Köpfe und Karrieren
Lust an Leistung
Mitarbeitermotivation durch das Übertragen von zusätzlichen Aufgaben und Verantwortung
STUTTGART. Abwechslung, Spannung und Freude machen die Faszination der Hotel- und Gaststättenberufe aus. Dabei spielen Neugierde auf Neues, Umgang mit Menschen und herausfordernde Aufgaben eine entscheidende Rolle.
Warum gerade die Herausforderung im Beruf, also die Vielfältigkeit der Aufgabe erst den richtigen „Kick“ verleiht, erläutert der Verhaltensforscher Felix von Cube so: „Menschen haben bei interessanten Tätigkeiten fließende Freude, ein Flow-Erlebnis, sie empfinden Lust an der Leistung.“
In jedem Mitarbeiter steckt der Wunsch nach Herausforderung durch neue Aufgaben. Entscheidend ist, dass er sich aus der Sicherheit bekannter Situationen an die Bewältigung neuer Aufgaben heranwagen kann. Zu viel Neues und Unüberschaubares im Arbeitsprozess können den Einzelnen allerdings überfordern.
Führungskräfte trauen ihren Mitarbeitern oft zu wenig zu. Dabei ist es Aufgabe der Führungskraft, Mitarbeiter an kompakte, motivierende Aufgaben und Verantwortung heranzuführen. Meist stellt sich erst bei Abwesenheit der Führungskraft heraus, welches Potenzial in Mitarbeitern steckt. Wird dieses Potenzial unterfordert, fühlen sich leistungsmotivierte Mitarbeiter gelangweilt und kündigen. Auf diese Weise bleiben nur leistungsschwächere Mitarbeiter dem Betrieb erhalten.
Entsprechende Maßnahmen können diesem Phänomen entgegenwirken. Ziel ist es, Aufgaben, die bislang ausschließlich Führungskräften vorbehalten waren, auf ihre Delegationsmöglichkeit und Umsetzbarkeit im Betrieb zu hinterfragen. So hat eine Servicemitarbeiterin in der Regel täglich wiederkehrende Aufgaben zu erfüllen: Eindecken, Service, Aufräumen und Abrechnung. Abwechslung bieten Speisekarte und Gäste. Gerade in kleinen Betrieben sind Entwicklungsmöglichkeiten für kreative Servicemitarbeiter begrenzt. Durch attraktive Zusatzaufgaben werden ihre Aufgabenbereiche angereichert, man spricht von Job Enrichment.
Entsprechende Zusatzaufgaben gibt es viele. Sie sind abhängig von Wissen, Können und Kreativität der Mitarbeiter oder der Teams. Hier einige Beispiele: Dienstplangestaltung aus den eigenen Reihen, saisonale Dekoration des Restaurants, Beschwerdemanagement, Vorschlag der Weinauswahl mit Verkostung, Planung und Gestaltung von Sonderaktionen, Gestaltung von Themenabenden, Catering, Gestaltung der Speisekarte, Pflegen der Gästedatei, Kinderprogramme gestalten, Gästegeschenke aussuchen, Arbeitsabläufe optimieren, Messebesuche usw.
Sicherlich werden Mitarbeiter anfangs beim Angebot einer erweiterten Aufgabe abwinken sich möglicherweise sogar vor Kollegen über Mehraufgaben beschweren. Hier liegt es an der Führungskraft, die Situation richtig einzuschätzen. Oft sind solche Verhaltensweisen vorgeschoben, um Stolz oder Angst vor Versagen zu verbergen. Auch gibt es Mitarbeiter, die für neue Aufgaben nicht zu gewinnen sind, was zu respektieren ist.
Selbstverständlich bedeuten Zusatzaufgaben nicht, dass die eigentlichen Aufgaben vernachlässigt werden dürfen. Im Vorfeld – nicht danach – werden exakte Zeit- und Budgetvereinbarungen getroffen und Entscheidungsspielräume abgesteckt. Susanne Droux
Die Autorin ist Geschäftsführerin Berufsbildung/Marketing beim Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands, München.


