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Recht

Erst einmal abmahnen

Fristlose Kündigung nur bei „zerstörtem Vertrauensverhältnis“

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/48 vom 2. Dezember 2006

Eigentlich sollten alle Mitarbeiter – auch im Gastgewerbe – dankbar dafür sein, dass sie Arbeit und somit ein geregeltes Einkommen haben. Doch einige Angestellte wissen das bisweilen weniger zu schätzen. Die Folge: Sobald der Chef aus dem Raum ist, ziehen sie gegenüber Kollegen über ihn her oder reden generell die Arbeitsbedingungen schlecht.

So auch in einem Fall, über den das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz zu entscheiden hatte. Der Kläger, ein Angestellter, wehrte sich darin gegen eine fristlose Kündigung seines Arbeitgebers. Der hatte ihn gefeuert, weil er gegenüber einer Mitarbeiterin geäußert hatte, ab kommenden Montag nicht mehr zur Arbeit erscheinen zu wollen – er könne schließlich mit Schwarzarbeit viel mehr Geld verdienen (Az.: 4 Sa 36/06). Völlig überraschend hielt das Gericht die Kündigung nicht für gerechtfertigt. Begründung: Der Arbeitgeber hätte den Mitarbeiter wegen seines losen Mundwerks erst einmal abmahnen müssen. Seine Erklärung gegenüber Kollegen, ab kommenden Montag nicht mehr für den Arbeitgeber zu arbeiten, reiche noch nicht aus, um das Vertrauensverhältnis als völlig zerstört anzusehen.

Vor allem sei nicht erkennbar, dass der Arbeitnehmer besonders hartnäckig und uneinsichtig seine künftigen vertraglich geschuldeten Arbeitsleistungen nicht mehr erbringen wolle. In einem solchen Fall, so das Gericht, sei es vielmehr aus Arbeitgebersicht naheliegend, den Arbeitnehmer zur Arbeitsaufnahme aufzufordern und ihn auf die Konsequenzen einer dann fälligen Kündigung seines Verhaltens wegen hinzuweisen.Marcus Creutz


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