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Der Autor ist Diplom-Psychologe und Seminarleiter bei modulb, Detmold.

Köpfe und Karrieren

Körper sendet Signale aus

Ärger ist ein Gefühl und hat nicht nur negative Seiten / Zur Bewältigung ist Hilfe nötig

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/43 vom 28. Oktober 2006

STUTTGART. In Gastronomie und Hotellerie ist Ärger oft vorprogrammiert. Sei es der nörgelnde Restaurantbesucher, dem erst der Weißwein zu warm, dann das Essen zu kalt ist, oder der auscheckende Hotelgast, der von der ausgeräumten Minibar nichts wissen will.

Diese Beispiele zeigen: Ärger beginnt in der Regel harmlos. Er kann sich aber schnell zu einem schweren Konflikt ausweiten. Deshalb ist es ratsam, den Umgang mit Ärger zu trainieren. Eine Verstimmung tritt dann auf, wenn Erwartungen – an sich selbst oder andere – nicht erfüllt werden. Ärger ist ein Gefühl, gegen das man sich nicht wehren kann. Von daher ist es nicht möglich, sich nicht zu ärgern.

Gefühle stecken an, Wut auch. Wenn sich jemand aufregt, erzählt er oft anderen – im Durchschnitt bis zu 5 Personen – davon. Jedes Mal, wenn darüber gesprochen wird, ist es für das Gehirn so, als ob es tatsächlich die Konfliktsituation erlebt. Denn das Gehirn kann nicht unterscheiden, ob der Ärger tatsächlich da ist oder ob er nur wiedergegeben wird.

Für das Gehirn bedeutet Ärger ganz einfach Stress. Das Gehirn aktiviert Stresshormone, um den Ärger zu bewältigen. Ärger ist das einzige Gefühl, das nachweislich den Blutdruck ansteigen lässt. Der Stress kann aber auch weitere Erkrankungen nach sich ziehen: Kopfschmerzen, Herz-Kreislauf- oder Magen-Darm-Beschwerden.

Spätestens dann, wenn Ärger körperlichen Schaden anrichtet, wird es notwendig, etwas dagegen zu unternehmen. Arbeitgeber können Hilfe von außen ins Unternehmen holen. In Seminaren wird dann der effektive Umgang mit Ärger gelernt.

Gespräche beginnen mit einer Einführung in die Ärgerproblematik. Was richtet Ärger körperlich, gefühlsmäßig, psychisch und gedanklich an und wodurch wird er ausgelöst? Dann wird die Frage nach dem Ärgertyp gestellt: Ist hier ein Mensch, der eher explodiert, oder einer, der seinen Ärger in sich hineinfrisst. Bei dieser Analyse wird deutlich, dass explosionsartiger Ärger oft mehr Schaden anrichten kann als die Wut, die nach innen ausgetragen wird. Eine Verstimmung kann weite Kreise ziehen. Vom Arbeitsplatz trägt man sie nach Hause. Dort hat sie nicht selten negative Auswirkungen auf das Familienleben.

Ein probates Mittel, um Ärger in den Griff zu bekommen, ist ein entsprechendes Tagebuch zu führen. Darin werden typische Situationen protokolliert und – mit all ihren Auswirkungen – analysiert. Leicht lässt sich dann anhand dieser Aufzeichnungen feststellen, wann Ärger chronisch wird. Ein besserer und effektiverer Umgang mit Ärger kann gelernt werden. Mit Entspannungstraining oder Atemtechniken kann man sogar gegen chronischen Ärger angehen. Oder man wählt eine Methode, sich bei Ärger selbst auf die Schippe nehmen.

Ärger hat jedoch auch positive Aspekte. Ärger als Signal, etwas anzusprechen, was einem nicht passt. Ärger als Anstoß, ein Problem anzugehen, Ärger als Motivationsinstrument, sich durchzusetzen. Josef Thörner

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