Persönliches
„Ich fühle mich in Asien wohl“
Manfred Ilg leitet das Boutiquehotel La Residence d‘Angkor in Kambodscha / Das 5-Sterne-Haus gehört zur Orient-Express-Gruppe
Wer heute Siem Reap und Angkor Wat besucht, hat mittlerweile sieben 5-Sterne-Häuser zur Auswahl. Darunter befindet sich mit dem La Residence d’ Angkor ein exklusives Boutiquehotel, das von einem aus Deutschland stammenden General Manager geleitet wird.
Manfred Ilg ist Direktor des 54 Zimmer umfassenden Hotels, das seit gut einem Jahr zur Orient-Express-Gruppe gehört. Eher zufällig habe sich das Angebote für diese Direktorenposition in Kambodscha ergeben, erinnert sich Ilg. „Ich hatte in Bangkok die beiden aus Frankreich stammenden Besitzer der Pansea Gruppe kennen gelernt, die gerade auf der Suche nach einem asienerfahrenen Hotelmanager für ihr Haus in Kambodscha waren.“ Ilg, der nach der Neueröffnung eines Resorts auf Koh Samui nach einer neuen Herausforderung Ausschau hielt, sagte kurz entschlossen zu. „Ich kannte damals weder das Hotel noch das Land, doch der Internet-Auftritt der Pansea-Gruppe versprach eine interessante Aufgabe.“ Seine Entscheidung hat der aus München stammende Ilg nicht bereut: „Ich fühle mich hier sehr wohl“, betont er. „Ich bin sehr gern im operativen Geschäft. Eine Tätigkeit in einem Headquarter ohne den direkten Kontakt zum Gast würde mir dagegen nicht so gut liegen.“
Ilg, der seine Karriere mit einem Praktikum im Münchner Vier Jahreszeiten begann und später unter anderem für Kempinski in Dallas, Budapest und Bangkok arbeitete, ist der Chef von 115 Mitarbeitern. „Das Personal ist sehr motiviert und lernt sehr schnell. Leider vergessen die Mitarbeiter auch vieles. So müssen wir ständig erinnern und nachschulen,“ beschreibt er eine der Herausforderungen seines Jobs. „Ich habe auch die Feststellung gemacht, dass die Mitarbeiter nicht immer loyal sind und sofort wechseln, wenn ein anderer Arbeitgeber auch nur geringfügig mehr zahlt.“
Allerdings sei sein Haus davon kaum betroffen. „Wir bieten unseren Mitarbeitern sehr attraktive Konditionen, und das betrifft nicht nur das Gehalt, sondern auch die Arbeitszeiten.“ Ausgehandelt wurden die Arbeitsbedingungen mit einer Gewerkschaft, die die Mitarbeiter gebildet haben. „Die Verhandlungen waren sehr hart und drohten sogar zu scheitern,“ sagt Ilg.
Ein anderes Problem sei die grassierende Korruption in Kambodscha. Man müsse genau wissen, wo man nein sagen könne und wo man besser nicht nein sage. Schwierig sei auch die Beschaffung aller für den laufenden Hotelbetrieb erforderlichen Waren. „95 Prozent davon müssen wir importieren. Selbst bei der Lieferung von Gemüse, das in der Region angebaut wird, gibt es keine Kontinuität und wir müssen auf Einfuhren zurückgreifen,“ erzählt Ilg weiter. Der Transport erfolge zumeist auf dem Landweg und man müsse eine Spedition mit guten Kontakten zum Zoll beauftragen, so Ilgs Erfahrungen.
Die Auslastung des 2002 eröffneten Hotels gibt Ilg mit 55 bis 60 Prozent über das Jahr gesehen an. „Sehr gut läuft die Hochsaison von November bis Februar, wo wir praktisch immer ausgebucht sind.“ Auch der August sei ein guter Monat, dann sei das Haus fest in spanischer Hand. Stark positioniert sei man in Europa. Seit dem Zusammenschluss mit den Orient-Express-Häusern ziehe auch das USA-Geschäft deutlich an. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer liege bei knapp unter drei Tagen. Hier sieht Ilg noch Potenzial und bietet den Gästen neben Führungen zu den Tempelanlagen von Angkor Wat interessante Ausflüge in die Umgebung an.
Verstärkt bemüht sich Ilg auch um Gäste für die belegungsschwächeren Zeiten. „Regenzeit bedeutet ja nicht, dass wir den ganzen Tag Regen haben. Nach einem kurzen Schauer zeigt sich in der Regel die Sonne wieder. Das müssen wir den Gästen besser vermitteln.“ Dumpingpreise und Gruppentourismus lehnt Ilg dagegen ab. „Schon durch unsere Größe können wir keine großen Gruppen aufnehmen, und wir müssen auch Rücksicht auf unsere Individualgäste nehmen.“ Dagegen sei es aber möglich, zu bestimmten Zeiten das komplette Hotel zu mieten. „Das ist besonders für Firmen interessant, die hier Incentive-Veranstaltungen durchführen.“
In seiner Freizeit spielt Ilg Tennis und befasst sich mit seinen Hunden. „Gern bin ich aber auch zu Hause und lese Bücher.“ Allerdings vermisst er in Siem Reap so etwas wie ein „social life“: Theater, Kino, Konzerte oder Shopping. Er sei eben durch Großstädte geprägt. Auch wenn er von einem eigenen kleinen Hotel irgendwo in Europas Bergen träumt, wo man im Winter Skifahren und im Sommer Wandern kann, möchte er die nächsten Jahre in Asien bleiben. „Ich fühle mich in dieser Region einfach wohl.“



