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Jugendlichkeit und Erfahrung: Thomas Stauder (links), einer der beiden Geschäftsführer der Brauerei Stauder, zusammen mit seinem Vater Claus StauderFoto: Matthias Richter

Interview Claus und Thomas Stauder

„Wir wollen kleiner, aber feiner sein“

Vater und Sohn ziehen an einem Strang: Die Privatbrauerei Jacob Stauder wird mittlerweile in der sechsten Generation geführt. Kontinuität und Qualitätsbewusstsein prägen das Unternehmen

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/42 vom 21. Oktober 2006

Trinken Sie jeden Tag Bier?

Claus Stauder: Ja. Auch zu Hause freue ich mich jeden Abend auf mein Stauder Pils. Das gönne ich mir jeden Tag. Als ich das dem Bundespräsidenten a.D. Richard von Weizsäcker einmal bei einem großen Tennisturnier auf genau diese Frage hin erzählte, war der ganz neidisch.

In den 60er-Jahren haben Sie einen neuen Kurs eingeschlagen: weg von der Massenmarke hin zu einer gehobenen Marke. Warum?

Claus Stauder: Das war eine Existenzfrage. Mit der Unterstützung des Unternehmensberaters Roland Berger höchstpersönlich entwickelten wir aus unserer Philosophie des „Lieber kleiner, aber feiner“ ein neues Konzept für die Brauerei. Zusammen kreierten wir schließlich „Die kleine Persönlichkeit“. Als wir begannen, hieß der Wahlspruch noch „Das Ruhrgebiet trinkt Stauder-Bier“. Ein problematischer Slogan, zumal wir ganz andere Ziele hatten und Exklusivität anstrebten.

Wie haben Sie das geschafft?

Claus Stauder: Mit Beharrlichkeit und Überzeugung. Kämpfen gelernt habe ich auf dem Tennisplatz, den Rückhalt bekam ich durch die Familie, vor allem in Gestalt meines Bruders. Übrigens haben wir, als wir die Brauereiführung übernahmen, ganz intensiv an der Qualität des Bieres gearbeitet und in diesen Bereich erheblich investiert. Moderne Technik und traditionelles Brauhandwerk bestimmen heute die Produktion.

Sie hatten auch einen starken Partner an der Seite, Ihren Bruder. Haben Sie gut zusammengearbeitet?

Claus Stauder: Wir waren auch mal unterschiedlicher Meinung, aber einen ernsthaften Streit gab es in den 40 Jahren nicht. Es gab nicht einen Tag, an dem wir nicht miteinander hätten reden können. Zudem hatten wir die Aufgaben klar verteilt. Für Marketing und Vertrieb war ich zuständig, für Technik mein Bruder. Im Bereich Finanzen und Personal haben wir uns getroffen.

Wie ist das als Sohn eines Brauereibesitzers: Wie stark fühlen Sie sich dem Familienunternehmen verpflichtet?

Thomas Stauder: Natürlich identifiziere ich mich sehr stark mit der Firma. Das hatte ich schon früh im Hinterkopf. Allerdings bin ich beruflich zunächst eigene Wege gegangen. Nach Marketing-orientiertem BWL-Studium und Promotion war ich in verschiedenen Führungspositionen beim Tengelmann-Konzern tätig und habe dort zuletzt den Bereich Controlling geleitet. Ich sah aber den großen Reiz, im eigenen Unternehmen Verantwortung für eine so tolle Marke zu übernehmen.

Wie war das bei Ihnen als Senior? Sind Sie damals bewusst in die Fußstapfen Ihres Vaters getreten?

Claus Stauder: Bei mir war das anders als bei meinem Sohn. Es war einfach selbstverständlich und wurde von meinem Vater erwartet, dass ich gemeinsam mit meinem Bruder die Unternehmensnachfolge antrete. Mein Vater hat uns schon sehr früh viel Verantwortung überlassen und vermieden, sich ständig ins Geschäft einzumischen, als wir die Brauerei übernahmen. Meinen Sohn habe ich sehr ernsthaft gefragt, ob er in die Brauerei kommen will. Es war mir wichtig, seinen Willen zur Verantwortung zu spüren. Ähnlich war das auch mit meinem Neffen.

Die junge Generation hat jetzt die Verantwortung. Und wie entwickelt sich da die Brauerei?

Thomas Stauder: Stauder ist grundsätzlich richtig positioniert – und das schon seit vielen Jahren. Mit den drei Säulen Qualität, Familienunternehmen und hochwertiger Markenführung wollen wir auch ein Zeichen am Biermarkt setzen, der ja immer mehr von großen Konzernen beherrscht wird. Beim Bierbrauen leisten wir uns beispielsweise Dinge, die man betriebswirtschaftlich betrachtet sein lassen würde. Zwei Beispiele: Wir lagern unser Bier vor der Abfüllung sechs bis acht Wochen – das ist für die Geschmacksharmonie und Bekömmlichkeit ganz wichtig. Wir nehmen nur hochwertigen Hopfen. Der ist zwar viel teurer, aber aromatischer.

Welche Ziele haben Sie sich gesetzt?

Thomas Stauder: Wir sind als nationale Marke gastronomieorientiert, da wollen wir auch expandieren. Allerdings nicht um jeden Preis. Wir verzichten bewusst auf manchen Absatz, wollen nicht in die Breite gehen, sondern die Top-Marke des anspruchsvollen Gastgebers sein. In Deutschland, gerne aber auch darüber hinaus.

Welche Vorteile haben die großen Braukonzerne, welche Fehler machen mittelständische Brauereien?

Thomas Stauder: Konzerne haben natürlich betriebswirtschaftliche Vorteile, können ihre Finanzmasse und Kostensynergien ausspielen. Viele kleine Brauerei-Unternehmen konzentrieren sich vielleicht zu sehr darauf, regional zu sein. Das ist aber kein tragfähiges Konzept. Man muss Marken entwickeln und positionieren.

Wie entwickelt sich der Biermarkt in Deutschland?

Thomas Stauder: Der Markt stagniert und polarisiert sich immer weiter. Wir haben in Deutschland einen sehr hohen Pro-Kopf-Verbrauch beim Bier – verglichen mit dem Ausland. Zuwächse sind nicht zu erwarten, auch vor dem Hintergrund eines wachsenden Gesundheitsbewusstseins. Der Preisverfall und die Finanzkraft der großen Konzerne sind einerseits eine Gefahr, bieten andererseits aber Chancen zur Profilierung. Auch deshalb wollen wir „kleiner, aber feiner“ sein. Ich bin überzeugt, dass diese Strategie für unsere Brauerei die richtige ist.

Was ist deutsche Bierkultur heute?

Thomas Stauder: Bier hat sicherlich noch einen hohen emotionalen Stellenwert, allerdings haben sich das Verbraucherverhalten und die Zielgruppen verändert. Man trinkt Bier nicht mehr nur am Tresen oder als Tischgetränk, sondern auch zu anderen Gelegenheiten. Dafür haben wir unser alkoholfreies Pils und unser 0,1-Liter-Bierglas entwickelt.

Sie engagieren sich nicht nur in Ihrem Unternehmen, sondern auch im Initiativkreis Gastgewerbe. Warum?

Claus Stauder: Seit fünf Jahren bin ich Vorsitzender, obwohl ich eigentlich Zurückhaltung üben wollte – nach meinen vielen Ehrenämtern und nach der langjährigen Tätigkeit als Präsident des Deutschen Tennisbundes. Ich fand aber den Sinn und Zweck des Initiativkreises sehr wichtig. Mit Hilfe des Initiativkreises kann der DEHOGA Dinge tun, die sonst finanziell nicht möglich wären, insbesondere im gewerbepolitischen Bereich. Dazu zählen beispielsweise Veranstaltungen wie das Forum Systemgastronomie auf der Hogatec Düsseldorf, aber auch der jährliche Branchentag in Berlin.

Die Fragen stellten Hendrik Markgraf

und Christoph Aichele

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Leser-Kommentare zum Artikel (1)

Horst Welscher, Heilbronn
Horst Welscher, Heilbronn

24.10.2006 um 10:17

Betreff: Kommentar zum Artikel

Stauder hat den einzig richtig Weg gefunden, um unsere deutsche Bierkultur nicht untergehen zu lassen. Lieber kleiner und feiner jedenfalls sagt mir mehr zu als das Expansionsstreben der großen Braukonzerne a la Inbev und Co.