Menschen
Vom Tellerwäscher zum Unternehmer
Nihal S. Samarasinha ist vor über 30 Jahren mit 20 Dollar in der Tasche von Sri Lanka nach Deutschland gekommen, um sein Glück zu machen – mit Erfolg
STEINBACH. Die Erfolgsgeschichte des Nihal S. Samarasinha hätte kein Bollywood-Autor besser erfinden können. Sein Weg führt von Sri Lanka als Tellerwäscher nach Hannover. Über Service, Night-Audit und F&B-Controller zum Job des Vice President Finance bis zum erfolgreichen Franchise-Unternehmer. Dieser betreibt drei, demnächst sechs Hotels und erwirtschaftet einen sagenhaften GOP (Gross Operating Profit) von 65 Prozent.
Mit zwei Hemden und Hosen und 20 Dollar kommt der junge Sri Lanker 1972 in Deutschland an. Damals landet er als „Praktikant“ in der Spülküche des Grandhotel Mussmann in Hannover. Der zierliche 18-Jährige mit dem großen Ehrgeiz lernt die ersten Sätze in der fremden Sprache und heißt, weil keiner seinen Namen aussprechen kann, fortan nur noch „Sam“.
Sam ist sich für nichts zu schade. In London putzt er Zimmer im Churchill Hotel, leert Aschenbecher im Playboy-Club, landet irgendwann im Night-Audit und hat damit seinen Platz im System Hotel gefunden. Im Night-Audit des CP Hamburg Plaza, heute Radisson SAS, trifft er Astrid. Sie wird seine Lehrerin, sein Coach. Astrid schickt ihn zur Hotelfachschule Heidelberg, wird seine Frau und die Mutter seiner drei Kinder.
Bei Canadian Pacific, heute Teil von Four Seasons, steigt Sam innerhalb von zwölf Jahren zum Regional Financial Controller für Europa, Mittlerer Osten und Afrika auf. Er geht als Vice President Finance & Internal Audit Europe, Middle East & Africa zu Holiday Inn Worldwide, danach sechs Jahre in gleicher Position zur Renaissance Hotel Group.
Die Übernahme durch Marriott beschert ihm 1998 den berühmten „Goldenen Handschlag“: Eine hoch sechsstellige Summe. „Das bekommt man nur einmal im Leben“, sagt Sam rückblickend. Für ihn ist dies die Starthilfe ins Unternehmertum. Am 1. Januar 2000 übernimmt seine Millennium Hospitality International GmbH ein Comfort Hotel im Bahnhofsviertel und „rebranded“ es zum Ramada Frankfurt-City Center. Es folgt, zwei Ecken weiter, das Columbus Hotel als Comfort Hotel Frankfurt-City Center und 2005 das Ramada Groß-Gerau, vormals Dom-Hotel.
Die Devise lautet Outsourcen
Samarasinha führt die Hotels nach seinem ureigenen Erfolgskonzept: „Alles outsourcen, was nur geht.“ Reinigung, Security, Technik, aber vor allem die Restaurants. Als weltweit einziger Ramada-Franchisenehmer hat Samarasinha für sein verpachtetes libanesisches Restaurant „L'Emir“ eine Ausnahmeregelung durchgesetzt. Die Wirte seiner Hotelrestaurants haben Pachtverträge direkt mit den Immobilieneigentümern, arbeiten aber nach den von Samarasinha vorgegebenen Ketten-Standards. „Eine zusätzliche Risikominimierung“, schmunzelt Sam. Zu seinem Vorteil, versteht sich.
Seine kleine Kette ist straff organisiert. Pro Hotel reichen fünf Festangestellte mit einem Rooms-Division-Manager als Teamchef. Ein Büro gibt es nicht. „Platzverschwendung“, findet Sam. Mitarbeiter gehören an die Front, zum Gast. Davon nimmt er sich selbst nicht aus. „Ich kümmere mich darum, dass Geld hereinkommt.“ Akquise ist bei ihm Chefsache. Seine Top-Kunden – EZB, Dresdner Bank und andere Finanzdienstleister – residieren im Radius von 200 Metern um seine Hotels. Rund ein Drittel der Belegung kommt über die Reservierungssysteme der beiden Ketten. Groß-Gerau, erst seit gut einem Jahr im Ramada-System, erreicht bereits20 Prozent.
Die Administration erledigt Astrid Samarasinha vom Steinbacher Home-Office aus, wo auch Sam morgens seine Geschäfte tätigt. Drei weitere Hotels hat er in der Pipeline. Bis Mitte 2007 will er mit zwei weiteren Ramadas und einem Wyndham am Nürburgring, in Wolfsburg und auf Malllorca vertreten sein.
Verträge von 20 Jahren Laufzeit sichern seine Investitionen ins Inventar. Mit drei Häusern und seiner Beratungstätigkeit auf internationaler Ebene erzielt der Finanzexperte einen Umsatz von 8 Mio. Euro und einen GOP von 65 Prozent, der damit fast genauso hoch ist wie die Belegung mit 70 Prozent. „Ich habe ja kaum feste Kosten“, sagt der Zahlenjongleur fast entschuldigend.
Inzwischen hat er mehr Lebenszeit in Deutschland als in seiner srilankischen Heimat verbracht. Seit 1980 ist er deutscher Staatsbürger. Er ist dankbar für die Aufnahme in Deutschland: „Mein eigenes Land hätte mir nicht so viele Chancen geboten.“ Sam hat sie allerdings auch genutzt. Barbara Goerlich


