Beratung für alle Fälle
Coaching-Angebote gibt es viele – doch welche sind wann sinnvoll? Tipps vom Experten
„Mein Leben wird immer komplexer.“ Dieses Gefühl haben viele Menschen. Und mancher fühlt sich überfordert, sucht die Hilfe von Beratern. Ähnlich verhält es sich in Unternehmen, wo der Bedarf an fachlicher und mentaler Unterstützung ebenfalls steigt – auch in der Hotellerie. Gängig sind Coachings für Einzelpersonen, aber auch für kleine Teams und größere Gruppen. Doch welche Angebote eignen sich für wen?
Beim Einzelcoaching trifft sich eine Person, der sogenannte Coachee, mit einem Berater beziehungsweise Coach, um mit ihm eine konkrete Lösung für eine aktuelle, abgegrenzte Herausforderung oder Fragestellung zu erarbeiten. Etwa, wie man vielerlei berufliche oder private Anforderungen besser unter einen Hut bringen kann.
In Unternehmen stehen hingegen oft ganze Mitarbeitergruppen vor neuen Herausforderungen – zum Beispiel, weil sich die Marktbedingungen radikal ändern, neue Zielgruppen angesprochen werden sollen. Dann sind Teamcoachings ideal, weil sie den Erfahrungsaustausch mit Kollegen ermöglichen – und die Verständigung auf ein gemeinsames Vorgehen. Das Teamcoaching ist gedacht für Teilnehmer, die ein Arbeitsteam bilden – also gemeinsam eine Aufgabe lösen müssen oder beim Erfüllen ihrer Aufgaben wechselseitig auf Unterstützung angewiesen sind. Sie müssen jedoch nicht in derselben Abteilung arbeiten.
Coachingsitzungen solcher Teams drehen sich meist um folgende Fragen: Was ist unser gemeinsames Ziel? Welche Aufgaben ergeben sich hieraus? Welche Erwartungen werden beim Lösen der Aufgabe an uns gestellt? Was ist nötig, damit wir die Aufgabe bestmöglich lösen? Wie gehen wir künftig vor? Und: Wer macht was bis wann? Dabei sind Reibereien vorprogrammiert – zum Beispiel weil die Teammitglieder verschiedene Interessen haben. Deshalb hat der Coach beim Teamcoaching auch die Funktion eines Moderators, der dafür sorgt, dass die verschiedenen Interessen und Sichtweisen klar benannt werden und die realen Knackpunkte der Zusammenarbeit angesprochen werden. Zudem hält er den Ball flach: Persönlichkeitsmerkmale einzelner Team-Mitglieder sollten außen vor bleiben, um Bloßstellungen vor den Kollegen zu vermeiden. Solche persönlichen, womöglich problematischen Aspekte müssen im Zwiegespräch, also im Rahmen eines Einzelcoachings, erörtert werden.
Von Gruppencoaching spricht man, wenn die Teilnehmer kein Arbeitsteam bilden, aber in ihrer Organisation eine ähnliche Funktion haben oder dort vor vergleichbaren Herausforderungen stehen. Eine klassischer Klientel für ein Gruppencoaching sieht wie folgt aus: Mehrere junge Führungskräfte, die aufgrund ihrer geringen Erfahrung noch unsicher sind, wie sie im Führungsalltag auf bestimmte Herausforderungen reagieren sollen.
In solchen Situationen ist ein Gruppencoaching meist effektiver als ein Einzelcoaching. Denn im Gespräch mit ihren Kollegen erfahren die Führungskräfte vielfach, dass diese mit ähnlichen Führungsproblemen wie sie selbst kämpfen. Ihre Probleme sind also nicht personen-, sondern situationsbedingt. Im Austausch mit den Kollegen erfahren sie zudem, wo spezifische Probleme, wo Stärken und auch Schwächen liegen. Diesen gemeinsamen Reflexions-Prozess sollte ein guter Coach nicht nur moderieren. Er sollte ihn vielmehr stimulieren und die Teilnehmer dazu veranlassen, aus den Erkenntnissen die nötigen Schlüsse zu ziehen. Zudem sollte er die Führungskräfte auf mögliche alternative Betrachtungsweisen hinweisen, an die diese aufgrund ihrer geringen Erfahrung noch nicht denken. Schon deshalb sollte ein Coach auch praktische Führungserfahrung besitzen.
Hubert Hölzl
Der Autor ist Inhaber des Trainings- und Beratungsunternehmens Hölzl&Partner, Lindau


