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Der Hotelier - Das Ideenmagazin der AHGZ

Österreicher berühren die Sinne

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2009/35 vom 29. August 2009
von Christian Fälschle

Binz statt Bali, Kärnten statt Kanada, Arlberg statt Aspen. Die Finanzkrise und die neue Bescheidenheit der Bundesbürger führt zu einem deutlich veränderten Urlaubsverhalten. Auf einmal ist es kein Prestigeverlust mehr, die Ferien in der Heimat zu verbringen. Während die Hoteliers in Griechenland, Spanien und der Türkei herbe Einbußen hinnehmen müssen, dürfen sich die Kollegen in Deutschland und Österreich freuen.

„Das gute Preis-Leistungs-Verhältnis und die völlige Unabhängigkeit vom internationalen Flugverkehr machen Österreich zu einem der Krisengewinner in diesem Jahr“, weiß Herbert Bren, Direktor des Hotel-Consulting-Unternehmens b3 in Wien. So erwarten die verantwortlichen Tourismus-Manager auch in diesem Jahr wieder um die 121 Mio. Übernachtungen in der Alpenrepublik.

Wie wichtig der Tourismus für die Wirtschaft Österreichs ist, belegen die Zahlen: 731.000 Vollarbeitsplätze (20 Prozent aller Beschäftigten) stellt die Tourismusbranche. 17 Prozent des Bruttoinlandsproduktes wird in der Ferienindustrie erwirtschaftet. Und 2009 setzen Österreichs Hoteliers in erster Linie auf die deutsche Kundschaft.

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Beispiel Tirol: 52 Prozent aller Besucher kommen inzwischen aus Deutschland, weiß Manfred Furtner, Landesvorsitzender Tirol der Österreichischen Hoteliersvereinigung ÖHV.

Doch diese relative Stabilität Österreichs ist nicht allein mit der Aversion vieler Urlauber gegen Fernreisen zu erklären. Es sind vor allem die persönlich geführten Eigentümerhotels, die Österreich die Sympathie der Gäste einbringen und dazu führen, dass sie auch in Zeiten knapper Kassen nicht ausbleiben. „Mit kreativen Konzepten vermitteln österreichische Hotels ein authentisches Urlaubsgefühl“, sagt Experte Bren.

Sympathische Privathotels

Damit haben sie es in den vergangenen Jahren verstanden, den Schweizer Hotels, die meist von großen Kapitalgesellschaften betrieben werden, den Rang abzulaufen. Die persönliche Dienstleistung hat in Österreich einen anderen Stellenwert, da 85 Prozent aller Häuser Privathotels sind. „Es reicht heute nicht mehr aus, ein Hotel mit Infrastruktur aufzumachen“, so Bren.

Natürlich spüren auch die Österreicher die Auswirkungen der Krise. Die Stadthotellerie klagt annualisiert über einen Umsatzrückgang von gut 10 Prozent, doch die kreativen Resorthotels konnten sich dem Abwärtstrend bislang widersetzen. Österreich ist zwar nicht mehr billig, doch um bei den Preisen nicht nachgeben zu müssen, bieten die meisten Häuser inzwischen Zusatznutzen an – freie Behandlungen im Spa-Bereich, alkoholfreie Getränke an der Bar oder erweiterte kostenlose Sportangebote.

Da es den klassischen Stammgast, der 20 Jahre lang treu das gleiche Haus besucht, kaum noch gibt, kommt es immer mehr auf neue, individuelle Hotelkonzepte an, von den Hotelstrategen inzwischen mit dem Begriff „Service-Design“ bedacht. Dahinter verbirgt sich der Anspruch, den Gast künftig noch individueller und persönlicher ansprechen zu können. „Die Familienhotels in Österreich stehen immer vor der Aufgabe, wie sie die Saison verlängern können und die Gäste auch dann zufrieden stellen, wenn das Wetter mal nicht so passend ist“, resümiert Wolfgang Neuhuber, Geschäftsführer der Genusshotels und -Restaurants in Salzburg.

All dies zwingt zu mehr Innovation. Doch Innovation, so Neuhuber, dürfe nicht nur trendy daherkommen und jeder Mode hinterherlaufen, sondern muss „Behaglichkeit mit überraschender Frische“ kombinieren. Österreich kann in der Privathotellerie seinen Spitzenplatz so lange behaupten, wie es keine austauschbare Massenware bietet, sondern sich der Welt öffnet und dabei dennoch regional authentisch bleibt. Die AHGZ macht die Probe aufs Exempel und stellt acht kreative Hotelkonzepte vor.

Natur pur erwartet die Gäste in der Forsthof-alm bei Leogang. Auf 1050 Metern Höhe, umgeben von Almwiesen und Wäldern, hat Markus Widauer 2008 das erste Vollholzhotel im Salzburger Land auf den Weg gebracht. Auch die Architekten haben hier Neuland betreten. 70.000 Holzdübel halten 245 Tonnen Massivholz zusammen, bestehend aus 2500 Quadratmetern Wand- und Deckenelementen. Auf die sonst übliche Verleimung wurde komplett verzichtet. Herausgekommen ist eine moderne Alm-Lounge.

Der geschwungene Neubau ist aufgrund konischer Formen so konzipiert, dass die Schwingungen im Hausinneren in jedem Raum spürbar wurden. „Mein Ziel war es, einen zeitlosen Stil abseits modischer Effekte und ohne Ablaufdatum zu finden“, so Markus Widauer. Das Mobiliar der 21 Zimmer (ab 89 Euro pro Person) ist aus regionalem Lärchen- oder Fichtenholz gefertigt. Ausschließlich Vollholzmöbel bestimmen das Interieur.

Mag sein, dass das Mavida Balance Hotel & Spa in Zell am See dem einen oder anderen etwas zu cool rüber kommt, aber seinen eigenen Charme versprüht das 47-Zimmer-Hotel zweifellos. Das erste Designhotel der Region wurde von der Besitzerfamilie Hagleitner so konzipiert, dass ein behagliches Lebensgefühl entsteht. Die dahinterstehende Idee des Hauses: „Damit das, was wir berühren, uns im besten Sinne berührt.“

Dem eigenen Ich begegnen

Das Ambiente der Zimmer – eine Nacht im Doppelzimmer kostet hier pro Person ab 90 Euro – soll nicht durch Dekoration überzeugen, sondern durch klare Linien und warme Farben. Die Mavida-Macher sind überzeugt, den optimalen Ort geschaffen zu haben, wo man sich perfekt dem eigenen „Ich“ widmen und sein Inneres ausbalancieren kann. Deshalb ist das Mavida Balance Hotel & Spa seit 2008 auch Partnerhotel der „Healing Hotels of the World“. Das Hotel-Refugium verfügt über ein großzügiges Balance Center & Spa, eine Bar & Lounge, eine Bibliothek und eine Gourmetküche.

Die Aussicht vom Pool und der Terrasse des Hotels Post in Lermoos ist grandios, das Ambiente heimelig und sportlich lässig. Familie Dengg zelebriert in dem 60-Suiten-Traditionshaus Österreich von seiner besten Seite (ab 118 Euro pro Person). Die Weinkarte der Post ist über jede Kritik erhaben, und die internationale Gourmetküche weiß mit Hummer ebenso umzugehen wie mit Tiroler Delikatessen. Das Post-Frühstücksbuffet können die Gäste auf der großzügigen Terrasse mit Blick auf die Zugspitze einnehmen.

Die hauseigene Zugspitzquelle am Buffet gilt als kleine Besonderheit. Sie sprudelt täglich bis 17 Uhr frisches Quellwasser. Küchenchefin Sylvia Kaminski war zuvor im Restaurant Hummerstübchen (18 Gault-Millau-Punkte) beschäftigt, bei ihr kommen nur hochwertige und frische Produkte auf den Teller. In unregelmäßigen Abständen findet ein Gourmet-Event mit dem österreichischen Spitzenwinzer Gerhard Markowitsch statt. Urlauber können die angefutterten Pfunde auf dem anspruchsvollen 9-Loch-Golfplatz oder in dem 2000 Quadratmeter großen Spa wieder abtrainieren. Und Deutschlands höchster Berg, die 2962 Meter Zugspitze, ist immer mit von der Partie.

Freiraum für Individualisten

Lebensstil statt Lifestyle, Unaufgeregtheit statt Promis und Protz. Die Blaue Gans hat sich vom ältesten Gasthaus der Stadt zum ersten Arthotel von Salzburg gewandelt. Im modern verglasten Innenhof wurde eine Skulpturengalerie etabliert. „Inspiration gibt es bei uns als ,added value'“, meint Betreiber Andreas Gfrerer.

Die dominierende Farbe in diesem Arthotel ist „gans viel Grün“. Die neuen „Salzburger Zimmer“ wurden mit Massivholz, Sandstein und Filz vornehmlich in Grüntönen eingerichtet. Die Unaufgeregtheit des 37-Zimmer-Hotels (Doppelzimmer ab 150 Euro) soll zur Entschleunigung führen. Das 650 Jahre alte Traditionshaus besitzt eine modern gestylte Bar, daneben präsentiert Küchenchefin Heidi Neuländtner glacierte Kalbsbackerl – und das alles nur wenige Schritte von Mozarts Geburtshaus entfernt.

Nostalgie auf Hütten gibt es in der Almwelt Austria in Pichl – inklusive Logenblick auf die schroffen Spitzen des Dachsteinmassivs. Die Stämme für die 13 Blockhäuser kommen aus dem eigenen Waldbestand. In der Almwelt trifft 4-Sterne-Luxus auf völlig Naturbelassenes. Die Almwelt ist autofreie Zone, das Auto lediglich zum Be- und Entladen erlaubt.

Dafür gibt es Hüttenromantik direkt an der Skipiste, auf der schneesicheren Reiteralm bei Schladming. Und trotzdem müssen die Gäste nicht auf die Annehmlichkeiten der modernen Infrastruktur verzichten. Die Hütten haben jeweils für 2 bis 10 Personen Platz und kosten ab 150 Euro pro Tag. Für Selbstversorger steht eine voll eingerichtete Küche zur Verfügung. Das Frühstück kann aber auch in der nebenan gelegenen Schnepfnalm eingenommen werden. Besonderes Schmankerl: Jede Hütte besitzt ihren eigenen Kachelofen und eine eigene Wellnessoase, ausgestattet mit Sauna, Erlebnisdusche und Whirlpool.

Im östlichen Tirol, mit Blick auf Großglockner und Großvenediger, liegt das im April eröffnete Grandhotel Lienz. Die 19 Mio. Euro haben sich gelohnt, die die Besitzerfamilien Simonitsch und Westreicher in das ehrgeizige Projekt gesteckt haben. Heinz Simonitsch gehört zu Österreichs erfolgreichsten Hotelmanagern. Als österreichischer Honorarkonsul auf Jamaika ist er Miteigentümer des legendären Half Moon Hotels in Montego Bay.

Raften im Wildbach

Im Grandhotel Lienz finden sich klassische Eleganz und Anleihen an das „fin de siècle“, ohne spießig oder muffig zu wirken. Zum Flair des

76-Zimmer-Hauses (ab 135 Euro pro Person) gehören nicht nur fünf Restaurants, sondern auch ein großzügiger Salon mit offenem Kamin. Auch die historische Altstadt von Lienz ist in wenigen Gehminuten erreichbar. Ebenso kommen Sportfans auf ihre Kosten. Allein 300 Kilometer Radstrecken führen durch die Lienzer Dolomiten und den Nationalpark Hohe Tauern. Und der wilde Bergbach Isel oberhalb von Lienz gilt als eine der besten Rafting-Strecken der Alpen.

Im Naturhotel Waldklause in Längenfeld hat der aus Tirol stammende Architekt Markus Kastl ganz auf die Materialien Holz, Glas und Stein gesetzt. Das 2004 eröffnete Hotel im Ötztal setzt sich aus drei Gebäudekomplexen zusammen, die jeweils durch eine Brücke miteinander verbunden sind. Die Eigentümer haben alles daran gesetzt, dass in den Räumen ein gesundes Klima und eine warme Atmosphäre herrscht.

Besonderes Faible der Eigentümerfamilie Auer: Überall duftet es nach Tanne, Lärche, Zirbe und Fichte, und Tageslicht begleitet die Gäste durch das gesamte Gebäude. Schon zum zweiten Mal wurde das Haus zum besten Ökohotel in Europa gekürt. Alle 50 Zimmer (ab 105 Euro pro Person) sind optisch in einen Wohn- und Schlafteil unterteilt und verfügen über einen Balkon. Das Element Wasser ist in der Waldklause allgegenwärtig. Jedes Zimmer verfügt über einen Aqualite-Quellwasserbrunnen, im Spa „Vitaloase“ wird reines Gletscherwasser benutzt.

Auf einem ruhigen, sonnigen Hochplateau inmitten der Pinzgauer Bergwelt liegt auf 800 Meter Höhe das Hotel Krallerhof. Das Wellness- und Familienhotel überzeugt vor allem mit moderner Technik und innovativen Lichtkonzepten. In 21 Suiten hat der Künstler Ty Waltinger eine Mischung aus Moderne und Orient kreiert. Der Gast kann zwischen Ultramarin-, Safran-, Purpur-, Vanille- sowie Zimt-Suiten und Ockerzimmern wählen. Handgefertigte Möbel im Innenraum korrespondieren mit erlesenen Holzböden.

Das 147-Zimmer-Haus (ab 122 Euro pro Person) ist alles andere als ein esoterisches Modehotel, denn der Mix aus Landhaus- und Designerstil ist durchaus gelungen und vermittelt einen Charme der besonderen Art. Die Wellness-oase ist mit 187 Quadratmeter Wasseroberfläche und 1720 Quadratmeter Fläche ist einer der eindruckvollsten Spas in den Alpen.

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