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Beruf und Familie vereinbaren
LEIPZIG. Kind oder Beruf? Vor dieser Entscheidung stehen viele Mütter nach der Babypause. Auch für manche Väter ist die Frage relevant. So manche gut ausgebildete Fachkraft verlässt dann trotz gesetzlicher Regelungen zur Elternteilzeit die Branche, weil die Arbeitszeiten in Gastronomie und Hotellerie das Familienleben zuweilen sehr einschränken.
Möglichkeiten ausloten
Ihre individuelle Lösung hat Yvonne Kuntnawitz (33) gefunden, Mutter einer fünfjährigen Tochter. Sie hat sich als Gastronomin mittlerweile selbstständig gemacht. „Ich wollte nie etwas anderes und sehe sonst keinen Beruf, der mir Freude machen würde.“
An die Rückkehr nach der Babypause erinnert sich Yvonne Kuntnawitz sehr genau. Ein Jahr nach der Geburt ihrer Tochter fing die Restaurantfachfrau und Hotelbetriebswirtin im Leipziger Hotel Breitenfelder Hof als Serviceleiterin in Vollzeit an. Doch bald stieß sie an die Grenzen ihrer Möglichkeiten. „Man muss realistisch sein, Karrierepläne verschieben sich“, so Kuntnawitz. Wofür auch ihre Vita ein Beweis ist: Als sie 2004 mit den hart erarbeiteten beruflichen Abschlüssen und ersten Erfahrungen in der Praxis gemeinsam mit ihrem Partner nach Zürich aufbrach, war Familie noch kein Thema.
Fulltime-Job kam nicht mehr in Frage
Mehr als ein Jahr wirkte sie als Manager-on-Duty und Restaurantassistentin im Trend Hotel Eichwatt. Dann wurde sie schwanger. Während ihr Freund in der Schweiz blieb, zog sie um ins sächsische Dittersbach, in die Nähe ihrer Eltern. Da ein Fulltime-Job nicht mehr in Frage kam, nahm Yvonne Kuntnawitz eine Stelle als Disponentin mit geregelter Arbeitszeit bei einer Leipziger Zeitarbeitsfirma an. Dort fühlte sie sich bald unterfordert – ein Fakt, mit dem am Anfang wohl viele berufstätige Mütter leben müssen. „Um am Ball zu bleiben, habe ich mich teilweise selbst mit zu den Diensten eingeteilt“, erinnert sie sich.
Das liegt lange zurück. Gemeinsam mit ihrem Partner machte Kuntnawitz im Oktober 2009 einen wichtigen Schritt: „Wir haben uns mit einer privaten Cateringfirma selbstständig gemacht.“ Parallel erarbeitete sie sich einen Namen als freie Servicekraft.
Verwandtschaft als Stütze
Das eröffnete zwar neue Freiräume, erfordert aber höchste Flexibilität, einen durchgeplanten Tagesablauf, einen eigenen PKW und – Yvonne Kuntnawitz sagt es mit einem Lächeln – liebevolle Eltern und Schwiegereltern, die mit anpacken. „Im Prinzip bringe ich meine Tochter jeden Tag selbst in die Kita, aber ich kann sie nicht jeden Tag abholen und zum Spielplatz oder zum Sport bringen.“ Schon deshalb ist der Sonntag Familientag, das haben beide Partner vereinbart.
Wohl wissend um die Problematik macht sich der DEHOGA Bundesverband für das Thema Kind und Familie stark. „Familienfreundliche Arbeitsbedingungen bewähren sich auch in unserer Branche als Schlüssel für erfolgreiches Personalmanagement“, so DEHOGA-Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges. „Wir wollen, dass auch kleine und mittlere Unternehmen dieses Potenzial erkennen und als lohnendes Managementinstrument für sich nutzen.“ Seit September 2008 kooperiert der DEHOGA Bundesverband mit der Initiative „Erfolgsfaktor Familie“.
Immer mehr Konzepte
Gelungene Konzepte gibt es immer mehr, auch wenn betriebseigene Kindergärten wie im Grand Elysée Hotel Hamburg noch die Ausnahme sind. Die meisten Mütter und Väter kostet es ebenso wie Yvonne Kuntnawitz jeden Tag viel Kraft, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. Praktikable Lösungen funktionieren über individuelle Arbeitszeitmodelle und verständnisvolle Arbeitgeber. Kuntnawitz ist optimistisch, was die eigene berufliche Zukunft betrifft: „Im August 2011 kommt unsere Tochter zur Schule. Dann möchte ich in einer Festanstellung wieder mehr Verantwortung übernehmen.“



