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Erkennt die Zeichen der Zeit: Kevin Voigt geht mit Erfahrung, Neugierde, gepflegter Lässigkeit und gewitztem Sinn an die Dinge heran Foto: Christine Strub

Menschen

Auf Augenhöhe mit dem Gast

Der Münchner Hotelier Kevin Voigt weiß, was ankommt und bezahlt wird. Seine beiden Häuser im Gärtnerplatzviertel sind zeitgeistig und ein bisschen retro zugleich. Ein Nischenmodell

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2008/9 vom 1. März 2008

Ein bisschen kühn war es schon, als 30-Jähriger gleich ein Hotel zu übernehmen. Doch der junge Kevin Voigt scheute das Risiko nicht und wurde Pächter des Admiral in der Münchner Kohlstraße im urbanen Gärtnerplatzviertel.

Das ist 16 Jahre her, und das Admiral hält Kurs. Es floriert. Auch wenn die Gästeschar aus dem Patentamt gegenüber schrumpft, weil einige Teile der Behörde ausgelagert werden. Anstelle der Juristen kommen jetzt all jene, die den Charme eines Hotels suchen, das etwas von einem Grand Hotel hat, ohne eines zu sein.

Bourgeois und lifestylig

Das Admiral ist gehobene Hotellerie. Kein Luxushaus. Ebenso wie das Advokat einige Straßen weiter – seit 1996 ebenfalls unter Voigts Regie. Beide Häuser zeigen gleichsam zwei Seiten des Direktors: eine barock-bourgeoise und eine sachlich-lifestylige.

Mit Kevin Voigt, schmal gewachsen, im lässigen Leinenjackett ganz Großstädter, lässt es sich vortrefflich über Themen der Zeit reden, über Kultur und Gesellschaft: ein an den Dingen des Lebens interessierter . Dieses Gefühl für die Zeitläufte überträgt sich auf seine beiden Häuser.

Im Admiral mit seinen 32 Zimmern erzeugt der Hotelier ein zeitgemäßes Grand-Hotel-Feeling im kleinen Maßstab, eine Atmosphäre von Ruhe,Muße und stilvoller Gediegenheit. Er bedient dadurch eine Nische, die ihr bürgerliches Publikum nach wie vor hat.

Im Advokat hingegen, mit 50 Zimmern etwas größer, herrscht eher Coolness, gepaart mit Anspielungen auf die Geschichte des Hauses, einst Arbeiterwohnheim der Firma Pfanni. Die Bäder sind im Stil der 60er Jahre gehalten, die Zimmer kombinieren anspruchsvolles und schlichtes Design, haben noch die alten Maße. Zimmerfluchten sind hier nicht zu erwarten. Und die ehemalige Hausmeisterwohnung führt ein neues Leben als Suite.

Bei aller Coolness: Der Gast wird doch auch gestreichelt. Lustig lachen ihn rotwangige Äpfel an, neckisch in der Falte des in der Mitte eingeschlagenen Kopfkissens drapiert. Auf dem Nachttisch ein Mini-Buch mit einem Textauszug, nicht zu schwer, auf jeden Fall anregend. Und in der Mini-Bar Erfrischendes, gratis als Zugabe.

Kevin Voigt, der auch privat gern Gäste kulinarisch verwöhnt, hat eine gewinnende Art. Für ihn ist Hotellerie die Kunst des Umgarnens: den Gast in seinem Selbstwertgefühl erhöhen. Das heißt aber nicht, ihm servil zu begegnen. Sondern auf Augenhöhe. Sich aber auch im richtigen Augenblick zurücknehmen können.

Grundsätze, die der Wahlmünchner während seiner Ausbildung im Hamburger Vier Jahreszeiten mitbekommen hat. Dort lernte er auch Kontinuität zu schätzen: Wer sich langfristig bindet, identifiziert sich umso stärker mit seinem Hotel. Das kommt allen zugute.

Gäste sind Freunde

Insgesamt beschäftigt Voigt 40 Mitarbeiter (19 in Teilzeit), die zum Teil beide Häuser versorgen. Die Fluktuation ist relativ niedrig. Denn der gelernte Hotelkaufmann, auch Absolvent der Münchner Fachhochschule für Touristik setzt auf Teamwork und ein freundschaftliches (Betriebs-)Klima. Das braucht es, um eine positive Ausstrahlung zu haben und die Gäste „als Freunde“ zu empfangen. Freunde, die man auch mal einlädt zu einem Tee in der durchdesignten Halle. Auf dass sie sich wohler fühlen „mit uns als ohne uns“, wie der 45-Jährige es ausdrückt.

Die beiden Hotels, die er gemeinsam mit seinem im Hintergrund agierenden Lebenspartner betreibt, haben eine Auslastung von 80 (Admiral) und 79 Prozent (Advokat). Die Preise liegen beim Admiral zwischen 150 und 400 Euro (Suite), beim Advokat zwischen 110 und 190 Euro. Über die Durchschnittsraten schweigt sich Voigt – ganz Kaufmann – aus. Beide Häuser besetzen eine Nische. Sie haben einen Chef, der aufmerksam die Zeichen der Zeit erkennt, über den Tellerrand blickt. Dies, gepaart mit Erfahrung, Neugierde, gepflegter Lässigkeit und gewitztem Sinn für das, was ankommt und bezahlt wird, machen ihn und seine Häuser so erfolgreich. Ein Modell auch für andere. Hendrik Markgraf

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