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Papas Chefsessel übernehmen

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2009/34 vom 22. August 2009
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STUTTGART. „Immer eins nach dem anderen“, sagt Michael Kösters. Seit kurzem leitet der gelernte Koch und Küchenmeister das Hotel-Restaurant Tenbrock in Gescher im Münsterland. Übernommen hat er das Haus mit neun Zimmern, Restaurant und zwei Sälen für bis zu 450 Gäste von seinen Eltern. Sie haben ihren Familienbetrieb an die nächste Generation abgeben. Seit Mai sitzt Michael Kösters nun im Chefsessel des Vaters. Acht Monate lang bereiteten die Eltern ihn auf die Übergabe vor. Michael Kösters arbeitete sich in Abläufe ein, lernte Zahlen und Verträge kennen.

Dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband zufolge ist im Gastgewerbe derzeit ein Generationswechsel im Gange. Rund 4000 Hoteliers und Gastronomen seien allein in Baden-Württemberg in den nächsten Jahren auf der Suche nach einem Nachfolger. Denn irgendwann kommt für jeden Unternehmer der Abschied. Das Alter, eine Krankheit oder die Lust auf einen ruhigen Lebensabend fordern eine Entscheidung. Viele Betriebsinhaber verdrängen das Thema aber und gehen die Übergabe zu spät an.

Das bestätigt auch Björn Grimm, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Grimm Consulting in Hamburg. Der Experte betont: „Eine Betriebsübergabe muss rechtzeitig geplant werden.“ Zuerst sollten beide Parteien festlegen, an welchem Tag der Betrieb tatsächlich übergeben werden soll. „Das Thema sollte der Senior schon angehen, wenn er noch fit ist“, empfiehlt Grimm. Danach sollten beide Seiten – die Eltern und die Kinder – abwägen, wie der Betrieb weitergegeben werden soll. „Je nach Unternehmen und Zahlen kann eine Überschreibung, ein Verkauf oder eine Verpachtung für den Junior finanziell sinnvoll sein“, meint Grimm. Zuerst sollten deshalb die Unternehmenszahlen genau analysiert werden. Dabei ist es wichtig, dass auch der Nachfolger die Zahlen kennt. „Der Junior muss selbst sehen, was er übernehmen wird“, betont Grimm.

So hat es es auch Küchenmeister Michael Kösters im Münsterland gemacht: Der 30-Jährige hat den Betrieb der Eltern zu Beginn als Pächter übernommen. Als erstes hat er nun die Küche modernisiert und das Restaurant renoviert. „Auch wenn die Eltern anfangs andere Vorstellungen hatten, haben sie sich jetzt zurückgezogen und mich machen lassen“, sagt Kösters.

Oft braucht es Fingerspitzengefühl, wenn ein Betrieb von der einen in die nächste Generation wechselt. Für Unternehmensberater Björn Grimm ist deshalb klar: „Die Rollen von Junior und Senior müssen in der Übergangszeit klar definiert werden.“ Dem Senior falle es oft schwer, sich rauszuhalten – ist das Restaurant oder Hotel doch oft sein das Lebenswerk. Außer Steuerberatern oder Rechtsanwälten sollten Vater und Sohn deshalb einen weiteren Berater hinzunehmen. „Dieser vermittelt als Moderator zwischen den Generationen“, betont Grimm. Und: Beide sollten einen Vertrag schließen und einen Termin festlegen, ab dem es heißt: „So Junge, ab heute ist es Dein Laden.“

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