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„Ich habe immer Ideen und wohl so was wie unternehmerisches Gespür“, sagt Olaf Feuerstein über sich selbst. Begonnen hat er seine Gastro-Karriere als Tellerwäscher in einem 5-Sterne-Hotel. Die Gartenarbeit zählt zu den Hobbys des 43-Jähr

Persönliches

Erklärter Fan der Privathotellerie

Olaf Feuerstein ist Geschäftsführender Direktor und Anteilseigner des Hotels „Freizeit In“ / Angefangen hat er in Göttingen als Wirtschaftsdirektor

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/23 vom 10. Juni 2006

Immerhin waren es 43 Bewerber, die sich im Jahr 1993 um den Posten des Wirtschaftsdirektors im Göttinger Hotel „Freizeit In“ beworben hatten. Auch Olaf Feuerstein hatte die entsprechende Anzeige in der AHGZ gelesen, sich beim Hotelinhaber Gerhard Löb vorgestellt und dann tagelang nichts von sich hören lassen – bis Löb selbst morgens um acht bei Feuerstein anrief, zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, da der Kandidat nach einem prallvollen 20-Stunden-Arbeitstag gerade ins Bett wollte. „Danke für den Job, aber jetzt muss ich schlafen, ich melde mich“, beschied der Kandidat seinem potenziellen künftigen Chef.

Normalerweise wäre der Fall „Stellensuche“ damit erledigt – nicht so bei Olaf Feuerstein: Besagter müder Kandidat wurde Wirtschaftsdirektor des Hauses, später Direktor, dann Geschäftsführender Direktor und Anteilseigner – heute ist er mit 49 Prozent am Gesamtunternehmen beteiligt. Wenn sich sein früherer Chef und jetziger Geschäftspartner Gerhard Löb eines Tages zurückzieht, wird der heute 43-jährige Feuerstein die alleinige Verantwortung für das größte privat geführte Tagungshotel in Deutschland haben. „Die Nachfolgefrage ist geregelt“, sagt er im Gespräch.

Die Zukunft des Olaf Feuerstein auch, der einst tatsächlich als Tellerwäscher im 5-Sterne-Haus Badhotel Sternhagen seiner Heimatstadt Cuxhaven angefangen und später im selben Haus eine fundierte Ausbildung zum Koch erhalten hatte. Dann schloss er ein Studium an der Hotelfachschule in Stadthagen als Hotelbetriebswirt ab (Abschlussarbeit über „Nepp und Nutzen bei Kooperationen“) und jobbte nebenher als Kellner im Mövenpick in Hannover am Kröpcke. „Da habe ich eine Menge gelernt“, schmunzelt Feuerstein hintergründig: „Ich weiß, was im Service nötig und möglich ist.“

Diese gesammelten Erfahrungen – in der Küche seines Ausbildungsbetriebes, als Saisonkoch in mehreren Häusern, als Küchen- und Casinochef eines international renommierten Dentallabors und auch die Erfahrungen an der Gulaschkanone „beim Bund“ haben es ihm leicht gemacht, nach seinem Dienstantritt in Göttingen „nahezu alles umzukrempeln“. Es passte gut, denn zu diesem Zeitpunkt stand das Haus ohnehin mitten in seiner größten baulichen Erweiterungsphase. Dabei hatte dort alles einmal als Mini-Sporthotel für den Tennisverein begonnen.

Bleiben wollte er in Göttingen nur zwei oder drei Jahre. Daraus wurde nichts: Zwischen dem 30 Jahre älteren Kaufmann Gerhard Löb, der in der Region Göttingen eine Supermarktkette betrieben hatte, und seinem jungen Wirtschaftsdirektor Feuerstein entwickelte sich eine menschliche, geistige und berufliche Affinität, getragen von gegenseitiger Achtung und gegenseitigem Respekt, wie sie nur der Zufall hervorbringen kann – vermutlich das einzige Faktum im Leben des Olaf Feuerstein, das er nicht selbst beeinflusst hat.

„Ich hatte immer Ideen und habe wohl so was wie unternehmerisches Gespür“, sagt der erklärte Fan von Privathotellerie („Keine Ketten, keine Kooperation für mich“) über sich selbst. Das „Freizeit In“ hat das schon zu spüren bekommen: Die „XL-Orient-Lounge“, ein kulinarisch-optisches orientalisches Gesamtkunstwerk, war Folge einer Türkeireise. Das brandneue „Vital Spa“ – ein Zentrum für alles, was Körper und Seele gut tut, mit professioneller Begleitung in allen Bereichen, auch dem rein medizinischen – entstand nach Reisen durch Österreich, England, Schottland und die Schweiz, und es geht weit über die dort erkannten Trends hinaus.

Als er in Göttingen anfing, hat es ihn „gewurmt“, dass es zwei Mitbewerber in der südniedersächsischen Universitätsstadt gab, die „besser waren als wir“. Für ihn ist das jetzt Geschichte – die zweite Reihe ist nicht das Ding des Olaf Feuerstein. Das hat auch die Hoteldirektorenvereinigung (HDV) seinerzeit zu spüren bekommen, als sie den selbstbewussten Hotelier in ihrem Vorstand als zweiten Mann haben wollte. Als der, dem Vereine jeglicher Art eher unbehaglich sind, jedoch in seiner Antrittsrede die Delegiertenversammlung als „Altherrenrunde“ bezeichnete, war es zunächst aus mit dem Ehrenamt. Wenig später war er HDV-Präsident.

Für Olaf Feuerstein, der sich selbst als „äußerst umtriebig“ bezeichnet, ging eigentlich immer was: Im Elternhaus nicht gerade auf Rosen gebettet, besserte er die Familienfinanzen mit der Gründung eines Brötchenkurierdienstes in Cuxhaven auf („Von vier bis sieben Uhr 2000 Brötchen ausgeliefert, tagsüber Eisverkäufer“). In dieser Zeit lernte er auch, einen vaterlosen Vier-Personen-Haushalt zu managen – die Mutter arbeitete zu der Zeit als Köchin. Heute betreibt sie eine kleine Pension. „Vermutlich liegt es daran, dass heute Staubsaugen und Rasenmähen – Garten überhaupt – meine Hobbys sind.“ Auch das hat Spuren im „Freizeit In“ hinterlassen – zum Beispiel im japanischen Garten.

Konsolidierungsphasen („Ach ja, diesen Begriff soll es geben“) gönnt er weder sich noch seinem Hotel, es sei denn, man würde den vorläufigen Rückzug des Hauses aus allen möglichen Wettbewerben als eine solche bezeichnen: Fünfmal bestes Tagungshotel, HSMA-Marketingpreis, Bester deutscher Arbeitgeber – mehr Plaketten will er sich zurzeit nicht ins Foyer hängen.

Pläne für die Zukunft hat er genug: Im Hotel wird es demnächst ein in Deutschland bisher einmaliges Kinderbetreuungsobjekt geben in Zusammenarbeit mit der Göttinger Kinder-Universität und RTL (Serie „Einsatz in vier Wänden“). Mit diesem Sender hat er bereits Erfahrung: Feuerstein war es nämlich, der die seinerzeit von einer holländischen Produktionsfirma mit Linda de Mol produzierte Serie „Traumhochzeit“ als Direktionsassistent im Ratshotel und Schlosshotel in Ahaus zu managen hatte: „54 Hochzeiten – vier pro Woche – das ging auf die Knochen.“ Aber noch im Juli hat er wieder eine – diesmal seine eigene. Ob er sich dabei auf das erforderliche Ja-Sagen beschränkt, ist bei dem „umtriebigen Feuerstein“ immerhin zweifelhaft. Auf die Bitte, spontan die Frage nach einem echten Flop in seiner beruflichen Vita zu beantworten, brauchte Feuerstein fast eine ganze Minute, bevor ihm nichts einfiel aber das ist schließlich auch eine Antwort.Uwe Wedler

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