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Frank Simmeth: „Es geht vor allem darum, Mitarbeiter professionell zu befähigen.“

© Unternehmen

Gastbeitrag

Es fehlt an Führungskompetenz

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2016/1a vom 26. Dezember 2015

Ich führe seit mehr als 15 Jahren Mitarbeiter, da hat sich noch keiner beschwert!“ Diesen Satz habe ich kürzlich wieder einmal in einem Seminar von einem Küchenchef gehört. Für mich eine Aussage, die völlige Bewusstlosigkeit ausdrückt! Vielleicht ist noch nicht bei jeder Führungskraft in unserer Branche angekommen, dass wir vor einer der größten Herausforderungen überhaupt stehen. Wir haben nicht nur einen dramatischen Mangel an Fachkräften. In vielen Betrieben fehlen schon allein rechnerisch die „Hände“, um einen vernünftigen Betriebsablauf zu gewährleisten. Wer in so einer Situation auf einen „altbewährten“ Führungsstil zurückgreift, liegt völlig daneben.

Ich habe übrigens Verständnis dafür, dass manche Mitarbeiter einfach keine Lust mehr auf Hotellerie und Gastronomie haben. Unsere Arbeitsbedingungen erfordern sowieso schon ein gehöriges Maß an Berufsliebe. Wenn ich dann aber auch noch von Vorgesetzten Geringschätzung, Entwertung oder einen Ton wie im Bootcamp ertragen muss, dann wird es eben mit der langfristigen Bindung schwer. Meines Erachtens ist auch schwer vermittelbar, warum der Umgang mit Gästen meist klar geregelt, das interne Verhalten hingegen aber offenbar in vielen Betrieben noch regelfrei ist.

Die Zukunft wird sein, dass wir Mitarbeiter fachlich und persönlich zu Gastgebern entwickeln müssen. Das setzt aber auch entsprechend entwickelte Führungskräfte voraus. Gerade in modernen Betrieben ist das Problem nicht, dass Führungskräfte nicht wissen, was ein angemessener Führungsstil wäre, sondern, dass sich dieses Wissen nicht ausreichend im Verhalten ausdrückt. Mit anderen Worten: Ich kann zwar viele Kochbücher gelesen haben. Das heißt aber nicht, dass ich gut kochen kann.

Ganz alltägliche Führungsaufgaben sind nicht ohne ein gewisses Maß an Persönlichkeit des „Anwenders“ möglich. Ein Beispiel: Möchte ich einen Mitarbeiter haben, der in einer gewissen Form mit den Gästen kommuniziert, dann muss ich diesen Mitarbeiter dazu befähigen. Wie „Befähigung“ als Führungsinstrument anzuwenden ist, haben viele Führungskräfte in der Ausbildereignungsprüfung gelernt: Erst erklären, dann vormachen, dann nachmachen lassen, dann üben. Erschreckenderweise beschränken sich Führungskräfte in der Praxis aber oft aufs Erklären und Erwarten – und beklagen sich im Anschluss darüber, dass Mitarbeiter die eine oder andere Fähigkeit nicht haben. Dass ich als Führungskraft meinem Mitarbeiter hingegen eine Aufgabe zunächst vormache, setzt voraus, dass ich keine Angst davor habe, mich zu blamieren – und dass ich auch als Leiter noch bereit dazu bin, mich „herabzulassen“.

Ich persönlich glaube hingegen, dass ein Führungsmix aus Erwartung und Kritik viel „herablassender“ ist, als Mitarbeiter professionell zu befähigen! Auf den Punkt gebracht bedeutet das, dass wir immer noch zu wenig in der Branche haben.

Der Küchenchef aus dem Anfangsbeispiel sagte übrigens auch noch Folgendes: „Okay, manchmal musst du deinen Leuten halt mal einen Anschiss geben, sonst spuren die nicht!“ Das ist meines Erachtens, als würde ein Koch sagen: „Okay, ich habe die Suppe aus Unachtsamkeit anbrennen lassen! Jetzt rühre ich aber wieder gewissenhaft um...“

Begünstigt schlechter Führungsstil den Fachkräftemangel?

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Leser-Kommentare zum Artikel (4)

Ernest  Kraft, Heidelberg
Ernest Kraft, Heidelberg

19.01.2016 um 08:27

Betreff: Tun als ob

Wenn Führungskräfte so tun, als würden sie führen, tun Arbeitskräfte so als würden sie arbeiten!

Claudia Glader, Soest
Claudia Glader, Soest

11.01.2016 um 18:43

Betreff: Sehr interessant, ....

Ja, wie Recht sie haben.....
Hatte schon sehr viele Bereiche in der Gastronomie durch.....aber eine gute Führungskraft ist mir leider nur ein mal begegnet.
Ich darf Sie bestätigen, es mangelt nicht an guten Fachkräften, sondern an guten Führungskräften.
Wobei das Wörtchen "gut" jeder für sich selbst definiert.

Björn Grimm, Asendorf
Björn Grimm, Asendorf

06.01.2016 um 20:23

Betreff: Alles andere als Alltag!

Lieber Frank - alles richtig! Und gut! und Überfällig! Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen - wir haben nicht nur einen Fachkräfte- sondern einen realen Arbeitskräftemangel.

Bei allem modernen Führungsverständnis darf jedoch auch nicht vergessen werden, dass sich die Einstellungen und Tugenden der Arbeitnehmer deutlich gewandelt haben. Nicht eingehaltene Arbeitsverträge und Kündigungsfristen,nicht zur Arbeit und Ausbildung erscheinenden Kollegen, Betrügereien und Lügen, etc. sind auch eine Wahrheit, die es weiter zu verfolgen gilt. Es ist heute wahrlich kein Vergnügen mehr, als Gastgeber tagtäglich motiviert an der Front zu stehen.

Daniel Tunys, Nürnberg
Daniel Tunys, Nürnberg

05.01.2016 um 22:53

Betreff: Mein Thema...

...und es ist ein sehr wichtiges dazu, also nicht zum durchwurschteln mit Herrn Simmeth gedacht. Schade, dass die AHGZ und alle anderen "Ich bin doch Hotelexperte und Trainer" das nicht schon vor zwei Jahren erst genommen haben, als ich sagte: Wir haben keinen Fachkräftemangel an der Basis, sondern im Management. Jetzt kommt so ein Bericht, der zwar ein paar wichtige Punkte anspricht, allerdings das Thema nicht wirklich gut behandelt - besser gesagt - amateurhaft behandelt. Vor allem fehlen Lösungen. Man muss schon mitten drin sein, als nur dabei. Oder ist das nur ein weitere Sales Artikel?

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