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Zoff im Betrieb: Häufig ist Hilfe von außen nötig Foto: Colourbox.com

Köpfe und Karrieren

Ein Externer als Schlichter

Das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Charaktere kann in Betrieben zu Konflikten führen

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/47 vom 25. November 2006

STUTTGART. Wo Menschen intensiv miteinander arbeiten, da menschelt es schnell. Wenn unterschiedliche Charaktere aufeinander treffen, dann kriselt es rasch. Aus dem Miteinander kann ein Nebenher und Aneinandervorbei werden. Die Folgen: Stress statt Stimmung, Mobbing statt Motivation. Ein Katastrophenszenario für die Verantwortlichen – auch in Hotels und Gastronomiebetrieben.

„Wer hat Recht, wer hat Schuld und wer hat damit angefangen“ lauten die klassischen Fragen bei der Ursachenforschung. Die Antworten sind bekannt: „Ich, du und nochmals du.“ Wozu das führt? Zu nichts Gutem.

Gegrantelt und gestritten wird viel in deutschen Betrieben. Die Mitarbeiter in Hotel- und Gastronomiebetrieben machen da keine Ausnahme. Die Gefahr im Gastgewerbe: Meist atmen die Gäste die dicke Luft gleich ungefiltert mit, wenn hinter der Rezeption böse Worte fallen oder der Restaurantleiter mit dem Azubi beim Eindecken offene Rechnungen begleicht.

Zur Abwehr von derlei Ungemach im betrieblichen Alltag haben sich moderierte Workshops bewährt. Darin tauschen sich die Mitarbeiter binnen weniger Stunden miteinander aus, reflektieren eigenes Verhalten, finden neues Verständnis füreinander. Als Resultat bekommen sie neuen Spaß an der Arbeit. Zirka 15 Personen können an einem solchen halb- oder ganztägigen Treffen zum Thema „Wo der Schuh drückt“ teilnehmen. Gebraucht werden lediglich ein paar Stellwände und für jeden Teilnehmer einen bequemen Stuhl. Wichtig: Ein größerer Raum, in dem man auch umhergehen kann, und eine ungestörte Atmosphäre. Das Workshop-Material bringt der externe Moderator mit. Dessen Aufgabe ist es, die Teilnehmer auf das Seminar einzustimmen, sie über die positiven Ziele zu unterrichten und die Methode zu erklären.

Diese ist ebenso simpel wie faszinierend: Die Teilnehmer schreiben ihre kritischen Befunde, Gedanken, Ideen und Vorschläge in großer Schrift auf bunte Karten. Das geht Schritt für Schritt – zunächst nach den thematischen Vorgaben des Moderators, im späteren Verlauf nach dem „Input“ der Beteiligten. Machen ausländische Mitarbeiter mit, sollten diese sich schriftlich in deutscher Sprache ausdrücken können. Der Prozess läuft rasch, weil alle gleichzeitig denken und zwischendurch alle gemeinsam verstehen, was gemeint ist. Der Workshop ist fair, weil kein Vielredner oder Laut-Sprecher die rhetorisch weniger Begabten an die Wand drückt. Alle Teilnehmer sind gleichberechtigt.

Der Output ist vielfältig, weil der Workshop ohne monotone Vorträge, langatmige Diskussionen oder zeitraubende Wortbeiträge von Bedenkenträgern auskommt. Stattdessen ist Kreativität Trumpf: Diese zu stimulieren, ist Sache des externen Moderators.

Die Ergebnisse sind konkret, weil der Moderator mit seiner Erfahrung am Ende für eindeutige Formulierungen von Handlungsvorschlägen dafür sorgt, wie das Miteinander künftig ohne Störungen vonstatten gehen kann. Um eventuellen Ängsten von Inhabern und Direktoren vorzubeugen: Die Einführung der Basisdemokratie ist damit nicht geplant, die Ergebnisse haben Vorschlagscharakter. Aber es hat noch immer genutzt, den Ideen zu folgen, wenn dies nur irgendwie möglich ist. Mathias Scheben

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