Karriere
Visionen brauchen Zeit
STUTTGART. Die besinnliche Zeit: Viele Menschen lassen jetzt das zurückliegende Jahr Revue passieren. Viele stellen sich fundamentale Fragen: Wofür arbeite ich tagaus, tagein? Macht mir mein Job Spaß? Bin ich mit meinem Privatleben zufrieden? Heikle Fragen! Denn wenn die Antworten unbefriedigend sind, drohen echte Existenzkrisen.
Eigene Werteskala festlegen
Manche versuchen deshalb, diese Fragen erst gar nicht an sich herankommen zu lassen. Sie verplanen sich komplett, haben folglich keine Auszeiten, keine Freiräume. Ein fataler Fehler, denn letztere sind notwendig, um sich den ständig neuen Anforderungen und Entscheidungssituationen bewusst stellen zu können und die eigene Werteskala festzulegen oder neu zu überdenken.
Die Intervalle verkürzen sich. Immer öfter geraten wir in Situationen, in denen wir uns entscheiden müssen, betont der Wiesbadener Berater Hans-Werner Bormann. Ziehe ich nach Berlin um, weil ich Karriere machen möchte? Oder sind mir meine Freunde wichtiger? Spare ich 200 Euro monatlich für die Altersvorsorge? Oder kaufe ich lieber ein neues Auto? Bei all diesen manchmal banalen Fragen müssen wir uns entscheiden. Denn alles zugleich ist meist nicht möglich.
Wissen, was wichtig ist
Das hat Konsequenzen: Wenn wir zu gewissen Möglichkeiten, die sich uns bieten, „Ja“ sagen, müssen wir gleichzeitig zu anderen „Nein“ sagen. Das können wir aber nur, wenn wir wissen, was uns wichtig ist – kurzfristig, wie langfristig. Sonst fassen wir zwar viele Vorsätze, doch ein, zwei Tage später werfen wir sie wieder über Bord. „Die wirklich wichtigen Dinge im Leben sind eben nicht dringend.“ Darauf weist Elisabeth Heinemann hin, Professorin für Schlüsselqualifikationen an der Fachhochschule Worms. Es ist also nicht dringend, joggen zu gehen. Es wäre aber gut für unsere Gesundheit. Es ist nicht dringend, mit den Kindern zu spielen. Es wäre aber positiv für ihre Entwicklung. Es ist nicht dringend, sich Zeit für ein Gespräch mit dem Lebenspartner zu nehmen. Es wäre aber gut für die Beziehung.



