Persönliches
Feine Küche in der Provinz
Harry Borst schafft es mit seiner regionalen Küche, abseits der großen Touristenströme Feinschmecker in sein Landhaus nahe der französischen Grenze zu ziehen
A ls Harry Borst 1985 das elterliche Café Borst übernahm, handelte es sich noch um eine Gaststätte mit gutbürgerlicher Küche. Heute ist das Landhaus Borst, wie es inzwischen heißt, eine erste Adresse für Feinschmecker. Es ist in allen namhaften Restaurantführern zu finden.
Harry Borst hat das Einmaleins des Kochens während seiner Ausbildungszeit im Romantik-Hotel Landschloss Fasanerie in Zweibrücken gelernt. Daran schloss sich eine einjährige Tätigkeit in dem Sterne-Restaurant Schmüser in Mainz-Kastel an. Danach kehrte er an den elterlichen Herd zurück, der fernab aller Touristenströme in Maßweiler, einer 1100-Seelen-Gemeinde, steht.
Aus Freude am Kochen, sagt der Küchenchef, habe er aus seinem elterlichen Gastronomiebetrieb ein Feinschmeckerrestaurant geschaffen. Das Lokal ist so bekannt, dass es Stammkunden aus einem Umkreis von 100 Kilometern anzieht. Aber auch Gäste aus fast allen anderen Bundesländern finden – dank der positiven Einträge in den Restaurantführern – den Weg zum Landhaus Borst. Grund genug für den Besitzer, sein Unternehmen 1994 um ein Hotel zu erweitern. Sein zusammen mit dem Deutschen Weininstitut Mainz 2002 veröffentlichtes Buch „
Borsts Erfolgsrezept basiert auf der Verwendung frischer Produkte, möglichst aus der Region. Im Augenblick kann er sogar Feigen und Weintrauben, die am eigenen Haus reifen, ernten. „Mit besten Grundprodukten kann man nichts falsch machen“, lautet seine Devise. Dass diese auch ihren Preis haben, verstehe sich von selbst. Er habe aber auch die Erfahrung gemacht, dass die Zahl der Gäste, die für gutes Essen gerne bereit sind, ihr Geld auszugeben, stetig steigt. „Trotzdem sind wir, was die Freude am gepflegten Tafeln und das Preisniveau betreffen, noch weit von den Franzosen entfernt“, zieht Borst einen Vergleich zu den nur ein paar Kilometer weiter lebenden Nachbarn. Spontan gibt der 43-jährige Küchenchef Borst zu, sich noch einmal für den gleichen Beruf zu entscheiden, wenn er vor die Wahl gestellt würde. „Ich bewerte die Berufsaussichten eines Koches sehr positiv, aber nur, wenn er mit Freude seinen Beruf ausübt und bereit ist, auch etwas Besonderes zu leisten. Vor allem in der gehobenen Gastronomie sehe ich noch großes Potenzial“, so Borst.
Er selbst betreibt sein Restaurant zusammen mit Ehefrau Monika, die für den Service und die Dekoration von Raum und Tischen zuständig ist. Eine unverzichtbare Hilfe ist auch die Mutter. Die oft wechselnde, immer auf Saisonprodukte abgestimmte Menükarte wird von Monika Borst in Zierschrift von Hand geschrieben.
Aktuelles Beispiel: Gebratene Gänseleber auf Mirabellen in Verjus du Perigord, Pot au feu vom Hummer, St. Petersfisch in der Parmesankruste, geeister Karotten-Orangensalat und Milchkalbsrücken mit Steinpilzen auf Serviettenknödeln. Danach lässt Küchenchef Borst eine Auswahl französischer Rohmilchkäse, Ricotta-Ravioli mit Mirabellen und Olivenöl-Eis servieren.
„Mein Weinangebot beinhaltet insbesondere Weine von Pfälzer Spitzenwinzern“, betont Weinliebhaber Borst Da seine Gäste in der Weinwahl meist eine Beratung wünschen, hat sich der 43-Jährige durch Seminare weitergebildet und sich im Laufe der Jahre zu einem Weinexperten entwickelt. Gerne genießt er nach getaner Arbeit selbst ein Gläschen – am liebsten einen Pfälzer oder einen italienischen Rotwein.
Als Ausgleich für seinen beruflichen Einsatz spielt Harry Borst Tennis oder tritt in die Pedale seines Fahrrades. Und nicht zuletzt sind da auch noch seine drei Kinder, die die Aufmerksamkeit ihres Papas einfordern.



