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Wellness, die sich rechnet
Auch 2010 wird die Wellnesshotellerie in Deutschland mit Rückgängen rechnen müssen. So lautet jedenfalls die Prognose von Anja Endraß, Director Consulting bei der Treugast Unternehmensberatungsgesellschaft in München. Sie erwartet sowohl Auslastungs- als auch weitere Ertragseinbußen in der gesamten Hotelbranche.
Trotz der besseren Ausgangslage der Wellnesshotellerie, deren Gästekreis durch eine große Anzahl an Individualgästen deutlich breiter und somit krisenfester aufgestellt sei, würden jedoch auch diese Betriebe Rückgänge hinnehmen müssen. Eine leichte Verbesserung der Situation und ein Anknüpfen an Vor-Krisenverhältnisse sei frühestens im Jahr 2011 zu erwarten, so die Expertin.
Sinkende Umsätze und wachsender Kostendruck zwingen den Hotelier generell zu Sparmaßnahmen. Sie sollten nur nicht an den falschen Stellen erfolgen – auch nicht im kostenintensiven Hotel-Spa. „Trotz des steigenden Wettbewerbsdrucks und einer momentan erkennbaren Sparneigung der Gäste, sollte keinesfalls der Preis gesenkt werden. Es eher ist ratsam, Möglichkeiten zu eruieren, einen Mehrwert für den Gast in Form von Zusatzleistungen zu kreieren“, mahnt Anja Endraß. Aufgrund der hohen Serviceintensität im Spa-Bereich sei es entscheidend, dass besonders Service und Qualität nicht Ziel oder Opfer des Einsparungsbestrebens werden.
Wellness grundsätzlich als Verlustgeschäft zu betrachten, kann keine gute Voraussetzung für ein gewinnorientiertes Spa-Management sein. Am einfachsten ist es, wenn man bereits in der Planungsphase bauliche Weichen stellt, damit die Hoteliers später weniger Kosten haben. So sollten sie beispielsweise über energiesparende Techniken nachdenken und zusätzliche Personalkosten durch eine durchdachte Planung des Spa-Bereichs und geschickte logistische Anbindung vermeiden.
Kompetenz statt Größe
Nicht der Hotelbetreiber mit dem größten Spa wird auf Dauer das Rennen machen, darin sind sich Experten einig. Sondern jener wird vorne mit dabei sein, der langfristig ein professionelles und qualitativ hochwertiges Wellnessangebot macht – und dabei die wirtschaftliche Optimierung nicht aus den Augen verliert.
Jeder Hotelier wird sich die Frage stellen, wie er die größten Kostentreiber wie Personal, Energie und Betriebskosten im Rahmen halten kann. Da man im Hotel nicht einfach die Betriebstemperatur des Swimmingpools oder der Sauna herunterregeln oder die Reinigung reduzieren kann, sind andere Einsparpotenziale gefragt. Oft lassen sich hierfür zusätzliche Investitionen nicht vermeiden, beispielsweise, wenn man alternative und „grüne“ Techniken nutzen oder seine Bausubstanz energetisch sinnvoll erneuern will.
Am besten sei es, wenn man schon bei der Planung eine realistische und fundierte Machbarkeitsstudie aufstellen lässt und das Bauvolumen des Spa-Bereichs begrenzt, empfiehlt Stefan Kannewischer, Geschäftsführer der Kannewischer Management AG im schweizerischen Zug. Da die Sparmöglichkeiten am Ende der Bauphase sehr beschränkt seien, würden oft die Millionen im Fundament vergraben. Anschließend bekämen die Gäste Plastikgriffe zu sehen, weil am Schluss der Sparwille bei erschöpften Baubudgets ins Unermessliche steige, so Kannewischer.
Elmar Kunz von der ghh consult in Wiesbaden rät, sich bei der Investition nicht zu übernehmen. Letzten Endes sei ein Großteil der Spa-Fläche anders als das Zimmer im Hotel nur indirekt „verdienende“ Fläche, argumentiert der Unternehmensberater. Der Spa-Bereich diene zwar als Verkaufs- und Marketingargument, werde jedoch meistens kostenlos genutzt.
„Daher ist zu beachten, ob sich die Investition in den Spa-Bereich rentabel gestalten kann. Der höchste Kostentreiber kann die nicht zu bedienende Investition sein“, sagt Elmar Kunz.


