der hotelier
Superweiber und Superspirituosen
Von Hendrik Markgraf
Was macht die Frau zur Frau? Einst waren Kinder, Küche und Kirche ihr Terrain, dann wurde die Kirche durch die Karriere ersetzt, bis in den 90er Jahren das Superweib gleich alles unter einen Rock zu bringen versuchte, perfekte Mutter, Ehefrau/Partnerin, Hausfrau sein wollte, sportlich, attraktiv, fit, geistreich, kurzum perfekt.
Mittlerweile hat sich nach leidvollen Erfahrungen ein neuer Pragmatismus herausgebildet, wie psychologische Studien zeigen. Frauen um die 30 wollen nicht mehr alles: Ihnen genügen ein bis zwei Festlegungen. Das entlastet sie vom allumfassenden Perfektionszwang.
Das Lebensgefühl junger Frauen zwischen 25 und 35 Jahren, so hat das Marktforschungsinstitut Rheingold herausgefunden, zeigt sich in fünf unterschiedlichen Ausprägungen, die individuell variieren. Das ist zum einen jener Typ, der der wohligen Vorstellung nachhängt, alles sei noch offen. Dann sind da jene, die ein Gefühl der Unruhe plagt, weil sie sich bezüglich der zentralen Lebensoption Mutterschaft bald festlegen müssen. Die dritte Gruppe hat sich eigentlich für eine Lebensrichtung entschieden, verhindert aber unbewusst die Verwirklichung ihrer Pläne, weil immer etwas dazwischenkommt oder noch nicht ganz passt (zum BeispielMr. Right). Dann sind da die Frauen, die sich als Mütter verwirklichen und ihre persönliche Unabhängigkeit hintanstellen. Ihr Gegenstück sind jene, die sich für die berufliche Karriere als wichtigste Lebensoption entschieden haben, was ein zumindest vorübergehendes Nein gegenüber dem Kinderwunsch beinhaltet.
Von letzterer Gruppe gibt es nicht wenige in der Hotellerie und Gastronomie. Unsere Autorin Barbara Goerlich stellt einige vor. Wobei durchaus Beispiele von weiblichen Hoteldirektorinnen bekannt sind, die Kinder und Karriere, Familie und Beruf zusammenbringen (Seite 6).
Werbung und Produkthersteller nehmen Wünsche, Nöte und Lebensbilder der Frauen auf. Beispielsweise die Getränkeindustrie, die mit ihren Spirituosen bestimmte Stimmungen anspricht. Wobei die alten Klischees von männlichen und weiblichen Getränken nicht mehr durchweg greifen. Auch Superweiber trinken Superspirituosen (Seite 9).