Menschen
Der Samariter
Marc Cantauw, Chef des Balladins Superior Hotels Bremen, hat ein großes Herz für Kinder am Rande der Gesellschaft. Für sie hat er ein preisgekröntes Projekt auf die Beine gestellt
Alles ok“, dachte Cantauw als er vor fünf Jahren seinen Posten als Direktor im Bremer Balladins Superior Hotel antrat. Das Haus gehört mit seinen 40 Mitarbeitern, 144 Zimmern, einem Restaurant sowie Tagungs- und Veranstaltungsräumen zur Dynamique Hotel Management Gruppe und liegt im Bremer Stadtteil Schwachhausen.
Der junge Chef krempelte die Ärmel hoch und widmete sich seiner neuen Aufgabe. Doch dann ereignete sich etwas: Als er eines Morgens das Radio einschaltete, hörte er einen Bericht über die wachsende Kinderarmut in Deutschland. Vor allem betroffen seien Kinder mit Migrationshintergrund oder mit alleinerziehendem Elternteil. Auch in Bremen gebe es Kinder, die mittags nicht mal eine warme Mahlzeit bekämen.
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„Das darf nicht wahr sein“, ereiferte sich Marc Cantauw. Sofort überlegte er, wie er helfen konnte. Und er hatte eine Idee: Wenigstens einmal in der Woche wollte er bedürftigen Kindern im benachbarten Stadtteil Neue Vahr, in dem viele weniger begüterte Familien leben, eine kostenlose warme Mahlzeit anbieten.
Doch allein konnte er diesen Plan nicht umsetzen. Der engagierte Hoteldirektor fand bald einige Gleichgesinnte, die ihm halfen – darunter Martin Kruß, Pastor der Heilig-Geist-Gemeinde, sowie Dirk Stöver, Quartiermanager im Sozialzentrum. Ihr gemeinsamer Plan: Jeden Sonntag ein warmes Mittagessen im Gemeindehaus oder im Sommer auch im angrenzenden Garten, und zwar kostenlos geliefert vom Balladins Superior Hotel Bremen. Von seiner Begeisterung angesteckt, fanden sich auch zahlreiche Mitarbeiter freiwillig bereit, bei dem Projekt mitzumachen. Die Aktion „Mahlzeit“ war geboren.
Das war vor fast fünf Jahren. Seitdem gibt es jeden Sonntag meistens zwei Sorten Fleisch, Fisch (Leseprobe und weitere Informationen zum Buch "Fisch") und Pasta, Obstsalat und Pudding und noch vieles mehr. Die Köche achten darauf, das Essen gesund, schmackhaft und kindgerecht zuzubereiten. 60 bis 80 Kinder, sind jeden Sonntag dabei. Und wenn mal jemand an der „Mahlzeit“ teilnimmt, der es eigentlich gar nicht „nötig“ hat? Cantauw: „Macht gar nichts. Oft entwickeln sich daraus neue soziale Kontakte, die für uns wichtig sind.“
Inzwischen haben Cantauw und seine Helfer auf dem Gelände der evangelischen Gemeinde eine kostenlose Kleiderkammer errichtet, wo die Kinder getragene, aber gut erhaltene Garderobe für sich finden – auch Spielzeug gibt es hier. Um den Zusammenhalt unter den Jungen und Mädchen der Neuen Vahr zu stärken, organisiert Cantauw in der wärmeren Jahreszeit sogar Busfahrten zu Ausflugszielen. Auch Sportaktivitäten wie Fußballspiele gegen benachbarte Vereine stehen auf dem Programm.
Ein wenig enttäuscht ist Marc Cantauw darüber, dass sich so wenige Hotels, Unternehmen und Institutionen im sozialen Bereich engagieren. Immerhin ehrte die Bertelsmann-Stiftung die Bremer „Mahlzeit“ unter tausend Mitbewerbern. Außerdem erhielt die Initiative 2010 den Sonderpreis des deutschen Bürgerpreises.
Ein Ableger der Bremer „Mahlzeit“ existiert inzwischen in der evangelischen Kirche in Rönnebeck-Farge. Hier wird einmal im Monat für bis zu 150 Personen ein sonntägliches Mittagessen offeriert.
Cantauw: „Bemerkenswert ist auch das Projekt ‚Mahlzeit und mehr‘ unter anderem mit dem Referat Bürgerengagement sowie dem Sozialzentrum Bremen und dem Balladins. Gemeinsam haben wir schon zwei Ausbildungs- und Praktikamessen veranstaltet. Und im Rahmen eines Mentorenprojektes begleiten wir Schüler von der 8. Klasse bis zum Ende ihrer Ausbildung.“
In der Tat: Marc Cantauw und seine Mitstreiter haben in den vergangenen Jahren Manches erreicht. Aber vieles liegt noch vor ihnen. „Packen wir’s an“, sagt der engagierte Hotelier unverdrossen. Heinz-Joachim Zinke


