Gespür und Wissen führen zum Ziel
Wer in der Wellness- und Spa-Hotellerie beruflich weiterkommen will, braucht viele Talente / Ohne ständige Weiterbildung geht es nicht
STUTTGART. Hoteliers mit Wellness-Angeboten frohlocken: Gäste buchten im Jahr 2010 rund 5 Mio. Wohlfühl-Aufenthalte, ein sattes Plus gegenüber dem Vorjahr. Und die Nachfrage steigt weiter, so die Prognosen der Experten. Doch die Gäste werden immer kundiger und wählen ihre Ziele bewusster aus. Mehr denn je kommt es auf die Qualität und Originalität der Anwendungen, auf die Ausstattung und perfekte Organisation der Wellnessbereiche an. Eine Entwicklung, die interessante Jobchancen mit sich bringt.
Gästen etwas beibringen
Was erwarten Hoteliers von ihren Spa-Mitarbeitern? „Die Gäste sind heute anspruchsvoller“, weiß Sven Scheerbarth, Hoteldirektor Das Tegernsee. Schon deshalb legt Scheerbarth großen Wert auf sein Personal: „Das A und O ist die Ausstrahlung und Beratung an der Spa-Rezeption. Ebenso werden Massage beziehungsweise der Masseur zum Qualitätsmerkmal“. Ausbildung und regelmäßige Schulungen helfen nach seiner Sicht, die Leistung und damit die Zufriedenheit des Kunden stetig auszubauen.
Auch Claus Geisselmann, General Manager im Intercontinental Berchtesgaden Resort, kennt die Trends: „Der Gast erwartet Einzigartigkeit und Authentizität, ein Konzept in Einklang mit der Umgebung.“ Nicht die Zahl der Behandlungen, die zur Auswahl stehen, sei ausschlaggebend, sondern die Angebotstiefe, was nur von qualifiziertem Personal geleistet werden könne. Die Gäste suchten maßgeschneiderte, ganzheitliche Erholungskonzepte mit professioneller Rundum-Betreuung, angeleitet und begleitet von Profis ihres Fachs: „Gäste wollen nicht nur entspannen, sondern auch etwas lernen, etwa sportliche Lebensweise, Entspannungstechniken oder gesunde Ernährung“, so Geißelmann.
Die Erfüllung der Kundenwünsche wird immer entscheidender, wie Christa Traubel, Inhaberin Hubertus Alpin Lodge&Spa in Balderschwang, weiß: „Gäste erwarten eine Top-Qualität bei den Behandlungen. Sie haben Erfahrungs- und Vergleichswerte und fordern, dass sich der Therapeut Zeit nimmt. Ein Kernthema wird die Reduzierung auf das Wesentliche oder im Augenblick Entscheidende sein.“ Von ihren Mitarbeitern verlangt sie Loyalität, Diskretion und Professionalität. „Wir möchten, dass sich unsere Mitarbeiter wohlfühlen und sich mit uns weiterentwickeln. Wir erwarten absolute Kompetenz in der Ausführung und Sensibilität, um auf den Gast einzugehen. Dafür werden unsere Mitarbeiter geschult und erhalten eine ständige Fortbildung“, so Traubel.
Hohes Einstiegsniveau
Wellness ist auch bei den Lindner-Hotels ein wichtiger Aspekt. „Wir beschäftigen Kosmetikerinnen, Masseure, Spa-Manager, Personal Trainer und Therapeuten, etwa für Ayurveda- oder Shiatsu“, so Katrin Karhausen, Beauftragte für den Bereich Wellness&Spa. „Zudem beschäftigen wir Ärzte verschiedener Fachrichtungen. So arbeiten im Lindner Hotels&Alpentherme Leukerbad eine auf traditionelle chinesische Medizin spezialisierte Ärztin, ein Ayurveda-Arzt und ein Allgemeinmediziner. Insgesamt habe man sehr hohe Erwatungen an die fachlichen Qualifikationen der Mitarbeiter: „Das Einstiegsniveau bei Lindner ist hoch. Wir achten auf eine fundierte Ausbildung und sehr gute Zeugnisse“, so die Wellness-Expertin. Außerdem müssten die Mitarbeiter im Umgang mit dem Gast geschult sein und ein hohes Maß an Serviceorientierung mitbringen.
Neben den fachlichen Qualifikationen erwarte sie eine hohe Motivation der Mitarbeiter, starke Gäste-Orientierung sowie die Bereitschaft, regelmäßig Schulungen zu durchlaufen, die zum Teil in der Lindner Spa-Akademie, aber auch extern stattfinden. „Themenschwerpunkte sind Spa-Management, neue Trends im Spa-Bereich, Umgang mit anspruchsvollen Gästen, Produktberatung und -verkauf“, so Karhausen.
Wert auf Pünktlichkeit, gepflegtes Äußeres und Fachkompetenz legt Jeannette Burbach, Direktionsassistentin im Hotel Weisser Bär in Mülheim/Mosel bei den Angestellten ihrer Spa-Abteilung: „Unsere Mitarbeiter sollen authentisch sein. Mit ihrem Arbeitsplatz und den verwendeten Produkten müssen sie bestens vertraut sein, zudem auf Kundenwünsche gezielt eingehen können. Personal mit Eigeninitiative schätzen wir sehr und fördern das.“
Wellness-Experte Wilfried Dreckmann bringt die Anforderungen ans Wellness-Personal auf den Punkt: „Was ich als Gast brauche, ist fachliche Führung, Hilfe zur Selbsthilfe.“ Dreckmann fordert: „Nicht nur im Spa-Management sind Social Skills wichtig. Auch bei den Mitarbeitern sind Persönlichkeiten gefragt. Fachlich exzellent geschult, empathisch und mit starken sozialen Fähigkeiten.“ Wer das mitbringt, hat im Wellness-Sektor beste Berufschancen. Astrid Filzek-Schwab


