der hotelier - das Ideenmagazin in der AHGZ
Joachim G. Hallwachs: „Wir müssen polarisieren“
Der Wiener Sportwissenschaftler und Designer Joachim Hallwachs erfindet emotionale Spa-Konzeptwelten / Ein Interview
Sind Sie verrückt?
Hallwachs: Bewegen kommt von verrücken. Wenn ich etwas bewegen will, muss ich neue Dinge tun, die durchaus polarisieren und zu starken Kontroversen führen können. Daraus kristallisiert sich letztendlich ein Produkt.
Sie haben drei Module aus dem neuen Work-Life-Balance-Konzept „The Way“ vorgestellt: Die Spa-Luxussuite „Pleasure – for men only“ und den Relax-Raum „The Wave“. Für Aufsehen sorgte der Meetingraum „TAMO – Talk and Move“. Warum?
Hallwachs: Wir haben einen Meetingraum mit sechs kreuzförmig zueinander gestellten Laufbändern und darin eingebauten Monitoren für Powerpoint-Präsentationen entwickelt. Das ist schon sehr polarisierend und verrückt. Mein Team und ich stellen die Menschen als Zuhörer, Diskutierer und Präsentierer in den Vordergrund und die Technik in den Hintergrund. Denn wir müssen wieder lernen, im wahrsten Sinne des Wortes zu kommunizieren und aufeinander zuzugehen. Das haben wir bei dem Projekt „Talk and Move“ mit hochwertiger Tagung-, Fitness- und Soundtechnik von Weltmarktführern umgesetzt.
Wie soll das funktionieren? Meetings in Fitnessatmosphäre und Jogginganzügen?
Hallwachs: Hochprofessionell. Unser Geomant und Feng-Shui-Experte hat den acht mal acht Meter großen Raum nach energetischen Gesetzen gebaut. Er besteht aus den Ying- und Yang-Hölzern Nussbaum und Zirbe. Die Laufbänder stehen auf einem 26 Zentimeter hohen Podest. Es ist sehr aufwendig in der Form einer Lotusblüte gestaltet. In der Mitte ist ein Feng-Shui-Brunnen integriert. Es ist unser Ziel, die Räume wieder zu Kraftorten zu machen – zu vitalisieren. Wir wollen die jeweilige Bestimmung des Raumes unterstützen. Die Meetingteilnehmer tragen auf den Laufbändern Businessanzüge. Denn sie laufen nicht, sondern gehen bei zwei bis vier Kilometern pro Stunde. Früher im alten Rom oder Griechenland haben die Menschen auch im Gehen diskutiert.
Was steckt hinter der Idee von „The Way“?
Hallwachs: Das modulare Konzept verbindet Business und Relaxation – Anspannung mit Ent-spannung. Denn Harmonie und positive Lebensenergie ist in unserer Zeit vielleicht das Wichtigste. Wir haben die Bereiche Meeting und Kommunikation, Ernährung, Aktivität, Treatment und Entspannung unter ganzheitlichen Gesichtspunkten entwickelt. Mit einem Expertenteam aus den Bereichen Sportwissenschaft, Ernährung, Physiotherapie, Naturheilmedizin, Kosmetik, Architektur und Design. „The Way“ soll dem Gast helfen, seinen individuellen Weg zu finden, seine Ziele zu erreichen, seine Träume zu verwirklichen.
Was ist das Besondere an Ihren Spa-Brands?
Hallwachs: Wir entwickeln für die einzelnen Luxury-Treatment-Suiten jeweils individuelle Rituale. Sie reflektieren Tradition und Ursprung, expandieren Grenzen ins Unendliche und fördern Orientierung, Balance, Harmonie sowie Ruhe. Beispielsweise ist „Mystery“ auf den positiven Energy-Zyklus der fünf Elemente aufgebaut, „La Luna“ auf verschiedene Mondphasen und „Wa-ve“ auf Basis von Feng Shui.
Wo bleibt die Individualität dabei?
Hallwachs: Alle entwickelten Brands sind außergewöhnliche Räume und kommen bei den Gästen sehr gut an. Der Hotelier kann sie vorab live erleben und die Treatment-Suiten mit individuellen Anpassungen erwerben – wie bei einem edlen Auto.
Wovon lassen Sie sich inspirieren?
Hallwachs: Mich fasziniert zum Beispiel die Idee des Cirque de Soleil. Denn ich glaube fest daran, dass wir die Behandlungen noch mehr ritualisieren sollten. Wir müssen die Gäste inspirieren.
Denken Sie dabei an exotische Rituale?
Hallwachs: Es geht nicht darum, die Behandlungen vollkommen abgefahren zu gestalten. Der Hotelier verdient nach wie vor zu70 Prozent sein Geld durch klassische Massagen und Gesichtsbehandlungen. Deshalb wollen wir aus einer einfachen Massage ein Ritual machen, das für den Kunden unvergesslich ist. Das beste Beispiel dafür ist das inzwischen sehr erfolgreiche Konzept der Canyon Ranch aus den USA www.canyonranch.com ). Ich glaube, in einem guten Spa benötigt man in Zukunft einen Zeremonienmeister, der den Gast während seines Aufenthaltes begleitet und ihn seine Träume erleben lässt. Über solche Dinge denken wir nach.
Welche Trends sind unumgänglich für Hoteliers?
Hallwachs: Es gibt nur einen Trend, um erfolgreich zu sein. Der Inhaber oder Betreiber muss sich zuerst die Frage beantworten: Hinter welchem Konzept kann ich authentisch stehen und es zugleich mit meinem Team so gut wie möglich umsetzen.
Was wird thematisch wichtig werden?
Hallwachs: Thematisch wird uns Asien weiterhin beeinflussen. Die Behandlungsformen, die von dort kommen, bleiben populär. Die östliche und westliche Medizin wachsen immer mehr zusammen. Und das Thema Medical Spa wird stärker kommen. Ein gefährliches Thema. Denn jeder spricht im Moment darüber, aber keiner weiß genau, was er damit meint. Ein breites Feld, aber es lohnt sich darüber nachzudenken.
Welches sind die wichtigsten Erfolgsfaktoren für ein Hotel-Spa?
Hallwachs: Es ist vor allem wichtig, eine starke Vision zu haben, diese in ein professionelles Konzept zu wandeln und dieses konsequent zu realisieren. Der Hotelier sollte niemals seine Zeit und sein Geld im Mittelmaß verschwenden. Denn der Urlauber ist bereit, für Wellness und Selfness sehr viel Geld auszugeben. Dabei erwartet er einen persönlichen Benefit. Wir müssen dem Gast mehr bieten als er erwartet. Es geht darum, seine Träume zu erfüllen. Die Hotellerie muss sich dem internationalen Vergleich stellen.
Wie sieht das Spa der Zukunft aus?
Hallwachs: Qualität ersetzt Quantität. Die tolle Hardware ist nur mehr Basic. Es geht darum, diese Hardware mit Leben zu erfüllen. Das heißt: Behandlungs- und Dienstleistungs-Konzepte auf höchstem Niveau zu entwickeln. Der Gast wird ein gnadenloser Schiedsrichter sein. Denn er hat gelernt zu unterscheiden.
Kann sich ein mittelständischer Hotelier Design leisten?
Hallwachs: Natürlich! Es ist ein Vorurteil, dass gutes Design wesentlich teurer ist als schlechtes. Gutes Design ist im Investment etwas teurer, aber langfristig sicherlich wirtschaftlicher. Man kann mit guten Ideen und relativ überschaubaren Mitteln gute Dinge schaffen. Den Gast der Zukunft interessiert nicht mehr der goldene Wasserhahn oder brasilianischer Marmor. Heute geht es um die Stimmigkeit und um die Harmonie von Materialien.
Wie viel Design braucht der Gast?
Hallwachs: In Wirklichkeit relativ wenig. Denn der Gast nimmt nicht reines Design wahr, sondern die Atmosphäre. Ich bin davon überzeugt, dass reine „l’art-pour-l’art-Geschichten“, also Kunst um der Kunst willen, nicht funktionieren. Weil sie am Gast vorbeigehen. Der Nutzer sieht ein Projekt generell anders als der Projektentwickler. Er kennt nicht die Entwicklungsgeschichte, sondern sieht nur das Endresultat. Das bedeutet: Wir müssen den Menschen in den planerischen Mittelpunkt stellen und nicht den Designer. Der Normalverbraucher sucht die Mischung zwischen Design und Dekoration und die Liebe zum Detail.
Wie verrückt sind Sie zu Hause eingerichtet?
Hallwachs: Ich respektiere die Feng-Shui-Philosophie, ich glaube an Symmetrie, Balance und Harmonie. Auf dieser Basis habe ich unser Haus eher contemporary, also zeitlos elegant eingerichtet. Dadurch haben wir die Chance, mit wenig Dekoration Stimmungen zu erzeugen. Wir können sie durch Licht, Textilien oder Pflanzen immer wieder verändern. Meine Frau dekoriert unser Zuhause vierteljährlich nach bestimmten Zeiten um. Wenn Sie wollen, schon im Sinn von verrückt.
Was ist Ihr Lebensmotto?
Hallwachs: Beruflich finde ich es toll, Dinge zu schaffen, die Menschen glücklich und zufrieden machen. Räume zu gestalten, in denen sie sich wohlfühlen. Ich bin überzeugt, dass man Dinge immer aus Leidenschaft tun muss, nie allein um Geld zu verdienen. Wenn man gut ist, ergibt sich das später automatisch. Ich durfte in meinem Leben immer Dinge tun, die ich gerne getan habe. Das ist schon ein enormes Privileg. Privat sollte man das Leben täglich genießen, neugierig bleiben und mit offenen Augen durchs Leben gehen, nie stehen bleiben und nie aufgeben.
Wie viele Mitarbeiter gehören zu Ihrem Team?
Hallwachs: Für die kreativen Prozesse sind außer mir fünf Personen verantwortlich. Das gesamte Netzwerk der Jh the network, das auch für die schlüsselfertige Realisierung der eigenen Brands verantwortlich ist, umfasst rund 90 Personen.
An welchen Projekten arbeiten Sie gerade?
Hallwachs: Wir arbeiten konkret an Projekten in Deutschland, der Schweiz, Österreich, Griechenland, Zypern und Kenia. Es sind Spas und komplette Hotelprojekte, aber auch ein exklusives Day Spa in der Schweiz, ein kreativer Marktplatz oder eine Luxus-Parfümerie.
Verraten Sie uns Ihr Erfolgsgeheimnis?
Hallwachs: If you can dream it, you can do it.