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Gastronomen aus Leidenschaft: Andreas Jungbäck und Manuela Piramovsky in ihrem mit viel Geschmack gestalteten Restaurant in Stuttgart

© Holger Zwink

Erfolgreiche Gastronomie (137)

„Wir strahlen jeden an“

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2011/19 vom 7. Mai 2011
 Holger Zwink

Stuttgart. Das Bohnenviertel in Stuttgart ist eines der wenigen erhaltenen Altstadtquartiere der Landeshauptstadt. Vor Jahrzehnten vor dem Abriss gerettet, ist es heute ein beliebtes Ausgeh- und Bummelziel. Galerien, kleine Läden, CaféBewirtungsbetrieb mit Verkauf von Speisen, insbesondere von Konditoreierzeugnissen und sonstigen kalten Speisen, sowie damit verbundenem Verkauf von Aufgussgetränken - im Allgemeinen zum Verzehr an Ort und Stelle.
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s, Bars und Restaurants locken Kunden und Gäste in das überschaubare Areal, eine gemütliche Insel, die von zwei großstädtischen Verkehrsachsen umtost wird.

Mittendrin im Bohnenviertel, in Sichtweite zu zwei Stuttgarter Gastronomie-Dauerbrennern, der Weinstube Stetter und dem Hotel-Restaurant Zauberlehrling, bewirtet seit rund einem Jahr mit großem Erfolg das Restaurant Leib + Seele seine Gäste.

Im Erdschoss einer städtischen Immobilie haben die jungen Gastronomen Manuela Piramovsky und Andreas Jungbäck ihr Restaurant eingerichtet. „Der Laden war baulich in einem ziemlich schlechten Zustand“, erinnert sich Andreas Jungbäck an die Zeit der Objektsuche zurück. Aber die Lage hat gestimmt und die Größe des Lokals. Darum haben sie schnell zugegriffen, bevor andere schneller waren.

Kein Zufall

Die Lokalität mit den hübschen Bogenfenstern und einem torähnlichen Eingang hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich: In der Achtziger- und frühen Neunzigerjahren residierte hier eine der bekanntesten Gaststätten der Innenstadt: Beim Griechen Costas gab sich Kultur- und Politprominenz der Landeshauptstadt die Klinke in die Hand. Als diese Ära beendet war, haben viele Pächter an diesem eigentlich guten Standort ihr Glück versucht, allerdings ohne dauerhaften Erfolg.

Dieser hingegen ist dem jetzigen Gastronomenpaar beschieden. Aus gutem Grund. Denn Manuela Piramovsky und Andreas Jungbäck, beide Branchenprofis, beide 31 Jahre alt, haben bei Einrichtung, Ausstattung und beim Entwickeln ihres gastronomischen Konzepts nichts dem Zufall überlassen. Zunächst wurde komplett renoviert. Jungbäck: „Alles Alte musste raus, ein Durchbruch zur Küche wurde bewerkstelligt. Wir haben einiges investiert.“ Wieviel das war, wollen Piramovsky und Jungbäck nicht verraten. Es muss aber ein ganz hübsches Sümmchen gewesen sein. Denn der Gastraum mit seinen 35 Plätzen präsentiert sich in strahlendem Weiß, ausgelegt mit einem Holzboden, möbliert mit naturhölzernen Zweiertischen und bequemen dunklen Leder-Lehnstühlen. Die Tische sind fein eingedeckt mit Stoffservietten. Und gläserne, zylindrische Lampen verbreiten am Abend in dem schlicht-eleganten Ambiente einen sanften, orangefarbenen Schein.

„Wir hatten das so im Kopf und haben es ohne Innenarchitekt umgesetzt“, berichten die beiden Gastronomen. Lediglich ein Bekannter, der Schreiner ist, habe sie beraten. Etwa bei der Breite der Tische, die jetzt 80 Zentimeter breit sind, statt der zunächst geplanten 70 Zentimeter. Der Gast soll sich nicht eingeengt fühlen. Piramovsky und Jungbäck wissen, das die eher puristische Einrichtung vielleicht nicht jedem gefällt, aber – das hat die junge Gastgeberin festgestellt: „Den meisten Gästen zaubert das frische, helle Innere ein Lächeln ins Gesicht.“

Dazu trägt natürlich auch die Küche des Chefs bei, der unter anderem im Hotel am Schlossgarten in Stuttgart und im Hirschen in Fellbach gearbeitet hat. Und von seiner Ausbildung im Lamm in Hebsack weiß er nur Gutes zu berichten. „Kleine Karte, hohe Qualität, moderate Preise“, so umschreibt das sympathische Gastronomenpaar seine Philosophie. Jungbäck kocht, wenn es geht mit Produkten aus der Region, die Qualität der Zutaten steht für ihn absolut im Vordergrund. Und er ist nicht auf regionale Gerichte fixiert. „Ich will kreativ sein und Klassisches auch mal neu interpretieren“, so Jungbäck. Wichtig ist ihm und seiner Lebensgefährtin eine schöne und ästhetisch durchgängige Grundstimmung im Restaurant. Auf den Tellern gibt es dann schon mal ein hübsches Körbchen aus Wam-Tan-Teig oder als Garnitur ein eingebackenes Salbeiblatt. „Ein netter Effekt ohne großen Aufwand“, so Jungbäck.

Den Gästen gefällt’s, denn nach anfänglich mäßigem Start hat sich das Leib + Seele einen ausgezeichneten Ruf erarbeitet. Der Laden läuft, und damit die Qualität unter Volllast gehalten werden konnte, wurden rasch neue Mitarbeiter eingestellt. Fünf feste sind es jetzt und vier Aushilfen.

Umsatzahlen möchte das Betreiberpaar nicht in der Zeitung lesen. Unglücklich blicken Andreas Jungbäck und Manuela Piramovsky jedenfalls nicht in die Welt. Im Gegenteil. Die herzliche Chefin ist die Seele des Restaurants. Sie und ihr Team pflegen einen freundlich-ungezwungenen Servicestil. Manuela Piramovsky: „Wir strahlen jeden an.“

Herzliche Chefin

Und nicht nur im Umgang mit den Gästen sind Freundlichkeit, Höflichkeit und Achtung wichtig. Die beiden jungen Chefs bemühen sich sehr um einen kollegialen und fairen Umgang mit ihren Mitarbeitern. „Es sollen morgens alle gern zur Arbeit erscheinen. Es gibt nichts Schlimmeres, als schon mit Bauchkrämpfen ins Restaurant zu kommen“, so die Chefin. Ihre Erfahrung: Bei einem guten BetriebsklimaWahrgenommene, subjektiv erlebte längerfristige Qualität im Rahmen der Zusammenarbeit der Beschäftigten eines Wirtschafts- oder Verwaltungsbetriebs.
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seien Elan und Arbeitsweise ganz anders. Die gute Stimmung spiegele sich sofort im Lokal wider. Gute Beziehungen unterhalten Piramovsky und Jungbäck auch zu ihren Gastronomenkollegen in der Nachbarschaft. „Wir haben uns bestens eingefügt und sind bestimmt eine passende Ergänzung zum bestehenden Angebot,“ umschreibt Andreas Jungbäck die Situation im Bohnenviertel, das in der warmen Jahreszeit mit vielerlei Außengastronomie die Gäste anlockt.

Ein echter Trumpf sind da die schick möblierten Außenplätze des Restaurants Leib + Seele. Denn kaum irgendwo in Stuttgart sitzt man so lauschig wie in der kopfsteinbeflasterten und autofreien Rosenstraße. Holger Zwink


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