TV-Umrüstung
Raus mit den klobigen Kästen
STUTTGART. Neue, flache Fernsehgeräte müssen her – obwohl die alten Apparate in allen Zimmern ihren Dienst noch zuverlässig versehen. Seit dem Siegeszug der Flatscreen-TVs können sich Hoteliers zwischen Flensburg und Berchtesgaden, die ihr Haus auf dem neuesten Stand halten wollen, einer TV-Umrüstung nicht mehr entziehen. Die Gäste mögen die riesigen Röhren in den Zimmern einfach nicht mehr sehen. „Solche Geräte werfen ein schlechtes Licht auf das gesamte Haus“, so ein Hotelier aus Hamburg im Gespräch mit der AHGZ. Und wie läuft so eine Umrüstung ab?
Gäste nicht beeinträchtigt
Im vergangenen Jahr hat auch Peter Weishäupl, Direktor des 4-Sterne-Privathotels Unger in der Stuttgarter City die dicken Dinger entsorgt. Aus allen 114 Zimmern mussten die massiven Röhren-Modelle raus und die flache Ware rein. Weishäupl: „Wir haben die alten Geräte vor sieben Jahren gekauft, nur zwei davon haben dieser Zeit ihren Geist aufgegeben. Sie waren technisch in Ordnung. Deswegen konnten wir uns zunächst schwer mit dem Gedanken an eine Umrüstung anfreunden.“ Er räumt aber ein: „Die TV-Apparate haben die Ansprüche der Gäste nicht mehr erfüllt.“ Weishäupl musste handeln.
Zunächst hat er eine grundsätzliche Entscheidung getroffen. Schließlich hängt an der gesamten Hotelfernseh-Anlage heutzutage oft auch das Pay-TV und das Internet-System. Bleibt man beim bisherigen Dienstleister für diese Dinge oder orientiert man sich auch hier neu? Mit dem bisherigen Anbieter Quadriga weiterzumachen. Dafür entschieden sich Peter Weishäupl und Hotelbesitzerin Susanne Zöller-Unger, nachdem sie auch woanders Angebote eingeholt hatten. „Da blieb uns einiges an Logistikaufwand erspart“, blickt Weishäupl zurück. Die TV-Computeranlage im Serverraum konnte bleiben, wie sie war – lediglich ein Upgrade
weiter mit Mausklick... war nötig. „Wir mussten praktisch nur die Fernseher auswechseln“, so Weishäupl. Das sei entschieden einfacher gewesen als den gesamten technischen Hintergrund mit auszutauschen, denn das hätte bedeutet, dass die Gäste drei bis vier Tage ohne Fernsehen hätten auskommen müssen. Weishäupl: „Das wollten wir unbedingt vermeiden.“ Und es ist gelungen. Kein Gast musste während der Umrüstphase auf seinen Fernseher verzichten.
Wie das gelang? „Rein, raus, rein“, sagt Weishäupl. Die 116 Flachbildfernseher wurden alle zusammen angeliefert. Das Konferenzzimmer fungierte als Zwischenlager. „Es wurde gestapelt bis unter die Decke“, berichtet der Direktor. Vier Techniker waren schließlich im Haus, die täglich eine bis eineinhalb Etagen geschafft haben. Peter Weishäupl stolz: „Die Gäste haben davon praktisch nichts gemerkt.“ Wichtig dabei: Der Hotelchef hat die Umrüstung in die Herbstferien gelegt, für das Unger eine eher auslastungsschwache Zeit.
Insgesamt dauerte die ganze Prozedur eine Woche. Zuzüglich zwei bis drei Tage Vorarbeit. Diese allerdings nicht am Stück, sondern verteilt auf mehrere Tage. Peter Weishäupl rät allen Kollegen, eine anstehende TV-Umrüstung weit vorausschauend zu planen und Zimmerrenovierungen so vorzunehmen, dass bei späteren TV-Aktionen nicht mehr gebohrt und nichts mehr aufgerissen werden muss. Auch Kleinigkeiten wollen beachtet werden. Beispielsweise dort, wo Schwenkarme im Einsatz sind. Die Auflageteller für Flatscreen-Geräte sind kleiner, im Unger mussten neue her. Oder die Sache mit den Steckdosen. Weil das Flachbildgerät und das Pay-TV-Modem jetzt im Gegensatz zur vorher jeweils eine eigene Stromquelle benötigen, hat in so manchem Zimmer zunächst eine Steckdose in TV-Nähe gefehlt. Besonders ärgerlich ist das, wenn kurz vorher renoviert wurde. Gekostet hat die Austauschaktion um die 50.000 Euro. Dabei hat sich das Hotel Unger auf eine Neuerung eingelassen, die bisher im Haus nicht üblich war: Die 116 neuen Geräte hat man für drei Jahre geleast. Weishäupl: „Wir waren da eigentlich immer konservativ. Was wir brauchten, wurde gekauft.“ Aber weil sich die Technik gerade bei Unterhaltungs- und Informationselektronik so schnell ändert, sind die Unger-Chefs diesmal einen anderen Weg gegangen. „Wir haben ganz bewusst gesagt, dass wir in drei Jahren dann komplett neu sehen werden, welche Ansprüche und Wünsche die Gäste haben“, so Weishäupl. Die Zulieferer – so seine Erfahrung – rechnen damit und machen entsprechende Angebote.
Altgeräte gespendet
Zum Schluss stand noch die Entsorgung der Altgeräte auf dem Programm. Diese war nämlich im Umrüstungspaket nicht enthalten. Was Peter Weishäupl und Susanne Zöller-Unger partout nicht wollen: Dass die Fernseher als Elektroschrott auf zweifelhaften Wegen nach Afrika geraten, wo sie von fünfjährigen Kindern auseinandergebaut werden. Deshalb haben sie einige Geräte an Mitarbeiter verschenkt und den Rest einer befreundeten Ordensschwester für ihr Krankenhaus überlassen. Holger Zwink

