Der Hotelier - Das Ideenmagazin der AHGZ
Totgesagte leben länger
Als „kostbares Geschenk“ empfindet Matthias Ganter sein Romantik Jugendstilhotel Bellevue. Dieses Geschenk ist ihm aber nicht in den Schoß gefallen. Harte Arbeit steckt dahinter. Dazu gehörten Glück, Mut, Ausdauer und Risikobereitschaft.
Seine eigentliche Bestimmung hat Matthias Ganter vor gut 20 Jahren gefunden. Nach den Ausbildungen zum Koch und zum Hotelkaufmann, nach zwei Jahren als Empfangsherr in London und Monte Carlo und zuletzt als Empfangschef im Graf Zeppelin in Stuttgart „musste ich einfach raus“. Er packte Rucksack und Ersparnisse und flog nach Asien – ein Jahr der Selbstfindung: Schweigewochen im Kloster und intensive Gespräche mit Mönchen. Er hat gelernt, mit Niederlagen umzugehen. „Probleme lösen sich nicht, indem man wegläuft. Jeder Mensch muss seine Aufgabe selbst finden“, sagt der 48-Jährige.
Seine Lebensaufgabe hat er im Jugendstil-Städtchen an der Mosel gefunden. Das knapp 7000 Einwohner zählende Traben-Trarbach war vor 100 Jahren nach Bordeaux der zweitgrößte Weinhandelsort Europas. Moselriesling galt als exklusivster Wein der Welt, und den Händlern saß die Goldmark locker. Der Berliner Jugendstil-Architekt Bruno Möhring baute ihnen imposante Villen, die noch heute das Stadtbild prägen. Als Meisterstück gilt das 1903 erbaute Hotel Clauss Feist, das heutige Bellevue, direkt an der Moselpromenade. Sein Interieur ist weitgehend erhalten geblieben. Und das wird auch so bleiben, sagt Matthias Ganter. Er war erst Pächter des Hotels, seit 1999 ist er Eigentümer. Er meistert die Gratwanderung zwischen Denkmalschutz, modernem Komfort und schickem Design, Gästezufriedenheit und Geschäftserfolg. Es ist ein gastliches Haus mit 45 individuellen Zimmern, Gastronomie- und Wellnessangebot und seit 2000 den Romantik-Hotels angeschlossen.

