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Einfacher Genießer: Sebastian Dickhaut entwickelt unkomplizierte Gastro-Lösungen und liebt das Mittagessen in Ruhe Foto: Unternehmen

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Mahlzeit mit Dickhaut

Ruhig mal Pause machen und sich Zeit fürs Essen nehmen. Ist das denn so schwer? Sebastian Dickhaut, gelernter Koch, Bestseller-Kochbuchautor, Kochbuch-Vorleser und Erfinder des Blogs „Rettet das Mittagessen“, macht’s vor

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2007/15 vom 14. April 2007
von

Wenn er sein Werkstattbüro in einem Hinterhofhaus in München-Haidhausen aufschließt, dann lüftet er erst einmal und macht Kaffee. Sebastian Dickhaut wirft keine superteure chromblitzende Siebträgermaschine an, sondern stellt die kleine paar-Euro-fuffzig-Espresso-Kanne auf eine der beiden Kochplatten, die auf einem Tischchen stehen. Die Milch schlägt er im Topf von Hand mit einem Schneebesen schaumig. So sind sie nunmal, die Dickhaut’schen Küchenprinzipien: Handarbeit ohne großes technisches Spezialwerkzeug, das sowieso nur die Küchenschränke verstopft. Gutes Essen aus ehrlichen Grundzutaten. Er ist der „Mister Simplify your life“ der Küche. So jemandem gelingt selbst auf einem Camping-Kocher eine geschmackvolle Mahlzeit.

Auf einen wie ihn haben offenbar viele gewartet. Ende der 90er Jahre entwickelt Dickhaut mit Co-Autorin Sabine Sälzer für den Gräfe & Unzer Verlag ein neues Kochbuch-Konzept, das vor allem junge Leute ansprechen soll. Das Ergebnis ist „Basic Cooking“ mit Rezepten für alle, die schon immer wissen wollten, wie man formvollendet die einfachsten Dinge zubereitet: Eier, Nudelsauce, Crêpes.

Simpel? Der Erfolg gibt ihm Recht. Das Buch wird zum Millionen-Seller, erobert den internationalen Markt, gewinnt Preise. Es folgen Basic-Bücher über italienische Küche, Fisch und so weiter. Insgesamt 42 Werke hat Dickhaut als Kochbuchautor veröffentlicht. Jetzt kommt mit „Basic cooking 2“ eine Fortsetzung des Einsteigerkochbuchs in den Handel. Es geht um die 80-Grad-Methode. Dickhaut erklärt Begriffe wie „farcieren“, „legieren“ und „glasieren“ oder wie man clever regionale Produkte und Bio einkauft.

„Meine Eltern haben immer auf gutes Essen geachtet“, sagt der Autor. Er kann sich sogar noch an sein Kommunionsfestmahl im Erbprinzen in Ettlingen erinnern: an Geschmack, Geruch und Konsistenz von Hechtklößchen mit Weißweinsauce. Sein Vater, Arzt und Fachbuchautor, betrieb damals im Hessischen eine Privatklinik, in der gute solide Küche zum Prinzip gehört und die Kinder des Klinikchefs mittags mit der Küchenbrigade aßen. Die Mutter arbeitete als Journalistin. Ihre Ferien verbrachte die Familie in Österreich, pachtete dort einen urigen Gasthof und fuhr sogar an den Wochenenden hin, um an einem offenen Grill Steaks für die Gäste zu brutzeln.

Vom Koch zum Autor

So wuchs Sebastian auf: mit Schreibern und Köchen. Nach dem Abitur machte er eine Kochlehre, lernte verschiedene Betriebe kennen und wechselte nach sieben Jahren zu seiner zweiten Leidenschaft – dem Schreiben. Mit Praktikum und Volontariat bei einer Lokalzeitung in der Tasche, brachte er seine beiden Lieblingsthemen beruflich unter einen Hut: Er arbeitete in einem Verlag als Kochbuchautor und machte sich später selbstständig. Der Wahl-Bayer veröffentlichte in München den Gastroführer „DelikatEssen“ und schrieb für Publikumszeitschriften. Momentan tüftelt er an der Idee für eine Internet-Kochsendung als Podcast, für die er noch Partner sucht.

Was er isst, oder an Kuriositäten rund ums Essen entdeckt hat, kann jeder täglich in Wort und Bild in seinem Blog „Rettet das Mittagessen“ verfolgen. Dickhaut kennt zwölf gute Gründe für das Mittagessen. Einer davon: Wer mittags richtig isst, schlappt ab, wenn der Biorhythmus sowieso abschlappt. Wer mittags nichts Richtiges isst, schlappt richtig ab – auch wenn der Biorhythmus wieder nach oben will. Noch ein guter Grund: Mittags kann man günstiger und trotzdem gut essen.

Manchmal reicht’s auch bei ihm nur für eine Wurstsemmel. Aber an diesem Tag geht’s auf die Terrasse der Gaststätte Zum Kloster. Dickhaut bestellt Siedfleisch mit Bratkartoffeln und grüner Sauce. „Richtig gute Bratkartoffeln sind gar nicht so einfach hinzukriegen“, sagt er. Die vom Kloster seien aber prima und die Kräuter für die Sauce nicht im Mixer zerkleinert worden, sondern klassisch gehackt. Dann zückt er die Kamera und fotografiert sein Essen. Für den Blog.

„Wieso denkt die Gastronomie in Deutschland immer nur in Konzepten?“, fragt er sich. Dickhaut hat ein Faible für unkomplizierte Gastro-Lösungen: ein kleines, frisches Angebot, schnell unter die Leute gebracht. Micaela Buchholz

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