Wie wird man Führungskraft?
Was man für die Karriere braucht
Wer beruflich weiterkommen will, muss seine Stärken und Schwächen kennen / Lern- und Kommunikationsbereitschaft sind besonders gefragt
Stuttgart. Karriere machen, das wollen viele. Doch was bedeutet es tatsächlich, Führungskraft zu sein? Und wie klappt der Aufstieg? Wer auf der Karriereleiter nach oben klettern will, der sollte sich frühzeitig mit dem Thema Führung beschäftigen. „Je frühzeitiger Fähigkeiten, Fertigkeiten und Neigungen erkannt werden, umso besser“, sagt Michael Verhoff vom Accor-Konzern. „Gepaart mit einer gesunden Einstellung, Energie und Freude gilt es dann, Stärken herauszuarbeiten und an seinen Schwächen zu arbeiten.“
Wissen, wie man wirkt
Die Stärken- und Schwächen-Analyse erachtet der Senior Vice President Operations Pullman, MGallery, Novotel und Suite Novotel als besonders wichtig. Zu wissen, wie die eigene Person auf andere wirke, helfe dabei, Entscheidungen, Beurteilungen und komplexe Sachverhalte besser zu transportieren. Eine Führungskraft werde somit souveräner. Auch gelinge es besser, mit Beschäftigten oder Geschäftspartnern zu kommunizieren.
Überhaupt kommt dem Dialog mit Kollegen und Mitarbeitern eine wichtige Rolle zu. Entscheidend sei es, zu wissen, wie ein Hotel in all seinen Bereichen funktioniere, sagt Christian Siegling, Hoteldirektor des Schlosshotels Lerbach. Dies erst ermögliche es, Strategien optimal umzusetzen und mit den Beschäftigten auf Augenhöhe zusammenzuarbeiten. Ähnlich sieht das Claus Geißelmann, General Manager im Intercontinental Berchtesgaden.
Ständige Gespräche mit Beschäftigten zu führen und deren Stärken und Schwächen zu kennen, sei in einer Leitungsfunktion wichtig, um als Vorgesetzter Rückhalt und Akzeptanz zu finden. Aber auch um Mitarbeiter so einzusetzen, dass ein bestimmtes Geschäftsziel erreicht werden kann.
Die Weiterbildung zum Hotelfachwirt oder ein Studium im Bereich Hotelmanagement gewinnen laut Claus Geißelmann beim Karrieremachen immer mehr an Bedeutung. Die Branche sei nachhaltig an einer Professionalisierung interessiert. Auch der Blick über den Tellerrand gehört dazu. Frieder Lempp, Direktor des Best Western Premier Hotel Park Consul in Esslingen, rät dazu, nach der Ausbildung die Häuser zu wechseln. „Auf diese Weise kommt man mit vielen Direktoren und Abteilungsleitern in Kontakt, von denen man sich auch hinsichtlich des Führungsstils einiges abschauen kann“, so Lempp.
Birgit Bosse, stellvertretende Hoteldirektorin und Marketingchefin im Park Consul, rät, in Entwicklungsgesprächen frühzeitig deutlich zu machen, dass man eine Leitungsposition anstrebt. Dementsprechend könne der Arbeitgeber das Fortkommen mit Jobs als Projekt- und Teamleiter unterstützen. Nach Ansicht von Birgit Bosse sollten sich Aufstiegswillige auch fragen, ob tatsächlich der hierarchische Aufstieg an die Hotelspitze angestrebt wird oder eine Abteilungsleitung. Die Antwort sei wichtig, um Überforderungen oder Enttäuschungen zu vermeiden.
Ziele klar definieren
Nach Ansicht von Carolina Cordes sind Seminare und Coachings, aber auch jährliche Beurteilungs- und Entwicklungsgespräche unabdingbar, wenn es um die Vorbereitung auf eine Führungsposition geht. Die Direktorin der Lindner Hotel&Sports Academy Frankfurt betont, dass Schulungen wichtige Einblicke in die bevorstehenden Herausforderungen als Führungskraft eröffnen. Zudem würden Soft Skills trainiert, etwa Überzeugungskraft, Entscheidungs- und Motivationsstärke sowie Präsentations- und Konfliktkompetenz, aber auch fachliche Aspekte wie Management, Leadership, Mitarbeiterauswahl und -führung. Zudem können Nachwuchsführungskräfte mit Weiterbildungen ihre Ziele definieren und letztlich nachhaltiger anpeilen.
Ohne ein Höchstmaß an praktischer Erfahrung geht es nicht. „Mit Projektleitungen und dem Erstellen und Präsentieren von Konzepten übt man, Verantwortung zu tragen und die Dinge im Team zum Ergebnis zu führen“, sagt Steffi Wisotzky. Die Direktorin des zur Steigenberger Hotel Group gehörenden Intercity Hotels Dresden betont: „Man lernt dadurch, diplomatisch und zielführend zu verhandeln, Entscheidungen zu treffen und zu tragen. Und schließlich gewinnt man durch Erfolge ein hohes Maß an Selbstvertrauen.“
Zum Führen von Mitarbeitern gehört für Christian Siegling auch die Fähigkeit zur Selbstreflexion. „Darüber hinaus sollte eine Führungskraft in der Lage sein, Strukturen und Kompetenzbereiche zu definieren und innerhalb dieser zu moderieren, zu fordern, zu fördern und Entscheidungen zu treffen“, so Siegling. Als Basis der vertrauensvollen Zusammenarbeit sei es unerlässlich, für die Mitarbeiter stets berechenbar und einschätzbar zu sein.
Etwas, das laut Andreas Elvers auch im Privaten gilt. Wer fit für die Karriere sein will, sollte seine Familie in die beruflichen Pläne einbinden und sich Gedanken machen, wie er beides unter einen Hut bekommt, so der Director Human Resources der Steigenberger Hotel Group. Denn wenn die Gefahr bestehe, dass eine Nachwuchsführungskraft sich zwischen Beruf und Familie zerreiße, könne auch die angestrebte Karriere in Gefahr geraten. Daniela Haußmann


