Wie ist Ihre Meinung zu diesem Thema? Schicken Sie eine E-Mail an ahgz@matthaes.de
Raus aus dem Hamsterrad
Wenn das Funktionieren zur Routine wird, bleibt wenig Zeit für Rückzug und Besinnung
STUTTGART. Die Konzentration auf das Wesentliche fällt oftmals schwer, weil das Unwesentliche zu viel Kraft kostet. Alltagsgeschäft, Hektik und immer auf dem Sprung. Das Tagesgeschäft in Hotellerie und Gastronomie sorgt für hohe Dynamik und vielfältige Anforderungen.
Wer kennt das nicht: In der Küche ist das falsche Gemüse geliefert worden, das Computersystem hat gerade ein neues Update erfahren, und es ist zu Doppelbelegungen gekommen. Vor lauter Aufgaben weiß der/die Abteilungsleiter/in gar nicht mehr, wo ihm/ihr der Kopf steht. Dabei müssten noch die Marketingmaßnahmen für das nächste Quartal geplant werden.
Die wirkliche Herausforderung besteht darin, den Faden nicht zu verlieren. Löst man sich aus dem Alltagsgeschehen, entdeckt man, dass Entscheidungen gar nicht im gedachten Zeitfenster hätten getroffen werden müssen und viele Dinge leicht zu delegieren gewesen wären. Doch wie lässt sich ein Ausstieg aus dem Hamsterrad-Alltag bewerkstelligen? Gute christliche Tradition ist es, nach den genussreichen Weihnachts- und Karnevalstagen bewusst runterzuschalten und zu fasten. All zu häufig bezieht sich heute das Fasten allerdings nur noch auf das gesundheitliche und ernährungstechnische Umfeld.
Aber was ist mit Geist und Seele? Setzt nicht aus gleichen Gründen die Seele „Fett“ an? Wenn das Funktionieren und Konsumieren zur täglichen Routine wird, bleibt selten Zeit bewusst zu reflektieren und sich zu besinnen. Eigentlich sollte eine regelmäßige seelische Fastenkur für Führungskräfte zur Selbstverständlichkeit werden.
Das heißt Geist und Seele vom Müll befreien, um gezielt innezuhalten und die Wahrnehmung zu schärfen. Nur so werden verschüttete oder unbeachtete Möglichkeiten wiederentdeckt und ungewöhnliche Ideen geboren.
Fasten, besinnen und anhalten können viele Menschen nicht in ihrer alltäglichen Umgebung. Räumliche Veränderungen ermöglichen neue „Blick“-Winkel. Deshalb ist es gut, sein Arbeitsumfeld zu verlassen. Sport, Spaziergänge, Gespräche mit Gleichgesinnten oder Meditation – es gibt eine Vielzahl an Räumen der Orientierung.
Es gilt den eigenen Raum zu finden, zu nutzen und bewusst zu etablieren. Hilfestellung kann hier auch von außen kommen. Feste Zeiten, die eine Führungskraft für sich wahrnimmt, um im Gespräch die Gedanken zu sortieren. Klarheit und dynamisches Handeln ist dabei der Schlüssel zu beruflichem und privaten Erfolg. Klaus Häck



