Hotellerie
InterConti-Chef Willy Weiland ist Hotelier des Jahres 2007
von Hendrik Markgraf
BERLIN. Ja, den Sternzeichen schenkt er Glauben, ausgerechnet er, der Zahlenmensch. Oder gerade deshalb: Denn die Astrologie hat ja auch etwas mit Berechnungen, mit Mathematik zu tun. Und mit Vorannahmen, die nicht nur auf rationaler Ebene liegen. Willy Weiland verbindet das Analytische mit dem Kreativen, das Geordnete mit dem Visionären. Sich selbst bescheinigt der vor 59 Jahren im niedersächsischen Fallingbostel geborene Hotelier Ordnungssinn, Teamfähigkeit, Ausgeglichenheit und Gespür fürs Ästhetische. Eigenschaften, die er aus seinem Sternzeichen, der Jungfrau (an der Schwelle zur Waage), ableitet.
In der Branche gilt er als Perfektionist, als verlässlich und vorausschauend. Einer, der durch kontinuierliche Arbeit, durch strenge Mitarbeiterführung und berufspolitisches Engagement Vorbild ist. Seine Mitarbeiter charakterisieren ihn als hart, aber gerecht. Seinem Kontrollblick entgeht nichts. Auch wenn er mit seiner jungen Frau Ulrike, einer Verwaltungsrichterin, privat essen geht. Sie muss ihn dann daran erinnern, dass er nicht im Dienst ist. Und Nicht-Im-Dienst-Sein, das fällt Willy Weiland schwer.
Bis vor fünf Jahren wohnte er im Hotel, im InterConti Berlin, hatte dort eine geräumige Wohnung. Seine damalige Frau wohnte mit Tochter Victoria draußen in Zehlendorf. Das war vorteilhaft für das Hotel, nicht unbedingt für die Familie, stellt Weiland selbst rückblickend fest. Als arbeitswütig möchte er sich freilich nicht bezeichnen lassen, wohl aber als aktiv, mit einem Schuss Aggressivität: Er kann auch mal lauter werden, wenn es sein muss. Das schadet ihm jedoch nicht. Bei den offiziellen Mitarbeiterbefragungen schneiden er und sein Führungsteam gut ab. Immerhin hat er 360 Leute zu dirigieren. Da ist Disziplin gefragt. Dass er trotz allen Stresses immer noch Zeit für ein freundliches „Hallo" findet, rechnet ihm seine Umgebung hoch an.
Der Erzieher
360 Mitarbeiter, das „sind 360 verschiedene Kinderstuben", weiß der Direktor, und die müssen auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden. Wie macht man das, wie soll das gehen? „Steter Tropfen höhlt den Stein", umschreibt Willy Weiland seine erzieherische Sisyphosarbeit. Sie gelingt durch ein ausgeklügeltes System von Belohnung, Kontrolle und Wertevermittlung - und endet nie; denn gerade in den unteren Etagen - Weiland sagt lieber„operativer Bereich" - ist es ein branchenübliches Kommen und Gehen; die Fluktuation liegt hier bei 25 Prozent.
Keine Erziehung ohne verbindliche Werte. Im InterContinental sind es 50. Zwei davon werden wöchentlich ausgegeben. Denn Tugenden wie Aufmerksamkeit oder Höflichkeit sollen, so sagt es die Philosophie des Hauses, untereinander gelebt werden, um sie dann auch gegenüber dem Kunden umsetzen zu können. Nur wer dem Kollegen zuhört, wird auch dem Gast sein Ohr leihen, nur wer den Kollegen mit Namen grüßt, wird auch den Gast namentlich ansprechen.
Damit das gelingt, bleibt nichts dem Zufall überlassen. Eine eigene Trainingsabteilung im Hotel schult das Personal. Gegessen wird nicht in einer gewöhnlichen Kantine, sondern im Mitarbeiterrestaurant. Dort wird fürs Mahl ein Obolus entrichtet; dafür ist es auch hochwertig. So erfahren alle die Kultur des Hauses am eigenen Leib. Zum Wohle der Gäste. Dem dient auch das Mitarbeiter-Benefitprogramm, das außergewöhnliche Leistungen prämiert, wobei auch positve Gästekommentare berücksichtigt werden. Eine Art „Oscar"-Programm also? Nein, so möchte der Direktor es nicht nennen, das könnte nämlich Ärger geben - wegen der Namensrechte.


