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Abschalten vom Alltagsstress: Yoga hilft, zur Ruhe zu kommen und zu sich selbst zu finden (Foto: PantherMedia)

Hotellerie

Urlaub vom Burnout

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2009/44 vom 31. Oktober 2009
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Die Lebensbalance von Wolfgang W. ist völlig aus dem Gleichgewicht geraten. Der Inhaber einer Frankfurter Werbeagentur hetzt von einem Termin zum nächsten: von Akquisegesprächen zu Kreativmeetings und Kundenpräsentationen. Via Blackburry ist er rund um die Uhr erreichbar. Der Konkurrenzdruck in der Medienbranche ist extrem hoch. Sogar beim Joggen am Mainufer setzt sich der 45-jährige Familienvater unter Leistungsdruck. Trotz mehrerer kurzer Action- und Wellnessurlaube senden Körper und Seele kurze Zeit später wieder die alten Erschöpfungssignale.

Der Teufelskreis

Dieses Beispiel ist nur eines von vielen. „Kaum jemand kann noch richtig abschalten – und dieses Leben auf Standby macht die Menschen krank“, heißt es in der gemeinsamen Studie des F.A.Z. Instituts, der Techniker Krankenkasse und der Forsa Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analyse.

Die Forscher liefern alarmierende Zahlen: Jeder Dritte steht unter Dauerdruck. Die Anzeichen von sind vielfältig. Die Betroffenen fühlen sich erschöpft, innerlich leer und mutlos.

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Viele leiden unter Schlafstörungen, klagen über Magendrücken, Rückenleiden, häufige Infekte oder Migräne und verlieren zunehmend an Lebensfreude. „Sie sind leichter gereizt, neigen zu depressiven Verstimmungen. Die Ängste wachsen, den Aufgaben nicht mehr gewachsen zu sein“, sagt die Ärztin und Stressmanagement-Trainerin Sabine Schonert-Hirz. Wenn Gefährdete nicht rechtzeitig die Notbremse ziehen, sind sie am Ende psychisch und körperlich völlig erschöpft. Es ist ein Teufelskreis.

Besonders gefährdet sind Menschen in sozialen Berufen wie Lehrer und Altenpfleger und Arbeitnehmer in sogenannten Sandwich-Positionen zwischen zwei Hierachieebenen. Aber auch Frauen, da sie durch Beruf, Familie und Haushalt meist mehrfach belastet sind. Oft fehlen ihnen positive Rückmeldung und anerkennende Worte. Dies trägt zu den negativen Stress-Symptomen bei.

„Die Menschen suchen zur Stressbewältigung immer mehr nach Angeboten zur Regeneration. Sie möchten zur Ruhe kommen, stärker in sich ruhen oder suchen nach Sinnhaftigkeit“, sagt Studienleiterin Alexandra Graf. Laut der Gesundheitsstudie des Instituts für Freizeitwirtschaft in München versprechen sich rund

60 Prozent der befragten Deutschen im von Maßnahmen gegen Stress und Nervosität langfristig Besserung. Forscherin Graf empfiehlt Hoteliers und Spa-Betreibern, diese Bedürfnisse ernst zu nehmen und mit qualitativ hochwertigen, service-orientierten Produkten darauf einzugehen. Denn Ferien gegen Burnout-Symptome sind mehr als ein wenig Meditationsprogramm mit Gymnastik und Massage.

Die meisten Wellnesshotels locken die Ausgebrannten mit emotionalen Bildern von Bädern mit Duft-, Licht- und Blütenzauber, Entspannungsmassagen, Wohlfühlarrangements und mehrgängigen Gourmet-Menüs. „Einfach nur zu relaxen, gut zu essen und ein wenig Sport zu treiben bringt wenig“, weiß Sabine Schonert-Hirz. Wenn der Alltag anschließend weiter verläuft wie bisher, kehren die Stresssymptome schnell zurück, und chronische Erkrankungen drohen. Entscheidend ist also: Die Zeichen frühzeitig erkennen und handeln. Eine professionelle Starthilfe, das Leben anders zu führen, ist daher besonders wichtig.

Starthilfen für die innere Balance

Doch was zeichnet diese Antistressferien aus? Experten sind sich einig: Das Reiseziel sollte nicht in weiter Ferne liegen. Ideal sind gemäßigte Klimazonen, damit der Erschöpfte gut schlafen kann. Eine harmonische Verbindung zwischen Natur, Hotelarchitektur und Baumaterialien ist ebenso entscheidend für den Erholungswert. „Die gesundheitliche Heilmethode sollten die Gäste je nach Neigung wählen“, so die Ärztin. Ob Therapien nach F.X. Mayr, Sebastian Kneipp, Chinesischer Medizin oder Ayurveda, sei dabei sekundär. Notwendig sei jedoch unbedingt ein geschulter, ganzheitlich orientierter Arzt, der untersuchend, beratend und behandelnd zur Seite stehe.

„Gäste mit Burnout-Symptomen können sich selbst nicht mehr managen“, weiß Alex Witasek, Experte für Regenerationsmedizin und zugleich ärztlicher Direktor des Gesundheitszentrums Artepuri Meersinn auf Rügen. Ferien eigneten sich am besten für die Vorsorge gegen Burnout. „Die Menschen können in einem lustvollen, schönen Urlaub die Symptome eines mitunter gefährlichen Erschöpfungszustandes behandeln“, sagt Witasek.

Experten empfehlen, diese regenerierenden Ferien mit einem persönlichen Gesundheits- und Fitnesscheck zu beginnen. Im ersten Gespräch analysiert der Arzt Denk-, Arbeits- und Beziehungsstil und klärt mögliche Konfliktherde des Betroffenen. „Eine gründliche Entgiftung und Entschlackung erfährt bei uns nicht nur der Körper, sondern auch der Geist“, erläutert Alex Witasek. „Alte verdrängte Traumata oder unbeantwortete Fragen werden aus dem Unterbewusstsein geholt.“ Der Gast erlebe eine neue Sichtweise auf sich selbst und seine Situation.

Daher legen Experten wie Alex Witasek und Wolfgang Moosburger, Chefarzt des Gesundheitszentrums Rickatschwende in Dornbirn/Österreich, großen Wert darauf, dass alle Organe wieder besser funktionieren. So helfen sie dem Körper, sich selbst zu regenerieren. Sie sind sich einig: Ohne einen gesunden Körper ist eine geistige Stärke nur schwer zu erreichen.

Als Starthilfe für eine neue Lebensweise erstellen die erfahrenen Regenerationsmediziner einen maßgeschneiderten Tagesplan mit medizinischen Anwendungen, viel Sport und einem speziellen Ernährungsplan – je nach Konzept und Philosophie des Hauses. Unverzichtbar: ein gesunder Mix aus persönlichem Coaching, Ausdauertraining wie Joggen und Power-Walken, aktive Entspannung wie Yoga, Pilates, Thai Chi, Feldenkrais, progressive Muskelentspannung nach Jacobsen, Autogenes Training und Ernährungsschulung. Zeit zum Lesen und sich mit Dingen beschäftigen können, die Freude bereiten, gehören ebenso zum Neustart. Der Schwerpunkt dieser Ferien sollte darauf ausgerichtet sein: Ich tue etwas für mich.

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