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Getränke schreiben Weltgeschichte

Tom Standage wirft den etwas anderen Blick auf Klassiker im Angebot der Gastronomie

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/49 vom 9. Dezember 2006
 Alexandra Leibfried

Auf einmal war der Wein ein geselliges Getränk. Ungefähr 2500 v. Chr. verlor er seinen Status als Kult-Trank und kam bei Festen auf den Tisch. Aber nicht überall, sondern nur bei reichen Ägyptern. Tom Standage, Wissenschaftsredakteur beim Magazin Economist, fabuliert zur Abwechslung nicht über Verkostung und Terroir, sondern betrachtet den Wein lieber als Ursprung des abendländischen Denkens. „In sprudelnden Tiefen wirbelt Geschichte“, behauptet der Autor.

Folgt der Leser diesen Spuren, landet er im antiken Athen. Beim Symposion diskutierten die Griechen über Politik und leerten unzählige Amphoren. Darin befand sich natürlich Wein. Im Unterschied zu den Trinkbechern der Barbaren, die mit „primitivem Bier“ gefüllt waren. Der Wein war also auch Ausdruck sozialer Abstufung. Sogar heute gilt es noch als vornehm, ihn zu trinken. „Wein ist das ideale Medium, um Kennerschaft zu demonstrieren“, so der Autor. Und bei Abendgesellschaften und Banketts werden auch vorwiegend edle Tropfen getrunken.

Tom Standage nimmt jedoch nicht nur den Wein unter die Lupe. Ohne Kaffee hätte es keine französische Revolution gegeben, lautet eine andere These. Der europäische Rationalismus und die Ausbreitung des Getränkes, das den Verstand schärft, stünden in Zusammenhang. Schließlich war es das Lieblingsgetränk von Kaufleuten und Intellektuellen. Kaffee habe geholfen, den Arbeitstag effizient zu strukturieren. Getrunken wurde er auch „in achtbaren Etablissements, wo man seinen Geist schulte.“

Was fängt der Gastronom mit dieser unterhaltsamen Getränke-Historie an, die auch noch Wasser, Tee und Coca-Cola einbezieht? Natürlich wird er seine Weinkarte nicht um kulturgeschichtliche Zusammenhänge erweitern, aber vielleicht im Gespräch mit dem Gast das ein oder andere an Wissenswertem einfließen lassen. Eine Bereicherung ist die Lektüre über „Sechs Getränke, die die Welt bewegten“ allemal. Flüssig führt Standage durch die Jahrhunderte. Das macht Spaß, auch wenn die Zusammenhänge manchmal – obwohl stichhaltig begründet – etwas weit hergeholt anmuten. Aber wer weiß schon, wer die nächsten genialen Ideen bei einer Tasse Kaffee entwickelt. Alexandra Lindinger

Tom Standage

Sechs Getränke, die die Welt

bewegten

Artemis und Winkler

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: 19,90 Euro


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