Berufliche Perspektiven für Reiselustige
Auf Kreuzfahrtschiffen werden Hotel- und Gastroprofis dringend gesucht / Doch das Arbeiten an Bord bringt hohe Anforderungen mit sich
STUTTGART. Auch wenn die Bilder der gekenterten Costa Concordia um die Welt gingen – die Lust an Kreuzfahrten bleibt ungebrochen. Deutsche Reeder und Arbeitgeber mischen mit, immer mehr Kreuzfahrtschiffe werden vom Stapel gelassen. Schon deshalb wird Personal für die dienstleistungsintensive Branche dringend gesucht. Vor allem Fachkräfte aus dem Gastgewerbe haben gute Berufschancen.
Aber Vorsicht: Für den Job auf hoher See sollte man geeignet sein, wie Françoise Ruck zu bedenken gibt: „Die Jobs an Bord versprechen viel Abwechslung und Eindrücke von den schönsten Zielen der Welt. Dafür müssen Bewerber sich auf 7-Tage-Wochen mit Schichten von durchschnittlich 10 Stunden einstellen – für einen Einsatz zwischen 5 und 9 Monaten“, sagt die Personalmanagerin von Sea Chefs, wo unter anderem Personaleinsätze für die Flotten von Tui und Hapag Lloyd koordiniert werden.
Die meisten Reedereien suchen gezielt nach Personal mit Hotel- oder Gastronomiehintergrund. „Wir stellen ausschließlich erfahrenes Personal ein, das durch Tätigkeiten an Land auch mit der gehobenen Hotellerie und Gastronomie vertraut ist.
Erfahrung ist gefragt
Entsprechende Fachausbildungen und Berufserfahrung sind ebenso gewünscht wie Leistungsbereitschaft, Belastbarkeit und ein gepflegtes Erscheinungsbild“, umreißt Julia Ockert von Hapag Lloyd Kreuzfahrten das Profil potenzieller Bewerber. Zwar ist Deutsch die Bordsprache auf den Luxuslinern und Expeditionsschiffen der Hamburger Reederei, wie aber bei den meisten Mitbewerbern ist das Beherrschen der englischen Sprache ein absolutes Muss. Das gilt für alle Reedereien, besonders aber für jene mit internationaler Klientel, etwa die Nobelreederei Cunard, wo sich an Bord der Queen Mary II auf Atlantikpassagen und Weltreisen gut 1200 Crewmitglieder aus 55 Ländern um das Wohl von mehr als 2600 Passagieren kümmern. Auch hier sind die Karrierechancen gut. „Talente fallen uns sofort auf“, sagt Cunard-Pressesprecher Ingo Thiel, der Schiffsneulinge jedoch zu reiflichen Überlegungen mahnt, bevor sie einen Job auf See antreten. „Selbst in der Kreuzfahrt ist es noch ein großer Unterschied, ob ich auf einem Luxusliner, auf einem Clubschiff oder auf einem Expeditionskreuzer beschäftigt bin“, so Thiel.
Attraktiv als Arbeitsplatz sind auch die Flusskreuzfahrtschiffe. „Die Erfahrungen, die man als Mitarbeiter auf einem solchen Schiff sammelt, sind ein guter Test, ob man für einen Einsatz auf hoher See geeignet ist“, sagt Barbara Kress von G&P Cruise Hotel Management (Seite A4). 70 Prozent der 1100 bei dem Schweizer Unternehmen beschäftigten Mitarbeiter gehören zur Stammbesatzung und werden Saison für Saison wieder eingesetzt. 60 Prozent der eigenen Führungskräfte hat das Unternehmen selbst hervorgebracht. Besonders Frauen sollen bei G&P dieselben Chancen erhalten, wie Männer. Zudem sieht Barbara Kress für Mitarbeiter, die die Herausforderung Kreuzfahrtschiff gemeistert haben, gute Chancen auf eine Folgeanstellung an Land: „Das Gros unserer Mitarbeiter macht das ein paar Jahre. Kommt dann der Familienwunsch, geht es zurück an Land. Und eines ist sicher: Von Mitarbeitern, die über längere Zeit auf einem Schiff gearbeitet haben, weiß jeder Personalchef, dass sie belastbar sind und wissen, wie man auch Schwierigkeiten erfolgreich meistert.“
„Zu den positiven Seiten auf einem Flusskreuzfahrer gehören die Möglichkeiten, während der Arbeit andere Länder und Städte Europas kennen zu lernen“, so Christine Cubasch, PR-Managerin bei der Arosa Flussschiff GmbH. Die Schiffe sind jeden Tag an einem anderen Ort. Cubasch preist zudem die familiäre Atmosphäre auf den Schiffen, benennt aber auch die Schattenseiten des Kreuzfahrerlebens: „Das sind die 7-Tage-Arbeitswoche, eine eingeschränkte Freizeit und wenig Privatsphäre. Darüber muss sich jeder im Klaren sein, der hier anheuert.“ Außer der abwechslungsreichen Tätigkeit nimmt Arosa für sich in Anspruch, den Mitarbeitern gute Arbeitsbedingungen zu bieten. Christine Cubasch: „Bei uns schläft man maximal in 2-Bett-Kabinen mit eigenem Bad. Zudem kann jeder die Fitnessräume nutzen, an Ausflügen teilnehmen und zum Beispiel vergünstigte Spa-Behandlungen bekommen.“ Kost und Logis sind komplett frei. Mehrarbeit wird in Freizeit oder finanziell ausgeglichen.
Gute Aufstiegschancen
Für eine erfolgreiche Bewerbung sind spezielle Qualifikationen die Basis: Nautiker und Techniker benötigen ebenso eine abgeschlossene Ausbildung in ihrem Fach wie jene, die sich für den Hotel- und Restaurantbereich bewerben. Ganz wichtig sind persönliche Eigenschaften wie ein aufgeschlossen Wesen und Toleranz. Erwartet werden erfolgreiche Abschlüsse in den klassischen gastronomischen Lehrberufen und nach Möglichkeit erste Berufserfahrungen. Gute Karten haben Bewerber, die das Metier von Einsätzen auf anderen Schiffen bereits kennen. Christine Cubasch: „Je nach Position gibt es Einstiegsmöglichkeiten im Restaurant, als Steward, Rezeptionist oder im Spa-Bereich.“ Zudem finden an Bord Weiterbildungen in den verschiedensten Bereichen statt. Thorsten Keller



