforschen, wie Renovierungen künftig billiger werden können – beispielsweise mit Modultechnik. Dazu wird die Fassade jedes einzelnen Zimmers ähnlich wie eine Tür zu öffnen sein. Ein Kran kann dann ein bereits industriell gefertigtes und komplett installiertes neues Badezimmer ins Zimmer hieven. Die Bauarbeiter müssen nur noch Wasser und Strom, Klimatisierung und IT-Technik anschließen. Denkbar ist dies auch für ein gesamtes Zimmer. In der Budget-Hotellerie wie bei Accors Formule-1-Häusern funktionieren die Nasszellen schon nach diesem Prinzip. Für die 4- und 5-Sterne-Hotellerie gebe es aber noch keine praktikablen Systeme, bei denen der Gast gar nicht merken dürfe, dass er sich in einem vom Roboter gefertigten Massenprodukt duscht, sagt Engels.

In der Fassade von „Inhaus Park 2“ sind unsichtbar kilometerlange Röhren verlegt, in denen Salzlösung zirkuliert. Im Sommer speichert das Wasser Wärme und wird tief ins Erdreich gepumpt, dort in großen Isolierbecken gelagert, um im Winter dann der Heizung helfen zu können, weniger Gas zu verbrauchen. Auf gleiche Weise speichert die Front des Hotellabors Kälte im Winter, mit der im Hochsommer die Klimaanlagen Strom und Kohlendioxid sparen.

Was Computertechnologie auf dem Zimmer angeht, da ist Lindner nach Meinung Engels der Konkurrenz
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eine Nasenlänge voraus. In vier Häusern der Kette läuft schon das, was der KonzernZusammenschluss mehrerer rechtlich selbstständiger Unternehmen zu einer wirtschaftlichen Einheit unter einer einheitlichen Leitung die verbundenen Unternehmen werden als Konzernunternehmen bezeichnet .
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zusammen mit T-Systems entwickelt hat und sich Hotel Infotainment Solution (HIT) nennt. Mit spezieller Menüführung können per Fernseher Speisekarten angeschaut, Gerichte geordert und Tische im Restaurant bestellt werden. Internet und E-Mail funktioniert ebenso auf dem Fernseher im Zimmer wie Video on Demand. Der Gast kann damit den Film jederzeit anhalten und an dieser Stelle irgendwann weiter schauen. Mehr noch: Weil der Server von HIT mit den gespeicherten Filmen dezentral aufgebaut ist und die Hotels via Datenleitung angesteuert sind, ist es möglich, im Hotel A den Film zu starten und ihn dann einige Tage später im Haus B zu Ende zu betrachten.

Jan-Hein Simons, Deutschland-Chef derNH Hotels, definiert für seine Kette den Innovationsbegriff anders. Innovativ, so der Manager, sei es, der Konkurrenz irgendwo ein Stück voraus zu sein. „Wenn man als Hotel wirklich einhält, was man dem Gast im Hochglanzpros-pekt alles versprochen hat, dann ist das innovativ“, sagt Simons. „Mit Armeen von Personal“ könne man natürlich jeden Servicewunsch erfüllen – die innovative Management-Kunst aber sei, den Gast auch mit geringerem Personalstab zufrieden zu machen. Denn das Rad sei längst schon erfunden; bahnbrechende technische Innovationen sieht er nicht.

Vielmehr setzt Simons auf ein „sensationelles PreisTransaktionspunkt zwischen Angebot und Nachfrage eines Produkts bzw.
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-Leistungs-Verhältnis“, bessere Service- und F&B-Konzepte. Wie das geht, will er im neuen NH Berlin Medienhafen zeigen. Das dem nhow in Mailand nachempfundene DesignhotelHoteltypus, der auch andere Konzepte umfasst wie Lifestyle-, Boutique-, Art- oder Konzepthotels.
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wird voraussichtlich 2010 eröffnet. NH will künftig verstärkt auf individuelle Wünsche eingehen und auch „nicht erwartete Serviceleistungen“ anbieten. Wie ein derartiges Konzept aussehen könnte, will Simons noch nicht verraten.

Der Test aufs Exempel

Dass auch innovative Haustechnik das Wohlbefinden des Gastes steigern kann, das will Fabian Engels in seinem Hotellabor zeigen. Wenn es für Testpersonen im nächsten Herbst und 2009 auch für ausgewählte Gäste öffnet, dann wird der Großrechner für jeden Gast individuell andere Sinneswahrnehmungen komponieren. Das fängt bei Temperaturen an. Jeder liebt ein anderes Klima während des Tages: Der eine schläft gern in kühlen, der andere in mollig geheizten Räumen. Das alles kann schon die Schaltung der Klimaanlage leisten, genauso wie sie die optimale Wassertemperatur in der Badewanne regelt. Auch Gerüche sollen eine Rolle spielen. Schon heute wird mancher Konferenzraum mit speziellen Verdampfungsautomaten beduftet – das kann ein spezielles Arbeitsklima fördern, bestätigen Psychologen.

Wenn der erste Gast in die Tiefgarage des Duisburger Hotels der Zukunft fährt, leiten ihn Leuchtstreifen am Boden zu seinem Parkplatz. Sobald die blinkenden Dioden ihren Dienst getan haben, meldet ein Bewegungsmelder dem Zentralrechner, dass der Gast angekommen ist. Am Check-in
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kann das PersonalIn der Hotellerie und Gastronomie haben diese durch den Kontakt zu den Gästen einen wesentlichen Einfluss auf die vom Gast wahrgenommene Dienstleistungsqualität.
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Vorbereitungen treffen, der Parkplatz wird im Computer als „besetzt“ markiert. Den Weg zur Rezeption weisen die blinkenden Dioden ebenso. Weil das Reservierungssystem schon über die Kundendaten verfügt, ist das Einchecken Sekundensache.

Was Engels von Lindner mit den Zimmern vorhat, mutet futuristisch an. Die Aufteilung zwischen Wohn- Schlaf- Arbeits- und Sanitärbereich soll flexibel sein, genauso wie die Möbel. Die Lichtschalter können in allen erdenklichen Farben illuminiert sein. Auch die Lichttemperatur im Raum kann von kalt-produktivem Bürolicht bis hin zur warm-gelblich schimmernden Kerzenlicht-Beleuchtung variieren.

Völlig verrückt, aber gleichermaßen interessant wirkt die Idee, von zu Hause gewohnte Fensteraussichten auf die Glasscheiben zu projizieren. Moderne LCD-Technik soll möglich machen, dass der Gast den fotografierten Gartenblick von zu Hause auf Datenträger ins Hotel mitbringt – oder auch per DSL als jpg-Foto ins Lindner-System spielt. Kinder wie GeschäftsreisendeMitarbeiter eines Unternehmens, die aus geschäftlichen Gründen in Hotels übernachten" zugleich ein primärer Zielmarkt der Stadthotellerie.
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sollen sich so wie zu Hause fühlen. Natürlich soll und kann nicht jedes dieser Ideen in die Praxis umgesetzt werden. Engels kann bis zum Jahr 2011 sein Hotel der Zukunft ständig umbauen, um den Technikern immer wieder neue Fragen zu stellen.

Dass derartige Spielwiesen immer wieder dazu taugen, eine Menge Know-how in den harten Hotelalltag zu transportieren, beweist das Hotel Palafitte, Europas einziges Luxushotel auf Pfählen. Es steht in der französischen Schweiz im Neuenburger See. Gebaut wurde es für dieExpo 02. Nun überdauert es die Schau und hat nach Auskunft von Hoteldirektor Anton Chaumoron eine stattliche Auslastung übers Jahr von 55 Prozent – bei einem jährlichen Durschnittspreis von umgerechnet 230 Euro.

Die Gründer des einstigen Pharma-Konzerns Sandoz, heute Novartis, finanzierten die 24 Mio. Schweizer Franken aus ihrem Stiftungsetat. Dank biometrischer Fingererkennung öffnen sich Türen und selbst der Zimmer-Tresor mit Daumendruck. Mobiles Bedienterminal für Lichter, Fernseher und Jalousien waren damals eine Weltneuheit. So manchem designorientierten Hotel stand das vor fünf Jahren als „Spielereien“ geschmähte Konzept Pate – und wenn es nur die Nespresso-Kaffeemaschine war, die heute viele Premium-Häuser auf den Zimmern haben. Auch die Haustechnik des Palafitte ist heute noch auf dem neuesten Stand: Wärmepumpen sorgen für ein angenehmes Raumklima – mittels Erdwärme und Sonnenenergie.

Richtig „spinnen“ zum Thema „Hotels, demnächst“ durften Studenten der Fachhochschule Detmold. Das Projekt, das auch von der AHGZ in der Jury begleitet wurde, wurde von der Hotel-Design- und -Ausstatter-FirmaBezeichnung für den Namen eines Kaufmanns, unter dem dieser im Handelsverkehr seine Geschäfte betreibt und die Unterschrift abgibt.
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Tombusch & Brumann aus Ascheberg im Münsterland ausgeschrieben. Die Studenten entwarfen das „Blowtel“ im Container, das auf dem Hotelparkplatz aufgeblasen wird. Innerhalb von zwei Stunden steht das gesamte Interieur für die Zimmer mit allen Installationen. „Move“ nennt sich ein Konzept, das Zimmer in fahrende Zellen mit Magnetantrieb wie beim Transrapid miteinander jede Nacht aufs Neue konfiguriert.

Der Phantasie waren keine Grenzen gesetzt, und doch stand über dem Projekt die Vorstellung, weniger Utopisches als vielmehr „konkrete formelle und inhaltliche Ansätze der nächsten Jahrzehnte erarbeitet“ zu haben, wie es die Designer selbstbewusst formulierten. Interessant auch das Konzept „Sphere“– eine schwimmfähige Kugel mit einer Außenhaut aus Acrylglas als Ferienhaus der Zukunft. Sie soll mit allen Annehmlichkeiten eingerichtet werden und hat zudem einen Antrieb, der sie – GPS-gesteuert – zu immer neuen Ufern bringen könnte.

Das ProduktBezeichnung für am Markt angebotene Wirtschaftsgüter .
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vereinfachen

Wie solche Ufer aussehen könnten, darüber machen sich auch andere Branchen mit viel AufwandDer Einsatz oder die zu erbringende Leistung, um einen bestimmten Nutzen zu erzielen .
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Gedanken. Das wurde auf einer Veranstaltung der IHK Frankfurt zum Thema Innovationen deutlich. Im Gespräch mit Moderator und FAZ-Redakteur Claus-Peter Müller von der Grün sagte Ing-Diba-Chef Klaus O. Schmidt, Innovationen seines Geldinstitutes lägen in der „drastischen Vereinfachung des Produkts“. Kunden seien durch modernste IT-Technik telefonisch schnell beim kompetentesten Berater. Der habe ein leicht verständliches Anlageprodukt oder ein schnelles Finanzierungsangebot ohne Tücken und Fußangeln parat. „Handeln lohnt sich nicht. Wir bieten Produkte, die für alle gleich sind“, sagte der Vorstandsvorsitzende. Wegen derlei Einfachheit hätten in Kundenbefragungen der Ing-Diba 42 Prozent aller Klienten das Geldinstitut als „innovativ“ eingestuft.

VW-Innovationsforscher Wolfgang Müller-Pietrella räumte ein, sein Konzern habe mit „Entwicklungen, die zu früh kamen“ Geld verpulvert. Obschon überaus innovativ, kaufte vor fünf Jahren niemand das 3-Liter-Auto Lupo CDI. Bei den damaligen Spritpreisen – das sagen Automobil-Experten – war der deftige Aufschlag für den sparsamen Motor noch zu heftig.

Manchmal sind Innovationsforscher einfach ihrer Zeit voraus. Der praktische Nutzen – egal in welcher Branche – sollte bei den Forschern immer im Mittelpunkt stehen.


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