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Keine Sorgen in der Luxushotellerie:Im Hotel Atlantic Kempinski Hamburg haben 14 junge Leute ihre Ausbildung begonnen Foto: Helmut Heigert

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Kampf um den Nachwuchs hat begonnen

Demografischer Wandel macht sich in Norddeutschland bemerkbar / Bildungsniveau der Bewerber sinkt / Statt Fachkräften künftig mehr Angelernte

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2010/36 vom 4. September 2010
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HAMBURG. Licht und Schatten auf dem Ausbildungsmarkt im Norden. Während sich einige Hoteliers weiterhin über einen ungebremsten Andrang von jungen Leuten freuen können, suchen viele Gastronomen händeringend Auszubildende.

„Wir haben noch nichts von einer Krise auf dem Ausbildungsmarkt gemerkt“, sagt Barbara Schönbrodt. Die Ausbildungsleiterin im Hotel Atlantic Kempinski in Hamburg weist in diesem Spätsommer 14 neue Auszubildende in ihre Dienstpläne in dem Luxushotel an der Alster ein – zwei mehr als sonst. Mehr als 1000 Bewerbungen aus dem ganzen Bundesgebiet müssen Barbara Schönbrodt und ihre Mitarbeiter jedes Jahr begutachten. Wer im Atlantic eine Ausbildung machen will, sollte sich mindestens ein Jahr im voraus bewerben. Dafür bietet das Luxushotel eine umfassende Ausbildung. Schönbrodt: „Wer hoch hinaus will, für den ist das Spektrum wichtig.“

Lieber Lehre im Hotel

Ganz andere Sorgen plagen dagegen Claus Dieter Hübsch, der für das Marketing in den Hamburger Restaurants Plaza, Trude und Ständige Vertretung zuständig ist. „Der Markt ist leer gefegt“, sagt er. Für die zwölf Ausbildungsplätze in den drei Restaurants habe er bisher keine Bewerber. Dabei stelle das Unternehmen auch Hauptschüler für die Ausbildung zur Fachkraft im Gastgewerbe ein. „Die Auszubildenden wollen alle in die Hotels“, sagt Hübsch. Ein weiteres Problem für den Gastronomie-Experten stellt die hohe Abbrecherquote dar: Etwa 20 Prozent brechen im Hamburger Gastgewerbe im ersten Lehrjahr ihre Ausbildung ab. Hübsch: „Manche jungen Koch-Auszubildenden denken, es läuft hier wie im Fernsehen“, sagt er.

Lutz Frank hat dagegen bisher keine Probleme, Anwärter für seine vier Ausbildungsplätze zu finden. Der Inhaber des Gasthofs Turmschänke Seedorf arbeitet eng mit den Schulen in der Umgebung zusammen. Außerdem bietet er auch Praktika an. „Hier im ländlichen Bereich werden Ausbildungsplätze oft noch durch persönliche Kontakte vermittelt“, sagt der Gastronom, der auch Vorsitzender des DEHOGA Kreisverbandes Segeberg ist.

Ein Absinken der Bewerberzahlen im Speckgürtel der Hansestadt hat Axel Strehl festgestellt. Der Patron des gleichnamigen Restaurants in Ahrensburg und Vorsitzende der Fachgruppe Gastronomie im DEHOGA Schleswig-Holstein arbeitet bei der Besetzung von Lehrstellen eng mit der Bundesagentur für Arbeit zusammen.

Nach Auskunft von Thorsten Ohm, Geschäftsführer des DEHOGA Schleswig-Holstein, sind die Bewerberzahlen in Schleswig-Holstein in diesem Jahr zweistellig zurückgegangen. „Im vorigen Jahr stagnierten bereits die Bewerberzahlen“, sagt Ohm. Insgesamt stellen rund 600 Ausbildungsbetriebe im nördlichsten Bundesland etwa 3800 Ausbildungsplätze zur Verfügung. Falls keine Lösungen gefunden werden, könne der demografische Wandel zur Existenzfrage mancher Betriebe werden. Niklaus Kaiser von Rosenburg sagt einen Kulturwechsel in der Branche voraus. „Der Mangel an Bewerbern ist auch bei uns angekommen“, sagt der Geschäftsführers des Hotels Baseler Hof und Vorsitzende des Berufsbildungsausschusses des DEHOGA Hamburg.

Er habe aber noch keine Probleme, die acht Ausbildungsplätze in seinem 4-Sterne-Hotel zu besetzen.

Inzwischen könnten sich die Bewerber die Betriebe aussuchen. Erst, wenn die Ausbildungsplätze in den begehrten 5-Sterne-Hotels vergeben wären, kämen die anderen Hotels zum Zuge. Der doppelte Abitur-Jahrgang in Hamburg habe überhaupt keine Auswirkungen auf die Bewerbersituation in der Hansestadt gezeigt. Zudem müsse bald eine Lösung für einen Bachelor-Abschluss an den Hotelfachschulen gefunden werden.

Bewerber haben die Wahl

Laut Kaiser ist bereits ein Absinken des Bildungsniveaus bei den Bewerbern festzustellen. „Etwa 50 Prozent haben kein Abitur“, sagt er. Auch die Zahl der Auszubildenden zur Fachkraft im Gastgewerbe werde wachsen. Insgesamt werde sich die Branche darauf einstellen müssen, anstelle von Fachkräften in Zukunft mehr Angelernte zu beschäftigen.

„Wir haben in diesem Jahr zwei Drittel weniger Bewerber“, sagt Erik Broch. Der Ausbilder bei der Jugendbildung Hamburg vermittelt Jugendliche, die eine Ausbildung zur Fachkraft im Gastgewerbe machen wollen. Von zwölf Ausbildungsplätzen habe er bisher erst zwei besetzen können. „Bei mir rufen laufend Gastronomen an und fragen nach Bewerbern“, sagt Broch. Nach Ansicht des Ausbilders ist eine Ausbildung im Gastgewerbe selbst bei Jugendlichen mit niedrigem oder ohne Schulabschluss nicht sehr gefragt. Auch in früheren Jahren war das Gastgewerbe häufig nur zweite Wahl, wenn es keine Ausbildungsplätze in anderen Branchen mehr gab. Broch: „Wenn die Gastronomie sich nicht attraktiver macht, wird es immer schwieriger werden, Arbeitskräfte zu finden.“

Leute in der Branche halten

An diesem Punkt will auch Ulrike von Albedyll ansetzen. Nach Ansicht der Geschäftsführerin des DEHOGA Hamburg müsse die Ausbildung im Gastgewerbe noch attraktiver gestaltet werden. „Wir bieten schon viele Zusatzqualifikationen an“, sagt sie. Nach Ansicht der Geschäftsführerin ist die Branche in der Hansestadt mit ihren rund 2500 Ausbildungsplätzen noch weit von den Problemen in anderen Bundesländern entfernt. Auf der anderen Seite wird sich der Rückgang der Schülerzahlen in anderen Bundesländern auch in Hamburg bemerkbar machen. „50 Prozent unserer Auszubildenden kommen aus dem Umland“, sagt Albedyll.

Um einem Fachkräftemangel vorzubeugen, sollten sich die Betriebe in der Hansestadt enger verzahnen. „Außerdem müssen wir uns bemühen, dass die ausgebildeten Fachkräfte in unserer Branche bleiben.“ Helmut Heigert

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