Menschen
Der Bio-Winzer
Gérard Depardieu ist ein Genussmensch. Das sieht man nicht nur. Außer Schauspieler ist der Franzose nämlich auch Winzer und Gastronom. Mit Blick für Nachhaltigkeit
Bio heißt für mich, gern gut essen wollen“, sagt Gérard Depardieu. Das nimmt man ihm ohne Weiteres ab. Der französische Schauspieler, der in diesem Jahr die BioFach in Nürnberg eröffnet hat, könnte im Nebenberuf auch Botschafter des „savoir vivre“ sein. Die stattliche Leibesfülle des 59-Jährigen zeugt von seiner Genussfreude.
Mehr als 170 Filme hat er mittlerweile gedreht, darunter Klassiker wie „Die letzte Metro“ oder „Cyrano de Bergerac“. Für letzteren erhielt er 1991 den „Cesar“ als bester Schauspieler – nur eine von zahlreichen Auszeichnungen. Bei seinem ersten Streifen war Depardieu gerade einmal 17 Jahre jung. Derzeit ist er wieder als Obelix, die Wildschweine verschlingende Comicfigur, in „Asterix bei den Olympischen Spielen“ in den Kinos zu sehen. Die Rolle des schlemmenden gallischen Schwergewichts scheint ihm auf den fülligen Leib geschnitten zu sein. Allerdings bevorzugt der Acteur im Privaten eher die feine Küche statt Fleisch in rauen Massen, wie es die Figur des Obelix liebt (wenn der gerade einmal keine Römer verkloppt).
Kulinarisch versiert
Tatsächlich ist Depardieu außer in der Filmbranche auch in der Gastronomie und im Weinbau tätig, was mit einem Eintrag in seinem Pass quasi amtlich bestätigt wurde. Unter Beruf steht dort neben Schauspieler auch Weinbauer. Während viele seiner Kolleginnen und Kollegen in den bildenden Künsten oder in der Musik einen Ausgleich zum hektischen Filmgeschäft suchen, fand Depardieu seine zweite Heimat im Kulinarischen. Von Wein und gutem Essen lässt er sich im übrigen auch nicht von einer Bypass-Operation abbringen, der er sich vor acht Jahren unterziehen musste.
Gemeinsam mit seiner damaligen Lebensgefährtin Carole Bouquet hat er 2003 in der Nähe der Pariser Oper das Restaurant La Fontaine Gaillon eröffnet. Damit erfüllte sich der Weltstar einen lang gehegten Traum. Mittlerweile ist das Lokal zur zweiten Heimat des rastlosen Schauspielers geworden, der 2004 auch ein Kochbuch veröffentlicht hat. Bei der Auswahl der Menüs orientiert sich die Küche tagtäglich an dem, was der Markt an saisonalen Zutaten zu bieten hat und beherzigt damit einen der Grundsätze der Biobranche.
Die Weinliste des Restaurants um-fasst 150 hochklassige Tropfen, dar-unter auch einige aus Depardieus eigenen Weinbergen, die er in mehreren Ländern besitzt. In Frankreich erwarb er außer einem Weingut im Anjou und im Médoc auch einen Weinberg in Aniane, einer der renommiertesten französischen Winzerortschaften. Er setzt voll auf ökologische Produktion. „Pestizide machen den Weinstock kaputt, und statt Traktoren nimmt man am besten ein Pferd mit einer Pflugschare.“ So setzt Depardieu sich für den nachhaltigen Anbau ein.
Bio für alle
Die dahinter stehenden Werte vertrete er voll und ganz: „Gesundes Genießen mit außergewöhnlichen und authentischen Lebensmitteln.“ Wer Freude am Essen haben möchte, müsseZeit und Qualität investieren. Trotzdem dürfe Bio nicht nur Luxus für Leute mit Geld sein. „Wir müssen einfach wieder mehr darauf achten, was wir in uns hineinschlingen.“ Ob sich dies sein Alter Ego Obelix in der nächsten Comic-Verfilmung zu Herzen nimmt, bleibt allerdings abzuwarten. Armin Leberzammer


