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Köpfe und Karrieren

Frischer Wind tut gut

Ein Generationswechsel muss nicht immer heißen, Altbewährtes über Bord zu werfen

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2007/32 vom 11. August 2007

STUTTGART. Restaurants wechseln heutzutage oftmals den Besitzer zwei- bis dreimal jährlich, neue Trends und neue Konzepte konkurrieren auf dem Markt – die allgemeine Stimmung propagiert den ewigen Wandel. In dieser Zeit haben Häuser, die über Jahrzente Kontinuität in Qualität und Service leben, einen ganz neuen Stellenwert. Schließlich leben auch die Gäste in einer hektischen und stets von Neuerungen durchwobenen Zeit. Umso besser, wenn sie im wohlbekannten Hotel der gleiche Standard und das vertraute Personal über Jahre hinweg begrüßen.

Traditionshäuser, über Generationen geführt, entwickeln ihre eigene Geschichte. Und jede neue Generation bringt ihre Ideen und revolutionäres Engagement mit. Die Kunst ist es, das Gute zu erhalten und das noch Bessere einzuführen. Dabei wird manch alter Zopf vielleicht abgeschnitten, neue Konzepte werden erprobt. Wichtig ist, dass die Gäste keinen Kulturschock erleben, und dass der Charakter des Hauses unangetastet bleibt – denn den lieben die treuen Stammkunden.

Eine gekonnte Teamarbeit ist hierbei das A und O. Aber gerade in Familienbetrieben vermischt sich oftmals das Familiäre mit dem Geschäftlichen, und ein routiniertes, fachliches Umgehen miteinander ist eng mit den Rollen der Familienmitglieder verwoben. Da soll sich der „Jungspund“ erst mal seine Sporen verdienen und der „altehrwürdige Herr“ endlich mal auch andere machen lassen.

Um diese Fallen zu umgehen, heißt es zu definieren: „Wer bin ich?“, „Was sind meine Rollen?“ und „Wer ist eigentlich mein Gegenüber?“. Nicht selten hilft hierbei ein Coach, mit dem man außerhalb des geschäftlichen Alltags die einzelnen Rollen jeder Person reflektieren kann. Wann spricht der „Vater“, wann der „Chef“ und wann der „Unternehmensleiter“ – wann bringt die „Tochter“ ihre neuen Ideen vor und wann die „erfahrene Managerin“ oder die „zukünftige Unternehmensleiterin“?

Auch die eigenen Zielsetzungen und Erwartungen an die Zukunft des Unternehmens sind viel zu selten definiert und formuliert. Da aber gerade Familienunternehmen nicht nur erfolgreiche Existenzen, sondern eben auch immer zu einem großen Teil Herzensangelegenheiten sind, ist es um so wichtiger, gemeinsam über die Erwartungen zu sprechen.

Die Liebe zu einem traditionsreichen Gastgewerbe kann nachweislich vererbt werden. Das heißt aber noch lange nicht, dass die strategischen Zukunftsvisionen deckungsgleich in den Köpfen schweben.

Die Herausforderung und der Reiz einer traditionsreichen Gastronomie sind die enge persönliche Verwurzelung der Unternehmensleitung mit dem Unternehmen. Manch eigensinniger Pioniergeist macht den besonderen Charakter aus. Damit der Übergang von der einen Generation in die nächste für beide Seiten ein voller Erfolg wird, müssen persönliche Visionen gegenseitig erörtert und die Unternehmenszukunft zielstrebig erarbeitet werden. Auch hier kann Coaching verbunden mit einemneutralen Mediationsprozess ein effektives Hilfsmittel darstellen. In einem moderierten Gespräch formulieren alle Parteien ihre Ideen, und gemeinsam wird der bestmögliche Weg im Sinne des Unternehmens definiert. Klaus Häck

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