Suche in 50.409 aktuellen Stellenangeboten:

Prof. Christoph Beck: „Das Berufsbild muss wesentlich stärker vermarktet werden.“

© Privat

Interview: Prof. Christoph Beck

„Überzeugt wird offline“

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2016/4 vom 30. Januar 2016
 Brit Glocke

Im Gastgewerbe fehlen Bewerber, denn immer weniger Jugendliche wollen eine Lehre machen. Wie müssen Betriebe beim darauf reagieren?

Beck: Wir haben eine klare Tendenz zur Akademisierung. Die PrognosePlanung der Vertriebsziele anhand vergangenheitsbezogener Daten, um voraussichtliche Entwicklungen abzuleiten.
weiter mit Mausklick...
für 2025 lautet: Mehr als 60 Prozent eines Schuljahrgangs werden studieren. Allein in den letzten zwölf Jahren haben sich die Studierendenzahlen verdoppelt. Die Politik wollte Akademiker, die Eltern wollen Akademiker – damit kriegen wir sie. Der einzelne Betrieb kann dagegen wenig machen.

Wer kann dann etwas machen?

Beck: Das ist Thema der Politik, der IHK’s, der Arbeitgeberverbände. An ihnen ist es, dass Thema Duale mit Wertigkeit zu versehen. Wir sprechen hier auch von Gleichwertigkeit zur Akademisierung. Damit das funktioniert, sind die Betriebe gefordert in der Dualen Ausbildung, Perspektiven zur Gleichwertigkeit zu geben.

Was heißt das konkret?

Beck: Nehmen wir die Bankbranche. Von der Dualen Ausbildung zum Bankkaufmann hat man sich bessere Bewerber erhofft. Am Ende folgte aber auch nur der Einsatz am Bankschalter. Das hat nichts mit gleichwertigen Karriere- und Gehaltsperspektiven zu tun. Oder die Ausbildungsdauer: Ob Lehre oder Bachelor – beide gehen drei Jahre. Hier bricht die Gleichwertigkeit ebenso. Betriebe müssen dafür sorgen, dass weniger die Erstklassifizierung eine Rolle spielt, als die Performance und Leistung im Beruf.

Was können Betriebe tun?

Beck: Die Abbruchquote im Gastgewerbe ist relativ hoch. Da muss die Frage gestellt werden, woran liegt das? Sind es falsche Erwartungen seitens der jungen Leute? Dann ist im Vorfeld mehr Aufklärungsarbeit nötig. Oder hapert es an der Umsetzung im Betrieb? Dann geht es um Strategien, die jungen Leute zu halten. Das Thema Berufsbild muss wesentlich stärker vermarktet werden. Vor allem die schönen Seiten: Im Winter in Sölden, im Sommer an der Côte d'Azur, vom Restaurantfachmann bis zum Hoteldirektor – die Branche bietet so viele Möglichkeiten.

Wie funktioniert zeitgemäßes ?

Beck: Es geht darum, seine Zielgruppen und deren Erwartungshaltungen zu verstehen, denn die haben sich geändert. Die ist dabei nicht großartig anders, als ihre Vorgänger. Damals wie heute gibt es junge Leute, die mehr karriereorientiert sind und solche, die mehr familienorientiert sind. Betriebe müssen sich vielmehr die Frage stellen, welche Zielgruppen brauche ich? Oder, welche Eigenschaften haben die Leute, die bei mir richtig gut sind? Wenn ich das weiß, kann ich meine ZielgruppeEine von der Marketingabteilung oder vom Unternehmer festgelegte Auswahl von Marktteilnehmern, an die sich ein Angebot oder eine Maßnahme richtet .
weiter mit Mausklick...
richtig ansprechen.

Daimler, ProSieben, McDonald’s – sie alle nutzen Whatsapp fürs Azubi-Recruiting. Ist das auch eine Möglichkeit fürs Gastgewerbe?

Beck: Whatsapp ist natürlich ein neuer Kanal, aber ich habe Zweifel, dass ein kleines Landhotel das hinkriegt. Wer es richtig macht, muss investieren, braucht Zeit und die Kontaktdaten für eine Whatsapp-Gruppe. Nicht alles, was für Großkonzerne gilt, gilt auch für die Kleinen. Die sollten lieber wenige Kanäle, aber dafür die richtigen bespielen. Das fängt bei der Mobilfähigkeit der eigenen Website an, denn Jugendliche greifen nun einmal über Smartphone oder iPad darauf zu. Davon abgesehen: Überzeugt wird nach wie vor an den Offline-Touchpoints, sei es auf der MesseIm wirtschaftlichen Sinne eine zeitlich begrenzte, wiederkehrende Veranstaltung auf einem bestimmten Gelände, die es Produzenten oder Verkäufern einer Ware bzw.
weiter mit Mausklick...
oder im Vorstellungsgespräch – hier fallen die Entscheidungen.

Was gibt es noch zu beachten?

Beck: Betriebe sollten sich auch ihren Recruiting-Prozess anschauen. Da gibt es Bewerber, die keine Antwort erhalten oder zu lange Laufzeiten bei den Bewerbungsverfahren. Aber Achtung: Nicht das beste, sondern das schnellste Unternehmen kriegt die besten Bewerber. Hier muss sich bei den Unternehmen noch viel ändern. Es gilt Bewerber innerhalb von zwei bis drei Wochen einzuladen – und zu begeistern!

Das Gastgewerbe kämpft mit dem ImageMehr oder weniger bewusste, vereinfachende Beurteilungen eines Meinungsgegenstands durch ein Individuum, die in ihrer Verfestigung als mehrdimensionales Einstellungskonstrukt Handlungs- und Verhaltensrelevanz gegenüber einem Imageobjekt gewinnen.
weiter mit Mausklick...
– hat es da beim Recruiting nicht von vornherein einen Wettbewerbsnachteil?

Beck: Jein. Ich verstehe das Jammern und das schlechte Image nicht – das lässt sich umkehren. Es gilt einfach mal die schönen Seiten des Jobs zu zeigen, dazu zu stehen, dass es Feiertagsarbeit gibt. Doch die Branche verharrt wie der Hase vor der Schlange. Hier sind auch die Arbeitgeber-Verbände gefordert. Die Handwerksbranche schafft es doch auch immer wieder eine Imagekampagne zu machen. Strategisch gesehen gibt es bis heute keine Veränderung in den Köpfen und für ist oft kein Budget da. Aber jeder GeschäftsführerBezeichnung für das Leitungsorgan der Gesellschaft mit beschränkter Haftung .
weiter mit Mausklick...
sollte sich angesichts des Fachkräftemangels die Frage stellen: Was ist es mir wert? Es reicht nicht, zu sagen, die letzten 20 Jahre haben wir es immer noch hingekriegt, obwohl es immer weiter nach unten ging.

Was steigert die Attraktivität von Ausbildungsberufen?

Beck: Ein wesentlicher Punkt werden künftig Zusatzqualifikationen sein, Add-ons wie eine BaristaPlural Bariste ), Spezialist an der Espressomaschine, der Kaffeespezialitäten zubereitet und dem Gast serviert.
weiter mit Mausklick...
-Weiterbildung während der Ausbildung. Das sind Alleinstellungsmerkmale, mit denen man junge Leute begeistern kann. Begeisterte Mitarbeiter leisten zudem Imagearbeit, die sie nicht aufrechnen können. Sie sind dankbar und loyal, wenn sie das Gefühl haben, nicht nur ausgenutzt zu werden.

Welche Recruiting-Maßnahmen halten Sie für komplett sinnlos?

Beck: Das hängt immer auch vom Unternehmen ab. Incentives halte ich für nicht nachhaltig. Stattdessen sollte ein Betrieb lieber in Richtung werthaltige Zusatzqualifikation gehen und sich mehr am Bedarf orientieren. Was nutzt ein iPad, wenn ich die Fahrtkosten nicht übernehme?

Mit dem Verlag u-form Testsysteme erforschen sie gerade die „Azubi-Recruiting Trends 2016“ (siehe Box). Warum ist das so wichtig?

Beck: Weil wir so wesentlich mehr über die Zielgruppe erfahren, indem wir die Azubis befragen. Auf der anderen Seite schauen wir, welche Vorstellungen und Erwartungen Unternehmen an Azubis haben. Es geht um Transparenz und Aufklärung in beide Richtungen, darum, existente Vorstellungen zu validieren und mit Zahlen zu belegen, Wahrnehmungsverzerrungen aufzulösen und Handlungsempfehlungen zu geben.

Welche Sonderthemen greift die Studie in diesem Jahr auf?

Beck: Ausbildungsmarketing für Flüchtlinge und Arbeiten 4.0.

Sie gelten als jemand, der ein Gespür für vernachlässigte Themen hat – welche sind das?

Beck: Zum Beispiel Initiativbewerbungen. Die werden völlig unterschätzt und völlig falsch behandelt. Da bewerben sich Leute initiativ und erhalten die Antwort, dass sie sich nur auf Stellenanzeigen bewerben können – eine Katastrophe!

Drei Tipps wie Arbeitgeber ihre Fachkräfte von morgen am besten ansprechen?

Beck: Eine hohe Zielgruppenkenntnis haben, einen starken Unternehmensbezug herstellen und an Offline-Touchpoints überzeugen.


ThemenalarmKommentierenDrucken
Was zählt bei der Wahl des Ausbildungsbetriebes? Die Bekanntheit des Unternehmens zählt zu den Hauptfaktoren
Auch interessant

Berufsbilder vermarkten!

Die Lage im Ausbildungsmarketing und beim Azubi-Recruiting hat die Studie „Azubi-Recruiting Trends 2016“ untersucht. Die Ergebnisse – und was sie für die Mitarbeitersuche bedeuten. mehr...

Lesen Sie hierzu auch folgende Artikel:


Lesen Sie hierzu folgende Bücher


Gebrauchsanleitung Gastgeber
Frank Simmeth

Gebrauchsanleitung Gastgeber

„Ein Leben für und in Gastronomie und Hotellerie? Da wird einem aber ganz schön was abverlangt!“ Das ist wohl wahr, denn ein moderner Gastgeber muss jeden Tag motiviert auf der „Gastro-Bühne“ überzeugen und seine Motivation im Spannungsfeld Gäste-Chef-Kollegen aufrecht halten.

mehr...

Prüfung und Praxis Bäcker/-in
Wolfgang Mößner

Prüfung und Praxis Bäcker/-in

Über 400 Fragen, sowie ausführliche Antworten und Erläuterungen erleichtern eine optimale Vorbereitung für berufsqualifizierende Prüfungen im Bäckerhandwerk.

mehr...

Berichtsheft (Ausbildungsnachweis) für den Ausbildungsberuf Fachverkäufer/-in im Lebensmittelhandwerk Bäckerei/Konditorei

Berichtsheft (Ausbildungsnachweis) für den Ausbildungsberuf Fachverkäufer/-in im Lebensmittelhandwerk Bäckerei/Konditorei

Berichtsheft (Ausbildungsnachweis) für die Ausbildung zur Fachverkäufer/-in im Lebensmittelhandwerk Schwerpunkt Bäckerei/Konditorei

mehr...

Berichtsheft (Ausbildungsnachweis) für den Ausbildungsberuf Bäcker/Bäckerin

Berichtsheft (Ausbildungsnachweis) für den Ausbildungsberuf Bäcker/Bäckerin

Das Berichtsheft in Form des Ausbildungsnachweises ist wöchentlich zu führen. Es stellt eine Dokumentation über die durgeführten Aufgaben während der Ausbildungszeit dar.

mehr...

Berichtsheft Fachverkäufer/-in im Lebensmittelhandwerk Schwerpunkt Konditorei

Berichtsheft Fachverkäufer/-in im Lebensmittelhandwerk Schwerpunkt Konditorei

Berichtsheft für die Ausbildung zur Fachverkäuferin/ zum Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk Schwerpunkt Konditorei.

mehr...

Berichtsheft für die Ausbildung Konditorenhandwerk

Berichtsheft für die Ausbildung Konditorenhandwerk

Berichtsheft für die Ausbildung im Konditorenhandwerk.

mehr...

Weitere Artikel zu den Themen:

Diesen Artikel bei Google+, Xing, Twitter oder Facebook weiterempfehlen:

Bisher keine Leser-Kommentare zum Artikel

Anzeige