Interview
Hoteldirektorin mit Kind
von Susanne Stauß
DÜSSELDORF. Hoteldirektorin mit Kind? Das ist möglich. Überhaupt: Mütter sind verlässliche Fachkräfte, wenn der Arbeitgeber offen ist (Dienstplan nach Kind, AHGZ vom 11. Febuar).
Unsere Autorin Susanne Stauss hat ein Paradebeispiel aufgetan. Katja Schnabel (38), Direktorin des Lindner Hotel Rhein Residence Düsseldorf und Mutter eines Sohnes, beweist schon seit sechs Jahren, dass eine Schwangerschaft heute kein Berufshindernis mehr sein muss, wenn eine Frau Karriere machen will. Und dabei leitet sie nicht nur das Hotel, sondern macht ergänzend dazu eine Coaching-Ausbildung, ist im Prüfungsausschuss der IHK tätig und arbeitet ehrenamtlich als Mentorin für junge Führungskräfte.
Wie meistern Sie die Ihren Alltag als Mutter und Hoteldirektorin?
Durch Organisation und Improvisation, Zielorientiertheit und Gelassenheit. Außerdem unterstützt mich meine Familie, dazu gehören neben meinem Mann auch Großmütter und Patentanten sowie ein gutes privates Netzwerk, das aus Eltern anderer Kinder besteht. Zusätzlich haben wir optimale Rahmenbedingungen geschaffen, indem wir privat nahe zum Hotel und zur Schule wohnen. Einen Job, für den man pendeln muss, stelle ich mir dagegen sehr anstrengend vor. Da die Rhein Residence ein Stadthotel ist, habe ich an den Wochenenden meistens frei. Und ein bisschen Glück gehört natürlich auch dazu.
Welche Unterstützung erhalten Sie durch Ihren Arbeitgeber?
Auf meinen temporären Ausfall rund um die Geburt wurde sehr flexibel reagiert. Zunächst gab es eine Vertretung und zur ersten Direktorentagung kamen dann mein Mann und das Baby mit, das war selbstverständlich. Die ergebnisorientierte Führung innerhalb unserer Gruppe ermöglicht die Freiräume, mit modernen Medien auch außerhalb des Betriebs zu arbeiten. So unliebsam die dauernde Erreichbarkeit über Blackberry bisweilen auch erscheinen mag, so positiv sind doch die gegenwärtigen Kommunikationslösungen. Da können via VPN-Verbindung zeitaufwändige Projekte auch mal nach der Gute-Nacht-Geschichte von Zuhause bearbeitet werden. Ein weiterer Vorteil bei Lindner ist, dass die Direktionsposten nicht alle zwei Jahre neu besetzt werden, sodass man längerfristig von den geschaffenen Strukturen profitieren kann.
Welche Situationen stressen Sie beim Leben mit der „Doppelbelastung“ am meisten?
Wahrscheinlich stressen mich die gleichen Dinge, die andere Mütter auch stressen: Ein Auszug: "Mama, ich will nicht aufstehen und selber anziehen mag ich mich auch nicht und schon gar nicht dieses T-Shirt."
Haben Sie Ihrem Kind gegenüber manchmal ein schlechtes Gewissen?
Nein, denn ich bin immer für ihn da, wenn es wichtig ist. Ich nehme mir beispielsweise die Zeit, bei einer Schulaufführung dabei zu sein, für die er wochenlang geübt hat. Dabei ist es mir am Anfang schon ein bisschen schwer gefallen, mich auf mein Team im Hotel zu verlassen. Doch das hat sich alles wunderbar entwickelt.
Wobei entspannen Sie sich selbst?
So anstrengend manche Momente mit einem kleinen Kind auch sein können, so versöhnlich und entspannend ist es, die Welt auch mal aus Kinderaugen zu sehen. Meine freien Tage verbringe ich am liebsten bei Unternehmungen mit der Familie in der Natur. Und im absoluten Notfall bietet sich eine kurze Shopping-Tour rund um unser Haus als Stimmungsheber an.


