Konzepte

Hoch das Glas: Schieferwein, Schmalzbrot und Hefeschnaps lockern Bergfrau Peggys Rundgang auf

© Thorsten Keller

Konzepte

Stilvoll tafeln in tiefem Gestein

Gastronom Willy Wolf hat mit dem „Bergwerk bei Nacht“ einen kulinarischen Leckerbissen erschaffen / Mario Adorf hat „unter Tage“ seinen Stammplatz

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2008/24 vom 14. Juni 2008

MAYEN. Ein Bergwerksmuseum ohne Verpflegung? Das kann nicht sein, dachte sich auch Willy Wolf, als er vor Jahren vom Deutschen Schieferbergwerk in der Eifelstadt Mayen las. „Ich habe geschwitzt, gestottert und dem Besitzer etwas von einem obligatorischen Bergmannsmenü erzählt, das man unbedingt bei den Führungen unter Tage servieren muss“, gesteht der Gastronom heute, wenn er seine Gäste im rheinland-pfälzischen Mayen zum „Bergwerk bei Nacht“ begrüßt. Auf die Rückfrage des erfahrenen Bergmanns, Unternehmenschefs und Stollenbesitzers, was denn das „obligatorische Bergmannsmenü“ eigentlich sei, musste Wolf seinerzeit improvisieren. „Erbsensuppe mit Würstchen“ redete er sich aus seinem Dilemma – Tags darauf war Willy Wolf im Geschäft.

Heute ist das „Bergwerk bei Nacht“ in Mayen vielmehr ein gut nachgefragtes Gastro-Erlebnis als eine Erbsensuppenführung. Eines jedoch – der enge Bezug zum Werkstoff Schiefer – ist beim „Bergwerk bei Nacht“ geblieben. Eine lokale Großbäckerei versorgt die Bergwerksgäste mit „Schieferbrot“, der unter Tage servierte „Schieferwein“ wird exklusiv für Wolf auf Schieferboden in bester Mosellage angebaut, und für den trockenen Hals zwischendurch gibt es einen heimischen Hefebrand unter der Bezeichnung „Schieferschnaps“. „Du hast genug geredet, jetzt bin ich dran“, unterbricht die als Bergfrau verkleidete Museumsführerin Peggy ihren Chef.

Spaß und Information

Ein wenig Kölsche Spökes, ein „Prima Colonia“, und die gebürtige Domstädterin macht sich mit ihrem Besuchertross hinunter in den alten Stollen, 16 Meter tief unter der die Stadt Mayen prägende Genovevaburg. Hier werden die Bergmannsfrischlinge erst einmal gedeckelt – mit einem Bergmannshelm, der in den folgenden 90 Minuten Pflicht ist. „Wir wollen heute Abend viel Spaß haben und ein wenig lernen“, verspricht Peggy und beginnt zu erzählen.

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Willy Wolf und sein Team rüsten in der Zwischenzeit einen Teil des ehemaligen Bergwerks für das Erlebnis nach dem Erlebnis. „Glück Auf“ heißt das im heimischen Restaurant im Nachbarort Welling hergestellte und dann nach Mayen gelieferte 4-Gänge-Menü, das Wolf an diesem Abend auftischen wird. Die Kartoffelsuppe befindet sich – obligatorisch bergmännisch halt – im Henkelmann, im Anschluss gibt es auf schiefernen „Platzdeckchen“ serviert gegrillte Geflügelbrust mit Kräuter-Riesling-Sauce, süße Bergmannsvariationen und eine mit Weintrauben angerichtete, auf Schiefer servierte Käseauswahl. Den Durst löscht indes ein naturtrübes, eigens von einer lokalen Brauerei hergestelltes „Schieferbier“, das geschmacklich dem Kölsch stark ähnelt.

Das aus dem Stollen schallende Steigerlied ist für das Team von Willy Wolf das Zeichen. Mit einem vielstimmigen „Glück auf, Glück auf – der Steiger kommt...“ biegen Bergwerksführerin Peggy und ihre Gäste auf die Zielgerade ein. Der Vorhang öffnet sich, das „Oooh!“ und „Aaah!“ zeugt im Schein von Kerzen und Bergwerkslampen von der gelungenen Überraschung der Gäste. Beim ersten Stoß der Suppenlöffel in die scheinbar überdimensionierten Henkelmänner wiederholt sich das „Oooh!“ und das „Aaah!“, ein doppelter Boden – der Henkelmann besteht normalerweise aus zwei Ebenen – ist des Rätsels Lösung.

Glück auf als Menü

Jeder Abend wird individuell auf die Wünsche der Firmenkunden abgestimmt. Und die Nachfrage nach dem außergewöhnlichen Gastro-EventInszenierte Veranstaltung in meist außergewöhnlicher Umgebung , die Gäste durch ihre emotionale Ansprache aktivieren soll.
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ist hoch: Mindestens zweimal wöchentlich – und in der Vorweihnachtszeit nahezu täglich – wird das „Bergwerk bei Nacht“ von Unternehmen gebucht.

Zweimal im Monat werden Privatgäste durch das Bergwerk gelotst, die mit ihrem vorwiegend im Internet gebuchten Eintrittsgutschein zum PreisTransaktionspunkt zwischen Angebot und Nachfrage eines Produkts bzw.
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von 49,50 Euro an einem Pauschalprogramm aus Führung, Viergangmenü, musikalischer Begleitung und Verzehrpaket teilnehmen. Für einen Besucher am Abend endet der kulinarische Hochgenuss im Bergwerksstollen indes auf einem ganz besonderen Sitzplatz, den – wenn er denn gerade Mayen, die Stadt seiner Jugend, besucht – ein häufig und gern gesehener Gast im „Bergwerk bei Nacht“ für sich beansprucht. „Der Platz, auf dem Sie heute Abend sitzen, ist der Stammplatz von Mario Adorf“, klärt Unter-Tage-Restaurantchef Herbert dann auf – und das „Oooh!“ und das „Aaah!“ geht in seine dritte Runde, die noch nicht die letzte des Abends ist. Thorsten Keller


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