Weiterbildung in der Hotellerie (1)
Interne Schulungen für den Nachwuchs
Welche Möglichkeiten haben Fachkräfte nach dem Berufseinstieg? Im Fokus der AHGZ-Serie zur Personalentwicklung in der Privat- und Kettenhotellerie stehen interne Schulungen und Information, Fortbildung, Training, Beratung und Vermittlung
STUTTGART. „Wie geht es jetzt weiter?“ Das fragen sich viele frisch gebackene Köche, Restaurant- und Hotelfachleute, wenn sie ihr Abschlusszeugnis in den Händen halten. „Und was geht noch?“, lautet die Frage interessierter Seiteneinsteiger. Denn die Anstellung und Beschäftigung junger und ungelernter Kräfte gehört in der Hotellerie zur täglichen Praxis.
Engagement fördern
Dabei bestehen große Unterschiede in den Karriereverläufen zwischen privat geführten Einzelhotels und Ketten: Während in Familienbetrieben die Schlüsselpositionen oft in Eigenregie wahrgenommen werden, arbeiten die Häuser der Hotelketten mit detaillierten Personalplänen sowie Schulungs- und Austauschprogrammen. Doch auch Privathotels wie das Hamburger Hotel Madison von Marlies Head oder das Flair-Hotel Schönheide in Sachsen haben mit viel persönlichem Engagement die Ausbildung und Laufbahn junger Mitarbeiter im Blick. Denn sie sind das wichtigste Potenzial eines gut geführten, auf Individualität bedachten Hotelbetriebs.
Die jungen Leute wollen Verantwortung übernehmen. „Wenn Mitarbeiter erkennen, dass sich ihr Arbeitgeber um ihre persönliche Fortbildung kümmert, erhöht das die Bindung an das Unternehmen enorm“, erläutert Lieuwe de Jong, Vice Präsident Operations bei Ramada Worldwide, Bad Arolsen. Das bestätigt Claus-Dieter Jandel, Generalbevollmächtigter der Steigenberger Hotels: „Den Wunsch nach Verantwortung, Anerkennung und Spaß am Beruf spüren wir immer wieder.“
Jede Fortbildung dient nicht allein dazu, in den Hotels ein hohes Qualitätsniveau sicherzustellen. Entscheidend ist auch, permanent geeigneten Nachwuchs vorzuhalten, der schnell und ohne Akklimatisierungsprobleme eingesetzt werden kann. Für viele bedeutet so die Veränderung innerhalb eines Hauses bereits Aufstieg und Entwicklung.
„Nur top-informierte, qualifizierte Mitarbeiter können den Service erbringen, der heute von den Gästen gewünscht wird,“ ergänzt Gabriele Schulze, Geschäftsführerin von Best Western Deutschland. Marlies Head befördert gute Leute schon deshalb, weil sie sie im Haus halten will: So kommt zum Beispiel ein Zimmermädchen ans Buffet im Restaurant oder ein Spüler wird zum Koch ausgebildet. Das Interesse ist also da, sowohl beim Arbeitgeber als auch beim Arbeitnehmer. Hotelbetreiber, die die Personalentwicklung dem Zufall überlassen, haben auf Dauer schlechte Karten – sowohl bei der Kontaktpflege zu Geschäftspartnern als auch bei der Mitarbeiter- und Gästebindung. „In der Förderung von Mitarbeitern, die Haus und Produkt kennen, liegt die beste Art der Bindung für ein Hotel“, findet auch Jochen Thraede, Sales&Marketing-Leiter der Vila Vita Hotel und Touristik GmbH, Marburg.
Kooperationen und Hotelunternehmen wie Mövenpick, Steigenberger, Best Western und Marriott bieten engagierten Mitarbeiter jedes Jahr Angebote zur Weiterbildung an. Von diesen Programmen sollten sich private Hoteliers ruhig Anregungen holen. Die Programme sprechen schließlich nicht nur Angestellte im Management an. Auch Kräfte an der Basis können von entsprechenden Schulungen profitieren. Und mit ihnen der Betrieb. Azubis können sich zum Beispiel in Newcomer-Kursen über die Philosophie ihres Hotels und Betriebsabläufe schlau machen. Organisieren lässt sich das in der Regel über interne Mitarbeiter mit Führungsqualitäten. Eine Anregung sind auch die morgendlichen 15-Minuten-Trainings bei Marriott durch die Abteilungsleiter. Die Hotelgruppe bietet zudem Programme an, die am Arbeitsplatz oder online durchgeführt werden können.
Leistung anerkennen
Den Blick über den eigenen Tellerrand schulen will auch Wolfgang Greiner, Generaldirektor im Hotel Schloss Fuschl bei Salzburg. Er achtet darauf, dass regelmäßig Schulungen bei Winzern oder Käseproduzenten sowie Messebesuche zu mehr Wissen führen. Die neuen Kenntnisse werden anschließend im eigenen Haus ausgewertet und weitergegeben. Nicht alle müssen also auf Dienstreise gehen.
Eine Qualifikation, erworben in Kursen zu Themen wie Tee, Wasser und Wein oder auf einem HACCP-Lehrgang, motiviert; sie lässt Mitarbeiter neue Einblicke gewinnen und Defizite ausgleichen. Sie erleben eine Abwechslung vom Alltag und können sich mit Kollegen austauschen. Das funktioniert auch abteilungsübergreifend. Wolfgang Greiner meint: „Wenn die Köche erfahren, was in Sales und Marketing vor sich geht und welche Ziele das Haus in der nächsten Zeit anvisiert, bringt das Vorteile für das ganze Team.“ Und diese Art Schulung kostet kein Geld, nur guten Willen und Organisation.
In Folge 2 der Serie geht es um das Thema Fortbildung. Petra Mewes

