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Management & Praxis

Chinesen packt die Reiselust

Je mehr Gastronomen über Gäste aus dem Reich der Mitte wissen, desto besser für das Geschäft / Kleine Schüsseln und Stäbchen kommen gut an

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2008/25 vom 21. Juni 2008
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STUTTGART. Der China-Boom hinterlässt auch seine Spuren im Tourismus: Immer mehr Chinesen, die zu Geld kommen, leisten sich eine Europa-Reise. Damit auch deutsche Gastronomen von diesem Boom profitieren können, sollten sie sich schlau machen über die Besonderheiten ihre potenziellen Kunden (siehe Kasten).

Herkunft ist wichtig

"Aber Vorsicht vor den immer häufiger kursierenden Ratschlägen, die mehr über die Vorurteile ihrer Urheber als über die tatsächlichen Eigenarten der chinesischen Touristen verraten", warnt Li Lee, Gründungsmitglied des "Vereins zur Förderung der Deutsch-Chinesischen Beziehungen – Schwarzer Adler Gelber Drache (SAGD) e. V." Und der gebürtige Chinese weiß, wovon er spricht. "Chinesen kann man nicht über einen Kamm scheren. Schon ihre Dialekte sind zum Teil so grundverschieden wie beispielsweise Schwedisch und Portugiesisch. Besonders auffällig sind ihre regional unterschiedlichen Essgewohnheiten."

Während die Südchinesen gerne kleine schön zurechtgemachte Speisen essen, freuen sich die aus dem Norden eher über ein deftiges, üppiges Essen. Bietet man beides umgekehrt an, ist Enttäuschung vorprogrammiert. In einigen Provinzen können die Speisen nicht scharf genug sein, die Bewohner anderer hingegen sind nur mild zubereitete Speisen gewohnt, könnten also Scharfes gar nicht überstehen. Im Süden isst man bevorzugt Reis, während im Norden mehr Mehlspeisen – wie das mit Dampfnudeln vergleichbare Mantou – gegessen wird. Daher ist es empfehlenswert, sich zu informieren, aus welchem Gebiet die Reisegruppe kommt.

Heißes Wasser ist ein Muss

Aber es gibt auch ein paar nützliche Hinweise, die für alle Chinesen gleichermaßen zutreffen: So vermissen sie hier die Möglichkeit, jederzeit und überall heißes Wasser oder Tee trinken zu können. Und zwar als Service ohne extra Berechnung. Fettreiche Küche, mit viel Butter und Sahne, ist ihnen sehr fremd. Die meisten vertragen sie nicht und bekommen dadurch Verdauungsprobleme.

Mit Messer und Gabel zu essen, ist vielen mittlerweile bekannt und wird auch immer mehr geübt, dennoch würde sich jeder Chinese über eine Schüssel und Stäbchen freuen. "Sehr gewöhnungsbedürftig ist für Chinesen, dass jeder sein eigenes Essen bestellt, was dann in Form einer vollen, fertigen Portion nur für ihn vor ihm steht, oder, dass gleich am Anfang die volle Menge auf den Teller geladen wird, die man zu essen gedenkt", erläutert Li Lee und fügt hinzu: "Chinesen sind gewohnt, dass verschiedene Speisen wie Fleisch, Fisch, verschiedene Gemüse und Reis oder Nudeln auf dem Tisch stehen. Zu einer Portion Reis oder Nudeln wird dann abwechselnd von den verschiedenen Speisen nur jeweils ein Happen genommen."

Glückskekse sind unbekannt

Lee, der vor fast 20 Jahren nach Deutschland kam und mit einer deutschen Frau verheiratet ist, möchte auch ein paar Vorurteile zurechtrücken: "Chinesen sind nicht so abergläubisch, rätselhaft und mystisch, wie manch selbsternannter Chinakenner gerne verbreitet. "So gibt es beispielsweise keine ausgesprochene Glücks- oder Unglückszahl. Aufgrund der Jahrtausende alten Geschichte gibt es zu jeder Zahl eine gute wie schlechte Deutung." Die Unglück bringende Zahl 13 hätten viele Chinesen von westlichen Ausländern übernommen, so Lee. "Und Glückskekse kennen Chinesen nur aus den China-Restaurants im Ausland." Auch an der Behauptung, Chinesen würden nach fünf Elementen kochen, ist nach Lees Auskunft nichts dran: "Wenn Sie in China überhaupt jemanden finden, der so kocht, dann ist es ein geschäftstüchtiger Mensch, der damit Touristen aus dem Westen für sich gewinnen will."

Wer sich erfolgreich um chinesische Gäste bemühen will, dem empfiehlt Lee auf jeden Fall die Zusammenarbeit mit dem ReisebüroTouristisches Unternehmen, das sowohl als Reisemittler, -makler, -händler als auch als Reiseveranstalter tätig sein kann anerkannte und etablierte Form des stationären Hotel-Vertriebs in Deutschland.
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und dem Reiseleiter vor Ort, die in der Regel auch über die genaue Herkunft und besonderen Wünsche der Gruppe Auskunft geben können. Sein Tipp: "Wer gezielt chinesische Gäste gewinnen will, der sollte das gleiche machen wie die Betreiber von China-Restaurants mit den Deutschen: je kitschiger typisch deutsch desto besser." Peter Wiehl


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